Für den Kanal von Razão Automóvel bot sich eine (beinahe) einmalige Gelegenheit: Erstmals ist ein echter amerikanischer Luxuswagen der „alten Schule“ zu sehen – ein Cadillac Sixty Special aus dem Jahr 1955.
Dieses Fahrzeug trägt seine besondere Bezeichnung nicht ohne Grund. Der Name, der 1938 eingeführt wurde, sollte dauerhaft mit einigen der luxuriösesten Modelle der US-Marke verbunden bleiben. Das unterstreichen die Eigenschaften dieser gewaltigen Limousine, die fast 5,8 m lang ist und mehr als zwei Tonnen wiegt.
Guilherme Costa stellt diesen Giganten der amerikanischen Highways vor – fahren darf er ihn allerdings nur auf deutschen Straßen, die eigentlich eher für kompakte Familienautos ausgelegt sind:
Bewährte Technik aus dem Krieg
Um Automobile wie den Cadillac Sixty Special richtig einzuordnen, muss man sich in die damalige Zeit zurückversetzen. Es waren eindeutig andere Verhältnisse. Wenige Jahre vor dem Erscheinen dieses Sixty Special endete 1945 der Zweite Weltkrieg, worauf in den USA ein enormer wirtschaftlicher Boom folgte.
Nach Jahren, in denen sie zum Kriegsbeitrag verpflichtet war, konnte die amerikanische Automobilindustrie Projekte und Technologien endlich wieder „auftauen“. Darüber hinaus ließ sich Technik nutzen, die zuvor bei den Streitkräften zum Einsatz gekommen war.
Genau das geschah bei diesem Sixty Special. Der auf dem Cadillac 62 basierende Sixty Special war länger und wurde von einem Small-Block-V8 mit immerhin 5,4 l Hubraum angetrieben. Er leistete 250 PS, während die Kraft über die Hydramatic, ein Viergang-Automatikgetriebe – es lebe der Luxus … –, übertragen wurde, das damals als Spitzentechnologie galt.
Interessant ist, dass dieses Getriebe keineswegs wirklich neu war. Es entstand bereits in den 1930er-Jahren und hielt 1939 zunächst über Oldsmobile Einzug in die ersten Modelle von General Motors (GM). Bei Cadillac war es ab 1941 lediglich als Sonderausstattung erhältlich.
Diese Phase währte jedoch nicht lange. Nach dem Kriegseintritt der USA wurde die Produktion von Personenwagen ab 1942 eingestellt, doch die Hydramatic erhielt eine neue, bedeutende Aufgabe.
Statt Luxusautos wie Cadillac-Modelle auszustatten, kam sie in Panzern wie dem M5 Stuart und dem M24 Chaffee zum Einsatz. Dabei blieb es nicht beim Getriebe: Die Cadillac-V8 dienten diesen Panzern als Antrieb – und jeder von ihnen benötigte gleich zwei Motoren.
Kann es für diese Technik einen besseren Beweis für Zuverlässigkeit und Qualität geben, als im Zweiten Weltkrieg in Panzern eingesetzt worden zu sein? Wir glauben nicht.
Der Cadillac Sixty Special als Filmstar
Als wäre die Geschichte des Cadillac Sixty Special nicht schon spannend genug, bekam er später noch seine 15 Minuten Ruhm: Er spielte in einem Film mit, der als einer der besten aller Zeiten gilt.
Der Sixty Special aus genau dem Baujahr 1955, der im Video zu sehen ist, zählt im Klassiker „Der Pate“ (1972) zu den Stars auf vier Rädern. Er war das Fahrzeug von Capo Peter Clemenza – zweifellos ein Exemplar, das dem Status dieser Figur gerecht wird.
Hinter dem Steuer
Wie leicht vorstellbar ist, fühlt sich ein Auto aus den 1950er-Jahren vollkommen anders an als ein heutiges Fahrzeug – erst recht eines mit den Ausmaßen dieses Cadillac.
Den Sixty Special zu fahren, kommt vermutlich dem Steuern eines Bootes auf Asphalt am nächsten. Objektiv ist er zwar weit von der Präzision und Kontrolle entfernt, die wir heute gewohnt sind, doch das Fahrerlebnis lässt sich dennoch nur schwer nicht wertschätzen und genießen. Überlassen wir Guilherme die Beschreibung seiner Eindrücke hinter dem Steuer:
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