Der neue Peugeot 9X8 Hypercar markiert die Rückkehr der französischen Marke in den Langstreckensport – zehn Jahre nach dem letzten Auftritt in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).
Seither hat sich vieles verschoben: Dieselantriebe sind Vergangenheit, die LMP1-Kategorie ist verschwunden, und Elektrifizierung spielt heute eine zentrale Rolle. Das sind tiefgreifende Veränderungen, die Peugeot ausdrücklich mitgeht – ohne dabei den Kern aus den Augen zu verlieren: den Anspruch, wieder ganz vorne zu landen.
Razão Automóvel reiste dafür nach Frankreich zu den Anlagen von Stellantis Motorsport, um Team und Prototyp aus nächster Nähe kennenzulernen, die diesen Anspruch in die Realität übersetzen.
Neue Zeiten und der Peugeot 9X8 Hypercar
Beim Wiedereinstieg in den Wettbewerb tritt die Marke mit einem Prototypen an, der sich deutlich von den Peugeot 908 HDI FAP und 908 HYbrid4 unterscheidet, die in den Saisons 2011/12 eingesetzt wurden.
Unter dem Dach der neuen „Hypercar“-Regeln, die in der aktuellen WEC-Saison in Kraft getreten sind, entstand bei Stellantis Motorsport der Peugeot 9X8.
Anders als Marken wie Porsche, Audi oder Acura – die sich für LMdH entschieden haben, eine kostengünstigere Lösung auf Basis gemeinsam genutzter Plattformen – orientierte sich Peugeot Sport am Ansatz von Toyota Gazoo Racing und entwickelte ein LMH von Grund auf. Das bedeutet: Chassis, Verbrennungsmotor und elektrischer Anteil wurden vollständig von der französischen Marke selbst entwickelt.
Diese Richtung wurde sorgfältig abgewogen – nicht zuletzt wegen des höheren Investitionsbedarfs. Aus Sicht der Verantwortlichen bei Stellantis Motorsport ist sie jedoch konsequent. „Nur mit einem LMH wäre es möglich gewesen, dem Peugeot 9X8 dieses Erscheinungsbild zu geben. Wir wollen unseren Prototypen näher an die Serienmodelle heranführen. Für uns ist es sehr wichtig, dass das Publikum den 9X8 sofort als Modell der Marke erkennt“, erklärte Michaël Trouvé, der für das Design des Prototyps verantwortlich ist.
Peugeot 9X8: Von der Rennstrecke in die Serie
Der Fokus auf die Gestaltung war allerdings nicht der einzige Grund, den die französische Marke für die Entscheidung zugunsten eines LMH-Hypercars anführt. Olivier Jansonnie, Engineering-Verantwortlicher bei Stellantis Motorsport, hob gegenüber Razão Automóvel hervor, welche Bedeutung das 9X8-Projekt für künftige Serienmodelle hat.
Gleichzeitig profitiert nicht nur das Programm rund um den Peugeot 9X8 von anderen Bereichen – auch umgekehrt fliessen Erfahrungen aus anderen Disziplinen in die Entwicklung ein. Erkenntnisse aus der Formel E, über DS Automobiles, unterstützen Peugeot ebenfalls beim 9X8. „Die Software, mit der wir den Elektromotor und die Rekuperation des elektrischen Systems beim Bremsen steuern, ist sehr ähnlich zu dem, was wir in unserem Formel-E-Programm einsetzen“, verriet uns Olivier Jansonnie.
Alle (wirklich alle!) Ergebnisse zuerst
Später, nachdem die Hülle gefallen war, die die Silhouette des Peugeot 9X8 verdeckt hatte, sprachen wir mit Jean-Marc Finot, Generaldirektor von Stellantis Motorsport. Er begleitete uns durch die wichtigsten Stationen unseres Besuchs in seinem „Hauptquartier“.
Wir fragten den französischen Manager nach den Herausforderungen seiner Rolle. Schliesslich berichtet Jean-Marc Finot direkt an Carlos Tavares, CEO der Stellantis-Gruppe – und wie bekannt ist, ist Carlos Tavares ein ausgesprochener Motorsport-Enthusiast.
Von Beginn an stützte sich das 9X8-Projekt auf Zielsetzungen und Resultat-Prognosen, die das Team erreichen will. Genau deshalb wurde innerhalb von Stellantis Motorsport jeder Bereich aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten – von den Ingenieuren aus der Formel E bis zu den Spezialisten aus dem Rallye-Programm. Jean-Marc Finot vertraute uns sogar an, dass selbst der Hubraum des V6-Biturbo, der den 9X8 antreiben wird, durch den Citroen C3 WRC mitbeeinflusst wurde.
„Wir haben uns für einen 2.6 Liter V6 entschieden, weil wir mit dieser Architektur viel von dem Know-how nutzen können, das wir für das Rallye-Programm entwickelt haben. Vom thermischen Verhalten bis zur Effizienz im Kraftstoffmanagement; von der Zuverlässigkeit bis zur Performance des Motors.“
Bereit für den Sieg?
Entgegen dem, was man vermuten könnte, startete Peugeot dieses neue WEC-Kapitel nicht bei null. Das Projekt baut auf dem breiten Erfahrungsschatz von Stellantis Motorsport in unterschiedlichen Disziplinen auf – von der Formel E bis zur Rallye-Weltmeisterschaft – und ebenso auf jahrzehntelangem Know-how aus dem Langstreckensport.
Auch wenn manche dem Ende der LMP1 noch nachtrauern, versprechen die kommenden Jahre in der WEC besonders spannend zu werden. Peugeots Rückkehr in diese Kategorie ist ein deutliches Zeichen dafür – ein Signal, das erfreulicherweise auch von weiteren Marken aufgegriffen wird.
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