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Stellantis EV Day 2021: Über 30 Milliarden Euro für die Elektrifizierung von 14 Marken

Blauer futuristischer Elektrosportwagen an Ladestation in modernem, hellem Parkhaus mit Stadtblick.

Carlos Tavares, CEO von Stellantis, eröffnete den EV Day 2021 des Konzerns mit einer klaren Ansage: Über 30 Milliarden Euro sollen bis 2025 investiert werden. Im Mittelpunkt standen dabei die Elektrifizierungspläne für die 14 Marken des Unternehmens.

Investitionen und Renditeziele der Stellantis-Elektrifizierung

Dieses Budget gilt als Voraussetzung, um die Zielmarken bis 2030 zu erreichen: 70% der Verkäufe in Europa und mehr als 40% in Nordamerika sollen dann auf Fahrzeuge mit niedrigen Emissionen entfallen (Plug-in-Hybride und Elektroautos). Aktuell liegt dieser Anteil bei 14% in Europa und bei 4% in Nordamerika.

Trotz der erheblichen Summen rechnet Stellantis mit steigender Profitabilität. Tavares stellte für die mittlere Frist (2026) eine nachhaltige zweistellige operative Marge in Aussicht – höher als heute, wo sie bei ungefähr 9% liegt.

Um diese Marge zu erreichen, stützt sich der bereits laufende Plan auf mehrere Hebel: stärkere vertikale Integration (mehr Entwicklung und Fertigung „im eigenen Haus“ und weniger Abhängigkeit von externen Zulieferern), mehr Synergien zwischen den 14 Marken (jährliche Einsparungen von mehr als 5 Milliarden Euro), sinkende Batteriepreise (laut Prognose 40% günstiger zwischen 2020–2024 und weitere 20% bis 2030) sowie neue Erlösquellen (vernetzte Dienste und künftige Software-Geschäftsmodelle).

Konkret sollen die über 30 Milliarden Euro bis 2025 in die Entwicklung von vier neuen Plattformen, den Aufbau von fünf Gigafabriken für Batterien (in Europa und Nordamerika) mit mehr als 130 GWh Kapazität (und mehr als 260 GWh im Jahr 2030) sowie in die Schaffung einer neuen Software-Sparte fliessen.

14 Marken: Elektrische „Zugpferde“ in Europa und Nordamerika

Illusionen sind fehl am Platz: Bei der Stellantis-Elektrifizierung werden Elektrofahrzeuge für alle 14 Marken zur zentralen Säule. Besonders weit geht Opel: ab 2028 soll es dort ausschliesslich eine Elektroauto-Marke geben. Der erste elektrische Alfa Romeo wird 2024 erwartet (angekündigt als „Alfa… e-Romeo“) – und selbst die kleine, bissige Abarth bleibt von der Elektrifizierung nicht verschont.

Auf der nordamerikanischen Seite von Stellantis sind die Schritte von Jeep bereits sichtbar: Die 4xe-Plug-in-Hybride werden weiter ausgerollt – zunächst auf den ikonischen Wrangler (bereits der meistverkaufte Plug-in-Hybrid in den USA), den neuen Grand Cherokee, und auch der grosse Grand Wagoneer wird diesem Weg folgen. Elektrische Modelle und autonome Fahrzeuge bilden das nächste Kapitel. Überraschender war womöglich die Ankündigung der auf Oktan getrimmten Dodge: 2024 will sie ihren ersten elektrischen Muscle Car präsentieren.

4 Plattformen und bis zu 800 km Reichweite

Wie Carlos Tavares es formulierte: „Diese Transformationsphase ist eine wunderbare Gelegenheit, die Uhr zurückzusetzen und ein neues Rennen zu beginnen.“ Das soll sich in einer breiten Modellpalette zeigen, die auf nur vier Plattformen basiert – mit hoher Flexibilität, um die individuellen Anforderungen jeder Marke besser abzudecken:

  • STLA Small: Batterien zwischen 37–82 kWh, maximale Reichweite 500 km
  • STLA Medium: Batterien zwischen 87–104 kWh, maximale Reichweite 700 km
  • STLA Large: Batterien zwischen 101–118 kWh, maximale Reichweite 800 km
  • STLA Frame: Batterien zwischen 159 kWh und mehr als 200 kWh, maximale Reichweite 800 km

Die STLA Frame dürfte in Europa die geringste Bedeutung haben. Es handelt sich um eine Leiterrahmen-Plattform, die vor allem für Ram-Pick-ups vorgesehen ist, die überwiegend in Nordamerika verkauft werden. Aus der STLA Large entstehen die grösseren Modelle mit stärkerem Fokus auf den nordamerikanischen Markt (acht Modelle in den nächsten 3–4 Jahren) – mit Abmessungen zwischen 4,7–5,4 m Länge und 1,9–2,03 m Breite.

Für Europa sind dagegen STLA Small (Segment A, B, C) und STLA Medium (Segment C, D) entscheidender. STLA Small soll erst 2026 starten; bis dahin wird die aus der ehemaligen Groupe PSA stammende CMP weiterentwickelt und auf neue Modelle der ehemaligen FCA ausgeweitet. Das erste Fahrzeug auf STLA Medium wird 2023 erwartet – voraussichtlich die neue Generation des Peugeot 3008. Diese Plattform ist zudem als wichtigste Basis für die genannten Premium-Marken der Gruppe vorgesehen: Alfa Romeo, DS Automobiles und Lancia.

Stellantis sieht das Potenzial, pro Plattform 2 Millionen Einheiten pro Jahr zu produzieren.

Feststoffbatterien im Jahr 2026

Ergänzend zu den neuen Plattformen plant Stellantis Batterien mit zwei unterschiedlichen Chemien: eine Variante mit hoher Energiedichte auf Nickelbasis sowie eine zweite, die ohne Nickel und ohne Kobalt auskommt (diese soll bis 2024 kommen).

Im Batterie-Wettlauf sind zudem Feststoffbatterien fest eingeplant. Sie versprechen höhere Energiedichten und geringeres Gewicht – und sollen bei Stellantis 2026 eingeführt werden.

Den Antrieb der kommenden Stellantis-Elektrofahrzeuge übernehmen drei EDM (Electric Drive Modules), die Elektromotor, Getriebe und Wechselrichter in einer Einheit bündeln. Alle drei sollen kompakt und flexibel sein und sich für Frontantrieb, Heckantrieb, Allrad sowie 4xe (Jeep-Plug-in-Hybrid) konfigurieren lassen.

Das Einstiegs-EDM stellt 70 kW (95 PS) in Verbindung mit einem 400-V-System in Aussicht. Das zweite EDM soll 125–180 kW (170–245 PS) bei 400 V liefern. Das stärkste EDM wird mit 150–330 kW (204–449 PS) genannt und kann sowohl mit 400 V als auch mit 800 V kombiniert werden.

Abgerundet wird die Elektrifizierungsstrategie von Stellantis durch ein Programm für Hardware- und Software-Updates, wobei letztere aus der Ferne beziehungsweise over the air erfolgen. Damit soll die Lebensdauer der Plattformen bis in die nächste Dekade hinein verlängert werden.


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