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Volkswagen ID. Polo GTI im ersten Fahrtest

Roter VW ID Polo GTI steht in einem hellen, modernen Ausstellungsraum mit großen Fenstern und Ladestation.

Der Volkswagen Polo hat seine bislang tiefgreifendste Veränderung erlebt und sich vollständig der Elektrifizierung verschrieben. Mit der siebten Generation hat sich alles gewandelt – selbst der Name: Er heißt nun ID. Polo.

Die regulären Ausführungen sind bereits bekannt und sorgen vor allem wegen ihres Einstiegspreises auf dem portugiesischen Markt von unter 25.000 Euro für Gesprächsstoff. Eine Variante tauscht jedoch einen Teil dieser Vernunft gegen eine kräftige Portion Emotion ein. Genau um sie geht es hier.

Der ID. Polo GTI ist der erste elektrische Volkswagen, der dieses ikonische Kürzel tragen darf. Allein das macht ihn bemerkenswert. In Portugal wird er erst 2027 auf den Markt kommen, wir konnten ihn jedoch bereits bei den Sommerfahrten des German Car of the Year (GCOTY) fahren. Seht selbst:

Alles genau richtig dosiert

Obwohl er nun elektrisch fährt, übernimmt dieser ID. Polo sämtliche Stilmerkmale, die man traditionell mit den GTI-Modellen von Volkswagen verbindet. Dazu zählen der rote Streifen in der vorderen Stoßstange und die Sitzbezüge im Karomuster. In dieser Hinsicht passt alles.

Gegenüber den konventionelleren Modellvarianten hebt er sich zudem deutlich ab: Die Karosserie ist etwas breiter, die Front wirkt entschlossener, am Heck sitzt ein großzügiger Diffusor, und exklusive 19-Zoll-Räder gehören ebenfalls dazu.

Im Innenraum fallen neben den stärker konturierten Sitzen die zahlreichen roten Akzente, die spezifischen Grafiken des Kombiinstruments und das Lenkrad mit eigener GTI-Taste auf.

Positiv hervorzuheben ist die Rückkehr physischer Bedienelemente, nachdem die erste Generation der ID.-Modelle weitgehend darauf verzichtet hatte. Weniger überzeugt haben uns dagegen die Materialien im Innenraum, insbesondere an den Türen und an der Mittelkonsole. Allerdings war unser Fahrzeug noch ein Vorserienmodell, weshalb diese Einschätzung nicht endgültig sein kann.

An einem Punkt macht dieses Modell dennoch keine Abstriche: beim Platzangebot. Das konnte kaum anders sein, schließlich galten die GTI-Angebote von Volkswagen stets als besonders vielseitig. Dieser Sportler bietet gute Platzverhältnisse im Fond und zudem einen Kofferraum mit 411 Litern Volumen – damit bewegt er sich beinahe auf Golf-Niveau.

Dem ID. Polo GTI fehlt Leistung

Doch genug zum Design. Viele von euch möchten vor allem wissen, ob dieser Stromer dem Kürzel auf seinem Heck gerecht wird. Um diese Frage zu beantworten, musste er auf der Straße gefordert werden. Genau das tat Guilherme im Umland von Frankfurt in Deutschland. Schon nach wenigen Kilometern zeigte sich das zentrale Problem: Es fehlt an Leistung.

Zwar ist dies mit 166 kW (226 PS) und 290 Nm, die an die Vorderachse gehen, der stärkste Polo GTI aller Zeiten, dennoch wirkt das etwas zu wenig. Vor allem, weil die Stellantis-Konkurrenz mehr bietet: Der Abarth 600e, Alfa Romeo Junior Veloce, Opel Mokka GSe und Peugeot e-208 GTI leisten jeweils 280 PS. Fairerweise muss erwähnt werden, dass auch der Alpine A290 mit 218 PS nicht stärker ist.

Zurück zu den Daten: Der ID. Polo GTI sprintet in 6,8 s von 0 auf 100 km/h, wird aber elektronisch bei 175 km/h eingebremst. Auch dieses Detail dürfte unter den Anhängern der Marke aus Wolfsburg für Diskussionen sorgen.

Wie Guilherme im eingebundenen Video erklärt, ist der ID. Polo GTI keineswegs langsam. Das Fahrwerk würde schlicht deutlich mehr Leistung vertragen. Die Art, wie das Auto beim Einlenken Tempo mitnimmt und sein gesamtes Drehmoment auf den Asphalt bringt, unterstreicht diesen Eindruck nur.

Er lässt sich leicht einschätzen, seine Front „hört einfach nicht auf“, wie Guilherme es formuliert, und aus Kurven heraus bleibt er stets unter Zug. Dazu tragen das Sportfahrwerk mit strafferen Dämpfern und Federn, die neu abgestimmte Lenkung sowie das elektronische Differenzial an der Vorderachse maßgeblich bei.

Das Fahrwerk vermittelt sogar den Eindruck, dass Raum für eine spätere Clubsport-Version vorhanden wäre – kompromissloser, stärker und nochmals leistungsfähiger.

Ein echter GTI

Betrachtet man ausschließlich die Fahrdynamik, genügen wenige Kilometer, um festzustellen, dass dieser ID. Polo das GTI-Kürzel verdient. Im größeren Gesamtbild wird das jedoch noch deutlicher.

Denn wie es sich für einen echten GTI gehört, verbindet er Eigenschaften, die bei seinen Konkurrenten nur schwer zu finden sind. Er lässt sich mit „dem Messer zwischen den Zähnen“ bewegen und begleitet einen direkt danach ebenso gelassen, sanft und sogar komfortabel durch den Alltag wie jeder andere ID. Polo.

Im Normalmodus bügelt die Federung Unebenheiten des Asphalts sehr gut aus; der ID. Polo GTI fährt sich angenehm und bleibt jederzeit leicht verständlich. Ständig verrät nur ein Merkmal, dass man in einer Sonderversion unterwegs ist: die Lenkung. Sie bietet eine Präzision, die dem normalen ID. Polo fehlt.

Auch die Reichweite könnte sich als weitere Einschränkung erweisen. Mit der 52-kWh-Batterie liegt sie im kombinierten WLTP-Zyklus bei rund 420 Kilometern. Wer die fahrdynamischen Fähigkeiten dieses Modells ausnutzen möchte, sollte realistischerweise mit weniger als 300 Kilometern rechnen.

Und der Preis?

Dann bleibt noch die Preisfrage. Der ID. Polo mit 52-kWh-Batterie und 211 PS startet bei 37.762 Euro. Daher liegt die Vermutung nahe, dass der ID. Polo GTI die Marke von 40.000 Euro überschreiten wird.

Sollte sich das bestätigen, läge er auf dem Niveau seiner wichtigsten Wettbewerber. Entscheidend wird sein, ob es dafür einen Markt gibt. Modelle wie der Alpine A290, der Abarth 600e oder der Alfa Romeo Junior Veloce können sich bislang keineswegs besonders erfolgreich verkaufen. Ein Thema, das wir übrigens bereits bei Auto Rádio besprochen haben. Seht selbst:

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