Ab 22.200 Euro ist der Renault Twingo Electric – bis zur baldigen Einführung des Dacia Spring Electric – das günstigste Elektroauto auf dem deutschen Markt.
Der Twingo Electric kam deutlich später als sein deutscher „Cousin“, der Smart EQ forfour, der hierzulande bereits seit 2018 angeboten wird. Dafür wirkt der Renault wie die Lösung, bei der weniger Kompromisse nötig sind.
Mit einer Batterie von 21,4 kWh statt der 17,6 kWh des Smart erreicht das französische Modell schließlich eine angegebene Reichweite von 190 km im kombinierten Zyklus. Beim EQ forfour sind es dagegen 133 km.
Einfaches und funktionales Interieur
Im Innenraum unterscheidet sich der Renault Twingo Electric nur geringfügig von seinen „Brüdern“ mit Verbrennungsmotor. Der Innenraum überzeugt daher weiterhin mit einer schlichten, funktionalen und jugendlich wirkenden Gestaltung sowie einer soliden Verarbeitung, die sich auch daran zeigt, dass keine störenden Klapper- oder Nebengeräusche auftreten.
Zahlreiche Ablagen, ein unkompliziertes, aber umfassendes Infotainmentsystem und grafische Details wie die Prägung in den hinteren Türen, die das Profil des Twingo zeigt, unterstreichen, dass dieses Auto für ein jüngeres Publikum konzipiert wurde.
Das Platzangebot setzt keine Maßstäbe – was auch nicht zu erwarten war. Dennoch reisen vier Erwachsene mit einem angemessenen Komfort, wozu vor allem die große Innenraumhöhe beiträgt. Der Kofferraum fasst 188 bis 219 Liter und liegt damit hinter den 250 Litern des Volkswagen-Group-Trios aus Volkswagen e-Up, Škoda Citigo und SEAT Mii zurück. Für alltägliche Erledigungen und den üblichen Einkauf reicht er jedoch aus.
Renault Twingo Electric: In der Stadt wie „ein Fisch im Wasser“
Die ersten Kilometer im Renault Twingo Electric führten erwartungsgemäß durch sein „natürliches Revier“: die Stadt. Dort bewegt sich der kleine Renault wie „ein Fisch im Wasser“, schlängelt sich angenehm agil durch den Verkehr und reagiert dank des für Elektroautos typischen, sofort verfügbaren Drehmoments ausgesprochen spontan.
Auch das Parken gelingt mühelos, zumal eine Rückfahrkamera vorhanden ist. Die Sicht nach außen fällt gut aus, wobei die erhöhte Sitzposition deutlich hilft. Zudem ermöglicht der enge Wendekreis von 9,1 m für eine vollständige 360°-Drehung zwischen Mauern beziehungsweise 8,6 m zwischen Bordsteinen das Wenden selbst in besonders schmalen Gassen.
Weniger überzeugend ist der Komfort auf schlechten Straßen. Dort macht sich die etwas straffe Fahrwerksabstimmung bemerkbar, die zwar der Fahrdynamik zugutekommt. Der kleine Twingo Electric zeigt aber klar, dass er glatte, gut asphaltierte Alleen holprigen Stadtgassen vorzieht.
Außerhalb der Komfortzone
Nachdem ich einige Kilometer in der Stadt gefahren war und dabei etwa 25 % der Batterie des Twingo Electric verbraucht hatte, war es an der Zeit, ihn aus seinem gewohnten Umfeld herauszuholen und außerhalb seiner Komfortzone zu bewegen.
Auf dem „Menü“ stand eine rund 90 km lange Fahrt in die Ortschaft Coruche, die über Autobahnen und Landstraßen führte. Ein Auto, das vor allem für die Stadt gedacht ist, muss schließlich nicht zwangsläufig auf längeren Strecken passen.
In den ersten Kilometern verließ nicht nur der Twingo Electric seine Komfortzone, sondern auch ich. Um ein akzeptables Tempo zu halten, stieg der Verbrauch, der in der Stadt noch bei 10-12 kWh/100 km gelegen hatte, auf etwa 16 kWh/100 km an – exakt in dem Bereich des offiziellen Werts.
Auch die prognostizierte Reichweite sank kontinuierlich: Sie hatte bei 170 km begonnen, während die Grafik für die mit dem vorhandenen Ladestand erreichbare Distanz unaufhörlich kleiner wurde. Kurz gesagt: Ich erlebte die berüchtigte „Reichweitenangst“ am eigenen Leib.
Dank Ausstattungen wie dem Tempomaten (wer hätte gedacht, dass Kleinstwagen ihn einmal haben würden?) und einem Batteriemanagement, das die von Renault gesammelte Erfahrung erkennen lässt, vergingen die Kilometer jedoch zunehmend entspannter. Die Sorge, nicht wieder nach Hause zu kommen, rückte immer weiter in den Hintergrund.
Auf der Autobahn liegt der Twingo Electric stabil und verweigerte auch einige Überholmanöver nicht – selbst im geregelten und zen ausgelegten „Eco“-Modus, der Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungsvermögen reduziert.
Zur Reichweitenoptimierung stehen außerdem drei Rekuperationsstufen beim Bremsen zur Verfügung: B1, B2 und B3. Zwar sind die Unterschiede zwischen ihnen gering, ihre Aufgabe erfüllen sie aber.
Auf kurvigen Strecken sollte man sich vom Twingo Electric hingegen keine große Fahrfreude versprechen. Obwohl er ein „Heckmotorler“ ist, einen niedrigeren Schwerpunkt besitzt und sein Fahrwerk die Karosseriebewegungen gut kontrolliert, greift die Stabilitätskontrolle häufig ein. Wirksamkeit und Sicherheit stehen eindeutig über dem Vergnügen am Steuer.
Sicheres Laden des Renault Twingo Electric
Am Ziel angekommen, musste der Renault Twingo Electric natürlich geladen werden. An einer öffentlichen Ladesäule geht das allerdings recht zügig: An einem 11-kW-Ladepunkt dauert der Vorgang 3 Std. 15 Min., an einem 22-kW-Schnellladepunkt 1 Std. 30 Min.
Beim Laden bietet der Twingo Electric zudem eine interessante Funktion. Wird er an eine Haushaltssteckdose angeschlossen, „prüft“ er die Elektroinstallation. Erkennt das System ein Überhitzungsrisiko, beginnt es schlicht nicht mit dem Laden. Auf diese Weise schützt es sowohl die elektrische Anlage als auch das Gebäude, an das das Fahrzeug angeschlossen ist.
Ist er das richtige Auto für Sie?
Wenn Sie überwiegend in der Stadt unterwegs sind, gehört der Renault Twingo Electric sehr wahrscheinlich zu den besten Optionen.
Er ist klein und wendig, im Elektroauto-Umfeld erschwinglich und für sein Segment ordentlich ausgestattet. Anders als sein deutscher „Cousin“ scheut er außerdem weder Autobahnen noch Strecken im Umland übermäßig.
Ist er ein geborener Langstreckenwagen? Nein, und genau das ist auch nicht sein Anspruch. Umso angenehmer ist die Erkenntnis, dass sich mit den günstigsten Elektroautos auf dem Markt die „Horizonte erweitern“ lassen und Fahrten über die „städtischen Mauern“ hinaus möglich werden.
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