In Portugal ist das Fahren ohne obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung weiterhin verbreitet – und das Problem verschärft sich. Nach Schätzungen der Aufsichtsbehörde für Versicherungen und Pensionsfonds (ASF) sind derzeit rund 121 Fahrzeuge ohne gültigen Versicherungsschutz unterwegs. Bleibt die Entwicklung unverändert, könnte die Zahl bereits in diesem Jahr auf 134 ansteigen.
Grundlage dieser Angaben ist die Studie „Profil des Fahrers ohne Versicherung“. Sie stützt sich auf Kontrollmaßnahmen der Polizei der Öffentlichen Sicherheit (PSP). Die Auswertung zeigt: Obwohl weniger Fahrzeuge überprüft wurden, nimmt die Zahl der Verstöße weiter zu. 2023 wurden 5559 Fahrer ohne Versicherung festgestellt; 2025 lag dieser Wert bereits bei 8937. Im selben Zeitraum erhöhte sich die Verstoßquote von 0,72% auf 1,33%.
Auch die Zahlen für das erste Quartal 2026 bestätigen diesen Trend. Allein in den ersten drei Monaten wurden 2611 Fahrer ohne Versicherung unter 177 552 kontrollierten Fahrzeugen identifiziert – die Quote stieg damit auf 1,47%.
Wer fährt ohne Versicherung?
Für die Studie wurde das Profil nicht versicherter Fahrer anhand von Verkehrsunfällen erstellt, für die diese Personen verantwortlich waren. Berücksichtigt wurden Verfahren, die 2024 und 2025 eröffnet wurden; sie machen rund 50,8% aller in diesem Zeitraum eingeleiteten Fälle aus.
Die demografische Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der unfallverursachenden Fahrer Männer mit portugiesischer Staatsangehörigkeit sind (94,7%) und überwiegend zwischen 20 und 39 Jahren alt. An zweiter Stelle folgen Fahrer mit brasilianischer Staatsangehörigkeit (3,18%), an dritter Stelle Fahrer mit angolanischer Staatsangehörigkeit (0,33%).
Geografisch häufen sich die Unfälle vor allem in den Metropolregionen Lissabon und Porto. Lissabon liegt mit 423 Fällen vorn, gefolgt von Sintra (262) und Porto (204). Nach Angaben der ASF spiegelt diese Verteilung vor allem die am dichtesten besiedelten städtischen Räume mit hoher Pendlerbewegung wider.
Die finanziellen Folgen
Die steigende Zahl unversicherter Fahrzeuge belastet zugleich den Automobil-Garantiefonds (FGA), der Opfer entschädigt, wenn der Unfallverursacher keinen gültigen Versicherungsschutz hat.
2025 zahlte der FGA fast 12 Millionen Euro an Entschädigungen. Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber den 12,5 Millionen im Jahr 2024, liegt aber weiterhin deutlich über den rund 9,7 Millionen Euro aus 2022 – ein Hinweis auf eine insgesamt wachsende Entwicklung der vergangenen Jahre.
Bis zu 2500 Euro Strafe
Neben dem Risiko für andere Verkehrsteilnehmer drohen beim Fahren ohne gültige Versicherung auch direkte Sanktionen. Nach der portugiesischen Straßenverkehrsordnung sowie dem Gesetzesdekret Nr. 291/2007, das die obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung regelt, gilt das Fehlen dieser Versicherung als schwere Ordnungswidrigkeit.
Für Pkw und Motorräder liegt das Bußgeld zwischen 500 und 2500 Euro; zusätzlich werden 2 Punkte im Führerscheinregister abgezogen. Bei anderen Kraftfahrzeugen bewegt sich die Geldbuße zwischen 250 und 1250 Euro. Außerdem kann ein Fahrverbot von bis zu einem Jahr verhängt werden – und vor allem ist bei einer Kontrolle die sofortige Beschlagnahme des Fahrzeugs durch die Behörden möglich.
Zu diesen Strafen kommt das finanzielle Hauptrisiko: Kommt es zu einem Unfall, kann der Fahrer verpflichtet werden, dem FGA die an die Opfer ausgezahlten Beträge vollständig zu erstatten. In schwerwiegenden Fällen kann sich dieses Verfahren über Jahre hinziehen und Summen von mehreren Hunderttausend Euro erreichen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen