Im Stadtverkehr fährt sich der hybride Renault Clio E-Tech wie ein Elektroauto. Bei engagierterer Fahrweise dürfte er sich allerdings stärker wie ein „reiner“ Verbrenner anfühlen.
Nur wenige Autos haben einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert wie der Renault Clio – zumindest in Portugal: Allein dort hat der Clio bereits die Marke von einer halben Million verkauften Exemplaren erreicht.
Obwohl der französische Kleinwagen seit mehr als drei Jahrzehnten auf den Straßen unterwegs ist, zeigt er keinerlei Ermüdungserscheinungen. Erst kürzlich erhielt er eine Modellpflege, die ihm zusätzliche Argumente in einem zunehmend von SUVs geprägten Markt verschafft.
Gegenüber dem bisherigen Renault Clio halten sich die Änderungen zwar in Grenzen. Dennoch hat Renault die richtigen Bereiche verbessert – und zugleich den Einstiegspreis gesenkt.
In diesem Video zeigt Guilherme Costa, was sich beim überarbeiteten Clio verändert hat – außen ebenso wie im Innenraum:
Nach dieser ersten Begegnung in Brüssel, Belgien, war der französische Kleinwagen bereits in der Garage von Razão Automóvel zu Gast, und zwar mit einer der interessantesten Motorisierungen der Baureihe: Autogas (LPG). Lesen Sie den Test von André Mendes:
Aller guten Dinge sind drei: Diesmal durfte ich eine weitere, ebenfalls besonders interessante Antriebsvariante fahren – den Hybrid, den Renault Clio E-Tech Full Hybrid nennt. Nun gilt es herauszufinden, ob das Lob aus dem letzten Test weiterhin berechtigt ist.
Komplexes, aber effizientes Hybridsystem
Auch nach der Modellpflege setzt das Hybridsystem auf einen Saugbenziner mit vier Zylindern und 1,6 l Hubraum, der allein 94 PS leistet. Ergänzt wird er von zwei Elektromotoren: Einer übernimmt ausschließlich den Antrieb und leistet 36 kW (49 PS), der zweite fungiert als Motor/Generator und stellt 15 kW (25 PS) bereit.
Aus diesem Zusammenspiel resultiert eine Systemleistung von 145 PS – exakt derselbe Wert wie zuvor. Die Software des gesamten Systems wurde jedoch überarbeitet, um die Effizienz zu steigern und das Lademanagement vor allem auf der Autobahn zu optimieren.
Darauf komme ich noch zurück. Zunächst verdient das multimodale Automatikgetriebe Aufmerksamkeit, das dieses Hybridsystem steuert und zu einem der komplexesten auf dem Markt macht.
Das Getriebe nutzt Lösungen, die vom Formel-1-Sport inspiriert sind. Es verfügt über vier Fahrstufen für den Benzinmotor sowie zwei für den Elektromotor, woraus sich insgesamt 15 mögliche Kombinationen ergeben.
Da weder Kupplung noch Synchronringe vorhanden sind, übernimmt der kleinere Elektromotor, also der Motor/Generator, zusammen mit einer in Kooperation mit dem Alpine-Formel-1-Team entwickelten Software die Steuerung.
Zum „Geheimnis“ des Hybridsystems im Renault Clio E-Tech gehört selbstverständlich auch die Batterie mit einer Kapazität von 1,2 kWh, die unter dem Kofferraumboden untergebracht ist.
Renault Clio E-Tech: In der Stadt fast ein Elektroauto
So verwirrend und aufwendig die Technik auf den ersten Blick wirken mag, so unkompliziert arbeitet sie im Alltag: Wann immer es möglich ist, priorisiert das System den Elektromotor.
Renault gibt deshalb an, dass dieser Hybrid-Clio im Stadtverkehr 80% der Zeit ausschließlich elektrisch unterwegs sein kann – ohne Unterstützung durch den Benzinmotor.
Das gelingt, weil es im urbanen Umfeld zahlreiche Möglichkeiten zur Energierückgewinnung gibt, etwa beim Verzögern und Bremsen. Zudem arbeitet die Funktion „B“, welche die Rekuperation beim Verzögern erhöht, deutlich kräftiger als bei vielen anderen Hybriden dieser Art.
Muss das System die Batterie laden – beispielsweise während das Auto an einer Ampel steht – oder wird das Gaspedal entschlossener betätigt, schaltet sich der Benzinmotor zu. Meist geschieht das ausgesprochen sanft.
Genau das zählt zu den größten Stärken dieses Hybrid-Clio: Der Wechsel zwischen Elektro- und Benzinmotor gelingt sehr überzeugend und bleibt mitunter nahezu unbemerkt.
Sparsam dank der richtigen Einstellungen
Weil der Elektromotor so häufig zum Einsatz kommt, profitieren erwartungsgemäß auch die Verbrauchswerte. Auf einer Stadtstrecke erreichte ich mit aktiviertem Eco-Modus und gewählter Funktion „B“ einen Verbrauch von 3,6 l/100 km.
Auf der Autobahn – dort stets ohne die Funktion „B“, aber ebenfalls im Eco-Modus – blieb der Verbrauch bei Geschwindigkeiten um 120 km/h unter sechs Litern.
Über den gesamten Testzeitraum von rund 300 km, auf gemischten Strecken mit einem gewissen Schwerpunkt auf Autobahnen und Schnellstraßen, lag der Durchschnitt bei 4,8 l/100 km. Das ist ein sehr überzeugender Wert, der diesen Hybrid in den typischen Verbrauchsbereich von Dieselfahrzeugen bringt.
Komfort und Stabilität im Renault Clio E-Tech
Der Tradition entsprechend macht der Clio beim Komfort keine Kompromisse, selbst wenn der Asphalt Schwächen zeigt. Auch auf der Autobahn vermittelt er jederzeit ein ausgeprägtes Gefühl von Stabilität, was den Sicherheitseindruck an Bord spürbar stärkt.
Die Geräuschdämmung auf der Autobahn könnte allerdings besser sein, auch wenn die in den Innenraum dringenden Geräusche keineswegs übermäßig störend ausfallen.
Kein Sportwagen …
Trotz des Alpine-„Geists“, der diese Ausstattungsvariante kennzeichnet, ist dieser Renault Clio E-Tech Hybrid weit davon entfernt, ein Sportwagen zu sein. Seiner Tradition folgend zeigt er sich dynamisch dennoch sehr kompetent.
Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,3 s ist nicht spektakulär, muss es aber auch nicht sein. In Kurven überzeugt der Clio mit viel Ruhe, während die Lenkung ein gutes Gefühl vermittelt, präzise arbeitet und nicht zu stark unterstützt wird.
Selbst wenn man mit höherem Tempo in eine Kurve fährt, hält die Federung die seitlichen Bewegungen der Karosserie zuverlässig im Zaum. Provoziert man das Heck, lässt es sich ganz im Stil französischer Fronttriebler zum Mitlenken bewegen, wodurch sich Kurven noch effektiver durchfahren lassen.
Neben der gelungenen Abstimmung von Fahrwerk, Federung und Lenkung gibt es in diesem Kapitel jedoch zwei weniger überzeugende Punkte: das Geräusch des Benzinmotors und das Getriebe.
Wenn das Tempo steigt und mehr Leistung gefordert wird, insbesondere im Sport-Modus, muss der turbolose Benzinmotor fast immer eingreifen. Dabei wird deutlich, dass er dauerhaft hohe Drehzahlen benötigt, wodurch er lauter wird. Sein Klang ist dabei nicht immer besonders angenehm.
Während das Getriebe in der Stadt sanft und souverän arbeitet, zeigt es auf Landstraßen bei der Ausnutzung der dynamischen Fähigkeiten des Clio gelegentlich Zögern. Dann wünscht man sich etwas manuelle Kontrolle über das Geschehen.
Was kostet der Renault Clio E-Tech?
Wie bereits erwähnt, ist es Renault hoch anzurechnen, den Clio in nahezu allen Bereichen verbessert und die Preise trotzdem gesenkt zu haben – entgegen dem allgemeinen Trend der Branche.
Mit Preisen ab 19.400 Euro gehört der Renault Clio zu den wenigen Angeboten auf dem portugiesischen Markt, die unter der Schwelle von 20.000 Euro bleiben. Das war sogar Anlass für eine Folge von Auto Rádio, einem Podcast von Razão Automóvel mit Unterstützung von PiscaPisca.pt. Diese Folge können Sie unten abrufen:
So wettbewerbsfähig der Einstiegspreis des Clio auch ist: Die hier getestete Hybridversion ist erst ab 28.200 Euro erhältlich. Das Testfahrzeug mit der sportlicher auftretenden Ausstattung Esprit Alpine und einigen Optionen erhöht den Preis auf 31.276 Euro.
Mir ist bewusst, dass es „nur“ ein Clio ist und er mehr als 30.000 Euro kostet – eine Summe, die vor einigen Jahren nur für eine R.S.-Version denkbar gewesen wäre.
Rechnet man jedoch die Betriebskosten durch, die stark vom Verbrauch beeinflusst werden, kann der Renault Clio E-Tech Full Hybrid ein sehr interessantes Angebot sein. Vor allem für Fahrerinnen und Fahrer, die überwiegend in der Stadt unterwegs sind.
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