Ein schwarzer Koenigsegg Sadair’s Spear mit orangefarbenen Akzenten ist schon als echter Hingucker kaum zu übersehen – doch dieses Exemplar ist anders. Denn dieser ’Segg besteht fast vollständig aus Lego Technic: rund 327,000 Einzelteilen.
Von der 1:1-Idee zum nächsten Grossprojekt
Hinter dem Bau steckt erneut das Modellbau-Team, das seine wachsende „Garage“ an lebensgrossen Fahrzeugen 2018 mit einem fahrbaren 1:1-Nachbau des Bugatti Chiron eröffnete. Dieses Auto kam auf über eine Million winzige Elemente, ganz ohne Klebstoff – und wurde von 2,304 Lego Power Functions Motoren angetrieben, die zusammen auf 5.2bhp kamen. Bugattis legendär schneller Testfahrer Andy Wallace stieg damals in feuerfeste Kleidung und setzte sich ans Steuer; auf dem Testgelände Ehra-Lessien erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 12mph.
Koenigsegg Sadair’s Spear als Lego Technic: schneller als bisher
Beim Koenigsegg – präsentiert parallel zu einem kleineren Sadair’s Spear Bausatz, den man tatsächlich kaufen kann – lag die Messlatte höher. Christian von Koenigsegg wollte nicht einfach „auch so ein“ Full-Size-Modell, sondern den bislang schnellsten lebensgrossen Build. Natürlich.
“Das war der komplexeste Bau in der kürzesten Zeit von allen Lego Technic Autos”, sagt Lego-Designchef Lubor Zelinka zu TG. “Die Vorgabe war ein Lego Technic Fahrzeug, das sehr schnell fahren kann, also haben wir uns 100kph (62mph) als Ziel gesetzt. Wir haben letzten Sommer angefangen, darüber zu sprechen, aber richtig los ging es erst im Oktober. Das ganze Projekt dauerte siebeneinhalb Monate. “Die zweite Anforderung war, Koenigseggs berühmten Ghost Mode zu integrieren – deshalb haben wir zum ersten Mal bei einem Full-Size-Build so viele zu öffnende Karosserieteile. Es ist nicht mehr nur ein Modell, es ist ein Fahrzeug.”
Technik darunter: Chassis, Käfig, Räder und Bremsen
Das ist nicht übertrieben: Unter der Technic-Hülle steckt ein speziell gefertigtes Metallchassis samt Überrollkäfig nach FIA-Spezifikation. Dazu gibt es echte Koenigsegg-Carbonräder mit Pirelli-Reifen, eine funktionierende Aufhängung und Rennsport-Scheibenbremsen, die sich hinter den dekorativen Technic-Bremssätteln verbergen.
Der 1,603bhp starke 5.0-litre Twin-Turbo-V8 des Spear galt allerdings als „etwas zu viel“. Stattdessen treibt ein kleiner Elektromotor die Hinterräder an. Das Ziel ist damit, schneller zu sein als der McLaren P1 Build aus 2024 (den Lando Norris in Silverstone auf 40mph brachte) – nur ist das eben noch lange kein EV-Hypercar, das einem Rimac Nevera gefährlich werden müsste.
Schwarze Verbinder, versteckte Details und „Easter Eggs“
Wie Zelinka erklärt, bestehen in einem typischen Technic-Set offenbar bis zu 50 per cent der Teile aus kleinen Verbindern. Beim Koenigsegg kam erschwerend hinzu, dass schwarze Karosserieteile mit schwarzen Verbindern kombiniert wurden – das machte die Arbeit für die Erbauer noch anspruchsvoller als sonst.
Optisch hat Mansorys geliebtes „chopped“ Carbon-Finish dagegen keine Chance – und dazu sind überall kleine Gags versteckt. Zelinka sagt: “Teile der vorderen Scheinwerfer sind kleine Kanzeln von Star Wars Raumschiffen. Die Rückleuchten bestehen aus Haus- oder Zugfenstern. Die Bremslichter sind Notleuchten von Polizeifahrzeugen. Für einen gebogenen Abschnitt der Auspuffanlage haben wir einen Teil eines Radlaufs verwendet, und an den Bremssätteln steckt noch ein weiterer Radlauf aus unserem C8 Corvette Set.”
Ghost Mode und die Triplex-Aufhängung als Lego-Nachbildung
Im aktivierten Ghost Mode gleiten Türen, Motorhaube und Motorabdeckung elegant auf, und Zelinka kann die detailreiche Nachbildung von Koenigseggs Triplex-Fahrwerksystem präsentieren. Die goldfarbenen Zylinder, die die Öhlins-Dämpfer nachahmen, sind übrigens in Wahrheit Felgen aus einem Ninjago-Set.
Rekordfahrt in Kladno
Einen Tag nach unserem Besuch in der Fabrik, in der all die grossen Lego-Bauten entstehen – auf einem kleinen Industriegebiet in Kladno, rund 32 km westlich von Prag in Tschechien – legte dieser 1,800kg schwere Kunststoff-Hypercar-Nachbau nach: Er erreichte eine atemberaubende Höchstgeschwindigkeit von 111kph (69mph). Heftig. Man stelle sich nur vor, so ein Ding würde einen auf der M6 überholen …
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