Seit dem Börsengang von SpaceX und dem steilen Bewertungsanstieg von Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) steht die Geschäftsluftfahrt Kopf. Die aktuelle Markteuphorie erinnert an die Dynamik, die einst die Dotcom-Blase ausgelöst hat.
In Cleveland hat die auf Luftfahrtrecht spezialisierte Anwältin Amanda Applegate alle Hände voll zu tun. Nach dem rekordträchtigen SpaceX-Börsengang, bei dem mehr als 85 Milliarden US-Dollar eingesammelt wurden, ist die Zahl der frisch Vermögenden so stark gestiegen, dass eine Flut an Kaufverträgen für Privatjets ihre Sommerferien verkürzt hat. Wie Reuters berichtet, haben viele Unternehmen und Dienstleister der Business Aviation in den vergangenen Tagen sprunghaft steigende Zahlen gesehen – und das auf einem ohnehin bereits steigenden Trend, befeuert durch den Aktienboom bei KI-Firmen.
„Ich glaube, dass sich immer mehr Menschen Reisen im Privatjet leisten können, und diese Zahl scheint täglich zu wachsen“, sagte die Expertin und Mitgründerin von Star Aviation Low gegenüber der Nachrichtenagentur. Das Geschäft ihres Unternehmens liegt seit Jahresbeginn um 25 % höher. Diese Entwicklung wird durch weitere Kennzahlen gestützt: Laut von JetNet zusammengeführten Daten stiegen die Flüge von Privatjet-Eigentümern um 13,4 %, zudem legten Vertragsabschlüsse bei Anbietern von Teileigentum an Flugzeugen um 11,8 % zu. Während der Dotcom-Blase vor 26 Jahren verzeichnete der Markt einen Anstieg der Auslieferungen um 24 %.
Geld im Überfluss: neue, junge Privatjet-Kunden
Auffällig ist, dass viele der neuen Wohlhabenden vergleichsweise jung sind. Bei Flexjet aus Cleveland wird das vor allem mit der Herkunft des Vermögens erklärt: Ein grosser Teil der Kunden sei durch Börsengänge im Technologiesektor zu Geld gekommen. „Das führt zu einer jüngeren Kundschaft“, sagte DJ Hanlon, Executive Vice President Sales bei Flexjet, gegenüber Reuters. Besonders aussergewöhnlich sticht dabei eine Gruppe hervor, die für deutliche Ausschläge gesorgt hat: „In den letzten sechs bis zehn Monaten hatte ich eine Handvoll Jungs mit SpaceX-Bezug, die Geld ohne Ende zum Ausgeben hatten“, berichtete der Leiter eines in Kalifornien ansässigen Luftfahrt-Brokers.
Angebotsknappheit in der Geschäftsluftfahrt treibt Preise
Ein wichtiger Punkt dabei: Immer mehr dieser neuen Kunden waren noch nie im Privatjet unterwegs, bevor sie selbst einen besassen. Durch diesen Nachfrageimpuls geraten verfügbare Privatjets unter starken Druck und werden zu Höchstpreisen gehandelt. Je stärker die Nachfrage anzieht und je länger die Liefer- und Beschaffungszeiten werden, desto weiter ziehen die Preise an. „Ich habe letztes Jahr Flugzeuge verkauft, die ich heute 10 bis 15 % teurer verkaufen könnte.“ Gegenüber der Nachrichtenagentur erklärte er zudem, dass vor zehn Jahren nur ein Fünftel seiner Verkäufe auf Kunden aus Technologieunternehmen entfiel.
Hotspots: San Francisco, Brownsville und die wichtigsten Städte
In San Francisco, dem Umfeld von Anthropic und OpenAI, verzeichnete der Business-Aviation-Verkehr laut JetNet im Vergleich zu anderen Bundesstaaten das stärkste Wachstum: plus 11 % im Jahresvergleich.
In Texas wiederum, in Brownsville nahe dem SpaceX-Sitz, sprengen die Zahlen rund um den Börsengang jede Erwartung. In einem Gebiet, das früher eher wenig belebt war, wurden 97 Flüge registriert – ein Plus von 177 %. Mitarbeitende, die durch ihre Tätigkeit im Unternehmen und durch Aktienbesitz vermögend wurden, haben den US-Bundesstaat zugleich zum Schwerpunkt neuer Abschlüsse bei Jet Link gemacht. Für das Unternehmen, dessen Umsatz seit Jahresbeginn um 60 % gestiegen ist, kam der Grossteil der neuen Verträge aus San Antonio, Dallas und Austin.
In der Rangliste der beliebtesten Städte für Privatjet-Verkehr liegt New York weiterhin deutlich an der Spitze. Die Metropole, mit starker Anbindung an den Rest der USA sowie nach Europa und in den Nahen Osten, kam laut WingX im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 14. Juni auf 73 115 Privatjet-Reisen. Das entspricht einem Zuwachs der Verkehrsströme von 6,2 %. Auf den weiteren Plätzen folgen Los Angeles mit 47 593 Flügen sowie Miami mit 29 119 Flügen. San Francisco liegt auf Rang 7 und könnte im weiteren Jahresverlauf mit seinem Wachstum von 10,7 % noch Plätze gutmachen.
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