Um weiteres Mal, um in einem extrem umkämpften Segment auf dem neuesten Stand zu bleiben, hat der Suzuki Vitara einen Mildhybrid-Antrieb erhalten.
Während früher ein Diesel in der Motorenpalette eines Modells beinahe Pflicht war, haben sich die Prioritäten inzwischen verschoben: Heute wird es zunehmend ungewöhnlich, wenn ein Modell keine elektrifizierte Variante anbietet.
Um herauszufinden, ob dieses System dem bekannten japanischen SUV tatsächlich spürbare Vorteile bringt, haben wir ihn in jener Ausführung getestet, bei der Sparsamkeit und niedrigere Emissionen kurioserweise am wenigsten im Vordergrund stehen: mit Allradantrieb.
Unverkennbar er selbst
Der 2015 eingeführte und bereits zweimal überarbeitete Suzuki Vitara hat sich im Grunde nur wenig verändert. Die wichtigste Neuerung der jüngsten Modellpflege war die Einführung von LED-Scheinwerfern.
Trotz seiner inzwischen fünf Jahre auf dem Markt lässt der eher zurückhaltende Stil den japanischen SUV nicht alt aussehen. Den Titel des „B-SUV, der die meisten Blicke auf sich zieht“, wird er allerdings kaum gewinnen.
Mir persönlich gefällt diese dezente Ausstrahlung. Entscheidend sind für mich letztlich die inneren Qualitäten eines Modells und nicht die Menge an Aufmerksamkeit, die man am Steuer auf sich zieht – offenbar sehen das nicht alle so …
Suzuki Vitara Innenraum mit Verbesserungspotenzial
Auch im Innenraum bleibt der Vitara seiner Linie treu: Nüchternheit bestimmt weiterhin das Erscheinungsbild.
Sämtliche Bedienelemente befinden sich dort, wo man sie erwartet. Die einzige Ausnahme bildet die Steuerung des Bordcomputers: Ein Stift im Kombiinstrument erleichtert die Navigation durch die (sehr) umfangreichen Menüs keineswegs.
Ebenso ausbaufähig ist das Infotainmentsystem. Seine Grafik wirkt überholt und der Funktionsumfang ist begrenzt, dafür reagiert es zügig auf Eingaben.
Bei der Verarbeitungsqualität macht der Suzuki Vitara aus zwei Dingen keinen Hehl: Er ist ein B-SUV und er ist ein Japaner. Ersteres zeigt sich an der Dominanz harter Kunststoffe, die größtenteils nicht besonders angenehm wirken – auch im Vergleich mit einigen Konkurrenten.
Der zweite Punkt wird durch die Montagequalität bestätigt. Zwar sind die Materialien robust, doch selbst auf Unebenheiten ist kein Klappern zu hören – ein weiterer Beleg dafür, dass die Japaner ihrem Ruf gerecht werden.
Ausreichend Platz an Bord
Der Suzuki Vitara bietet zwar nicht die Innenraumvariabilität eines Renault Captur oder Volkswagen T-Cross, muss sich bei der Geräumigkeit jedoch keineswegs verstecken.
Mit seinen Abmessungen liegt er im „Herzen“ des Segments und befördert vier Erwachsene samt Gepäck komfortabel.
Mit 375 Litern zählt der Kofferraum im Vergleich zu einigen neueren Segmentvertretern nicht zu den größten. Dank seiner regelmäßigen Form ist das Ladeabteil jedoch mehr als ausreichend dimensioniert.
Wozu dient die Elektrifizierung?
Damit kommen wir zur „Millionen-Euro-Frage“: Was bringt die Elektrifizierung im Vitara?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass man sogar etwas … verliert. Schließlich kostete der Wechsel vom bisherigen K14C zum überarbeiteten K14D 11 PS; die Leistung beträgt nun 129 PS. Das Drehmoment stieg dagegen um 15 Nm auf 235 Nm.
Das 48-V-Mildhybrid-System gleicht den Leistungsrückgang jedoch aus: Es umfasst einen elektrischen Motor-Generator mit 10 kW (14 PS), der kurzfristig zusätzliches Drehmoment bereitstellt.
Zudem soll dieses System zumindest auf dem Papier Verbrauch und Emissionen senken. Suzuki gibt für diese 4×4-Version 141 g/km Emissionen und einen Verbrauch von 6,2 l/100 km an.
Ist das Mildhybrid-System spürbar?
Wer sich fragt, ob die Arbeitsweise des Mildhybrid-Systems wahrnehmbar ist, erhält eine einfache Antwort: höchstwahrscheinlich nicht.
Von Natur aus sanft, macht es sich vor allem über das Stop-Start-System bemerkbar, das schneller wieder startet und früher aktiv wird.
Ansonsten arbeitet das Mildhybrid-System unauffällig. Der Boosterjet-Motor bewahrt die bereits bekannten Stärken: einen linearen, gleichmäßigen Leistungsaufbau und eine angenehme Agilität im mittleren Drehzahlbereich, ohne unter dem für kleinere Motoren typischen „Atemmangel“ unterhalb von 2000 U/min zu leiden.
Dazu passt das gut abgestufte Sechsgang-Schaltgetriebe. Trotz des Fokus auf Effizienz ist es nicht übermäßig lang übersetzt und vermittelt ein mechanisches, ausreichend präzises Schaltgefühl. Bemängeln lässt sich lediglich der etwas lange Schaltweg.
Wenn sich das Mildhybrid-System in einem Bereich klar bemerkbar macht, dann beim Verbrauch. Selbst bei überwiegend suburbaner Nutzung auf teils überlasteten Schnellstraßen lagen die Durchschnittswerte zwischen 5,1 und 5,6 l/100 km. Erst im städtischen Chaos stieg der Verbrauch auf 6,5 l/100 km.
Fahrdynamisch überzeugend
Nicht nur der Motor enttäuscht nicht, auch die Kombination aus Fahrwerk und Federung hält, was sie verspricht.
Die Federung findet einen gelungenen Kompromiss zwischen Komfort und Fahrverhalten. Dank der präzisen, direkten Lenkung lässt sich der Vitara souverän und entspannt in Kurven dirigieren.
Bei diesem Testwagen kam außerdem das Allgrip-Allradsystem zum Einsatz, das seine Stärken weniger auf der Straße als abseits davon zeigt.
Mit vier Fahrmodi – Sport, Auto, Snow (Schnee) sowie einem Modus, der sogar eine Sperrung des Zentraldifferenzials ermöglicht – kommt der Vitara deutlich weiter als die meisten Rivalen. Eine Ausnahme bildet der Dacia Duster.
Für mich ist genau das der größte Unterschied zwischen dem Suzuki Vitara und der Konkurrenz. Obwohl er ein B-SUV ist, verfügt er weiterhin über Allradantrieb – und zwar nicht nur zur „Show“. Er bietet echte Geländetauglichkeit, bringt seine Insassen deutlich weiter, als man zunächst erwarten würde, und wird damit seinen Vorgängern gerecht.
Das einzige „Problem“ ist der Preis dieses Vitara mit Allradantrieb: 30.954 Euro (mit der aktuellen Aktion sinkt er auf 28.254 Euro). Optionen mit Allradantrieb sind in diesem Segment zwar selten, doch mit einer Ausnahme kosten sie ebenso viel oder mehr als der Vitara. Diese Ausnahme heißt Dacia Duster: Er ist als 4×4-Version ab 22.150 Euro erhältlich, allerdings ausschließlich mit Dieselmotor.
Ist er das richtige Auto für mich?
Die Einführung des Mildhybrid-Systems beim Suzuki Vitara ist mehr als das Mitgehen mit einem Trend oder der Versuch, hohe Strafzahlungen zu vermeiden: Sie hat seine rationalen Argumente gestärkt.
Denn wer möchte beim Tanken nicht von einer Technologie profitieren, die Geld spart? Und wie sonst wären Durchschnittsverbräuche um 5,5 l/100 km bei einem SUV mit Allradantrieb und Benzinmotor möglich?
Wer einen B-SUV sucht, der seinem abenteuerlichen Auftritt gerecht wird – seine Geländefähigkeiten überraschen tatsächlich –, findet im Suzuki Vitara eine der besten und wenigen Optionen auf dem Markt. Darüber hinaus ist er sehr umfangreich ausgestattet, insbesondere bei den Fahrerassistenzsystemen, wobei sämtliche aufgeführten Ausstattungen serienmäßig an Bord sind. Dem japanischen SUV fehlen also keineswegs Argumente.
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