Der kommende BMW M5 wird in irgendeiner Form elektrifiziert sein – sehr zum Ärger der puristischen Fans der Marke aus München. Bis es so weit ist, kommt man dieser neuen „Spezies“ mit dem Modell, das wir hier betrachten, am nächsten: dem BMW 545e xDrive.
Zwar steht kein „M“ im Namen und er durchbricht auch nicht die (scheinbar) obligatorische 500-PS-Marke, trotzdem ist der Vergleich mit dem M5 aus meiner Sicht nicht abwegig. Der Grund: Es handelt sich um den bislang stärksten Plug-in-Hybrid, den BMW je angeboten hat.
Und weil Zahlen am Ende stärker wirken als „Titel“, gleich die Fakten: Dieser „Super-Hybrid“ kombiniert einen aufgeladenen 3.0-l-Reihensechszylinder-Benziner mit 286 PS mit einem Elektromotor mit 109 PS. Zusammen ergibt das eine maximale Systemleistung von 394 PS und 600 Nm.
Das Hybridpaket wird von einer Lithium-Ionen-Batterie mit 12 kWh (11,2 kWh nutzbare Kapazität) unterstützt. Das Aggregat stammt vom BMW 745e und ermöglicht eine rein elektrische Reichweite von bis zu 56 Kilometern.
Genau hier beginnt der 545e spannend zu werden. Statt dem heute immer noch verbreiteten Downsizing – das dann vom elektrischen Boost überdeckt wird – bleibt BMW beim 3.0-Liter-Reihensechszylinder mit Turbo. Und das ist auch gut so …
Denn kaum ein anderer Motorentyp steht (noch) so sehr für München wie der Sechszylinder in Reihe. Dennoch passt die Elektrifizierung erstaunlich gut dazu – sogar sehr gut. Die typische Laufkultur und der Klang bleiben erhalten, die Reaktion fällt spürbar direkter aus (0 bis 100 km/h in nur 4,6s) – und auch der Verbrauch profitiert. Zumindest so lange, wie die Batterie noch Energie liefert.
Obendrein kann man bis zu 56 km komplett elektrisch fahren – ein Pluspunkt für alle, die kurze tägliche Strecken in der Stadt zurücklegen. Realistisch muss ich aber gleich sagen: Mehr als 50 km sind schwer zu erreichen.
Damit bin ich direkt beim Verbrauch. Vergesst die von BMW genannten 1,7 l/100 km. In diesem Test kam ich nie unter 5,5 l/100 km, und bei der Rückgabe zeigte der Bordcomputer im Schnitt 8,8 l/100 km.
Allerdings muss ich zugeben, dass dieser Wert durch die häufige Nutzung des Sport-Modus und der vollen 394 PS deutlich nach oben getrieben wurde. Bei normaler Fahrweise, ohne große Eskapaden, dürfte es ziemlich leicht sein, sich im Bereich um 6 l/100 km einzupendeln. Wenn man berücksichtigt, dass hier ein Benziner-Sechszylinder mit fast 400 PS arbeitet, ist das ein vernünftiger Wert.
Diese Zahlen gelten allerdings immer mit Unterstützung aus der Batterie. Wenn nur der Benziner arbeitet, sollte man mit Verbräuchen jenseits von 9 l/100 km rechnen. Immerhin sprechen wir von einem Auto, das mehr als zwei Tonnen wiegt (2020 kg).
Sportlich oder ökologisch?
Das ist die naheliegende Frage – schließlich steht hier ein Plug-in-Hybrid mit nahezu 400 PS. Die Antwort ist ehrlich gesagt simpel: Diese Limousine wirkt in der Praxis deutlich sportlicher als ökologisch. Und der Verbrauch ist dabei nur ein Teil der Gleichung.
Ganz nüchtern betrachtet ist die Zielsetzung dieses Modells leicht zu erkennen: Auf kurzen Strecken Kraftstoff sparen und auf langen Etappen keine Reichweitenangst haben – und gleichzeitig ein Auto besitzen, das sofort „zupackt“, sobald man das Tempo erhöhen will.
Nur: Hinter dem Lenkrad des 545e gerät der Gedanke ans „Sprit sparen“ sehr schnell in den Hintergrund. Seine Beschleunigung macht schlicht süchtig. Man ertappt sich dabei, viel häufiger die dynamischen Talente dieses Hybriden abzurufen, als „für die Durchschnittswerte“ und die Reichweite zu fahren.
Die Schuld liegt dabei nicht beim 545e – und erst recht nicht beim Hybridsystem. Sie liegt bei uns. Wir müssen uns selbst disziplinieren und im Grunde ausblenden, wie viel Leistung unter dem rechten Fuß bereitsteht.
Gelingt das, erkennt man den Kern dieses Modells: Es kann tatsächlich sehr unterschiedliche Rollen übernehmen und wird damit zu einem wichtigen Begleiter für die verschiedensten Anforderungen einer Woche.
Es ist ein 5er …
Alles beginnt damit, dass es eben ein BMW 5er ist – und das steht praktisch automatisch für solide Verarbeitung, hohe Kultiviertheit, einen gelungenen Innenraum, erstklassigen Komfort und eine bemerkenswerte Langstreckentauglichkeit. Dazu kommt die Alltagstauglichkeit als Familienauto, die in dieser Baureihe grundsätzlich gesetzt ist – sowohl als Limousine als auch (vor allem) als Touring.
Beim 545e gilt das genauso. Besonders auffällig ist die Arbeit, die BMW in die Geräuschdämmung investiert hat – ein Detail, das im rein elektrischen Betrieb noch wichtiger wird, weil man dann tatsächlich praktisch nichts hört.
Auf der Autobahn ist er ein echter Kilometerfresser, mit dem Vorteil, dass man sich weder von Reichweite noch von Ladezwang ausbremsen lässt.
In der Stadt wirkt er trotz Größe und Gewicht ausreichend handlich und überzeugt mit einem sehr sanften Antriebseindruck – oft, ohne den Benziner überhaupt „aufzuwecken“.
Und nimmt man ihn mit auf eine kurvige Landstraße, liefert er ebenfalls ab und wird dem Namen gerecht. In dieser Version verteilt xDrive das Drehmoment auf alle vier Räder, dennoch zeigt die Hinterachse eine erfreuliche Agilität. Am meisten beeindruckt aber, wie konsequent er die Kraft auf die Straße bringt und wie er aus Kurven heraus „losschießt“.
Ist das das richtige Auto für Sie?
Wie bei jedem Plug-in-Hybrid ergibt dieses Auto nur dann wirklich Sinn, wenn man es regelmäßig lädt und so oft wie möglich rein elektrisch fährt.
Wenn Sie dazu bereit sind, ist der 545e ein ausgesprochen attraktives Angebot – vor allem, weil er so vielseitig ist. Das klingt nach einem typischen „Plug-in“-Klischee, aber dieser 545e beherrscht tatsächlich das „Beste aus zwei Welten“.
Einerseits liefert er Performance und ein dynamisches Gesamtpaket, das einem BMW M5 (E39) nicht fremd wäre. Andererseits ermöglicht er den täglichen Stadtweg, ohne auch nur einen Tropfen Benzin zu verbrauchen.
Dazu bleiben all die Qualitäten erhalten, die wir an der aktuellen 5er-Generation so loben: die Innenraumqualität und das Technologieangebot, seine Stärke als Reisewagen und das Platzangebot.
Und ich verspreche: Es ist ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass – wenn man genug hat von Familienpflichten oder allzu „grüner“ Fahrweise – immer noch ein nobler Benzin-Reihensechszylinder unter der Haube wartet …
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