Wenn ein Mercedes-Benz im Werk Kecskemét in Ungarn die Montage beendet, prüfen inzwischen nicht mehr nur Mitarbeitende, ob alles stimmt.
Ein Teil der Qualitätskontrolle wird dort mittlerweile von einem System mit künstlicher Intelligenz übernommen, das mögliche Mängel erkennt, bevor das Fahrzeug die Produktionslinie verlässt.
Mercedes-Benz stellte die Lösung bei einem Rundgang durch das Werk Kecskemét vor, in dem die neue elektrische C-Klasse gebaut wird. Die Technik wurde zuvor bereits im Mercedes-Benz Werk in Peking eingeführt – und kommt in Kecskemét nun erstmals in Europa zum Einsatz.
Ein KI-„Inspektor“
Intern trägt das System den Namen „Octopus“. Der Cobot (kollaborativer Roboter) nutzt Kameras und künstliche Intelligenz, um den Innenraum der Fahrzeuge zu überprüfen. Die Bezeichnung leitet sich von mehreren Roboterarmen ab, die sich über das Auto ausfahren und in ihrer Anordnung an einen Oktopus erinnern.
Ziel ist es, Unregelmässigkeiten zu finden, die während der Montage unbemerkt geblieben sein könnten. Mercedes-Benz erklärte zudem, dass es separate Systeme gibt, die sich der Prüfung der Karosserieaussenhaut sowie bestimmter Komponenten widmen – etwa elektrischen Verbindungen, Schrauben und weiteren Montageelementen.
Sobald das System eine potenzielle Auffälligkeit erkennt, wird die Information an den Arbeitsplatz übermittelt, an dem der Fehler entstanden sein könnte. Dadurch kann das Team die Ursache gezielt beheben und die Wahrscheinlichkeit senken, dass derselbe Fehler erneut auftritt.
Die Technologie kommt aus China
Bei der Vorstellung betonte Mercedes-Benz, dass „Octopus“ erstmals im Werk der Marke in Peking eingesetzt wurde.
Wie das Magazin Vernunft Automobil bei Christian Dickert, dem Werkleiter von Mercedes-Benz in Kecskemét, bestätigte, handelt es sich hier um die erste europäische Anwendung. Laut Dickert soll „Octopus“ zu einem Referenzsystem für die Mercedes-Benz Produktion werden.
Das System ist Teil einer umfassenderen Digitalisierungsstrategie in der Fertigung: Künstliche Intelligenz unterstützt die Qualitätskontrolle und liefert den Teams in der Fabrik Informationen in Echtzeit.
Menschen bleiben das Zentrum der Produktion
Trotz des zunehmenden KI-Einsatzes liegt die finale Entscheidung weiterhin bei den Produktionsteams.
Auf die Frage des Magazins Vernunft Automobil, wer das letzte Wort hat, wenn das System eine mögliche Anomalie meldet, erklärte Christian Dickert: „Künstliche Intelligenz kann nur einen Hinweis geben und sagen: „Hier gibt es ein Risiko oder eine Delle, bitte prüfen“. Die endgültige Entscheidung treffen die Bediener selbst“.
Diese Entscheidung hängt dabei nicht allein von der individuellen Einschätzung einzelner Mitarbeitender ab. Michael Schiebe, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group mit Verantwortung für Produktion, Qualität und Supply-Chain-Management, sagte dem Magazin Vernunft Automobil, dass die Bediener nach zuvor vom Hersteller festgelegten Kriterien arbeiten.
„Der Bediener entscheidet auch nicht nur nach seiner Intuition. Wir haben klare Vorgaben, was den Qualitätsstandards von Mercedes-Benz entspricht und was nicht“.
Je stärker künstliche Intelligenz in den Werken Einzug hält, desto klarer positioniert sich Mercedes-Benz: Die Systeme sollen Beschäftigte unterstützen – nicht ersetzen.
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