Der BMW i Vision Circular soll veranschaulichen, wie sich ein ökologisch nahezu perfektes Auto in den Umweltkreislauf beziehungsweise in eine Kreislaufwirtschaft integrieren ließe - allerdings erst im Jahr 2040…
Normalerweise drehen sich Auto-Messen um Leistungsdaten, Verbrauchswerte und große Emotionen. Umso bemerkenswerter ist die Nüchternheit, mit der BMW beim Münchner Autosalon 2021 auf die Zukunft blickt: Die IAA findet erstmals in der bayerischen Landeshauptstadt statt - und nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten in Frankfurt.
Neben dem Anspruch, Nachhaltigkeit ernsthaft zu demonstrieren und zu zeigen, wie sich diese künftig nahtlos mit Mobilität verbinden lässt, hebt BMW mit dem i Vision Circular zugleich ein Stück weit den Vorhang für die nächste Designsprache der Marke. Viele werden in diesem Concept Car eine Vorschau auf die Linien eines möglichen i3-Nachfolgers sehen - oder, selbst wenn es das nicht exakt ist, auf das künftige elektrische Stadtauto der Münchner.
Design und Exterieur des BMW i Vision Circular
Optisch ist es zunächst gar nicht so einfach, ihn als BMW zu identifizieren: Der i Vision Circular verzichtet auf eine klassische Motorhaube und wirkt eher wie ein kompakter Van mit großen Glasflächen und minimalen Karosserieüberhängen.
Als viersitziges, selbstverständlich vollelektrisches Fahrzeug soll er in urbanen, meist überlasteten Räumen viel Platz bieten. Die traditionelle Doppelniere ist verschwunden und mit Elementen der Scheinwerfer zu einer Kommunikations- und Designfläche „verschmolzen“. Am Heck zieht sich zudem ein breites, beleuchtetes Querband (über die gesamte Fahrzeugbreite) um das BMW-Logo. Darüber sitzt ein sehr großes verglastes Rundfenster, gekrönt von einer Haifischflossenantenne.
Futuristischer Innenraum, aber mit „Retro“-Anklängen
Noch konsequenter wird es beim Einstieg durch die riesige vordere Tür. Insgesamt sind es vier Türen, wobei die hinteren kleiner ausfallen und gegenläufig öffnen - das schafft eine großzügige Öffnung zum Ein- und Aussteigen.
Im Zentrum des Armaturenbretts sitzt eine zentrale Bedieneinheit, die ebenso gut aus einer Szene aus Star Wars stammen könnte. Ergänzt wird sie durch weitere, ähnlich gestaltete sekundäre Bedienelemente in den Türen und am Lenkrad.
Die durchgehende Rückbank erinnert optisch an ein Sofa aus den 1970er-Jahren - und auch die Farbwelt des Innenraums könnte aus einem damaligen Einrichtungskatalog stammen. Obwohl die Bank eine gewisse Nähe zu den beiden vorderen, schwebend wirkenden Sitzen hat, sehen diese insgesamt deutlich moderner aus.
Wie zu erwarten, besteht alles, was man sieht, aus vollständig recycelten und wiederverwertbaren Materialien. Die Kopfstützen sind zugleich ausgesprochen bequeme Kissen, besonders vorn, und enthalten Lautsprecher, sodass jede Person im Fahrzeug festlegen kann, welche Musikquelle sie hören möchte.
Welche Welt erwartet uns 2040?
Natürlich kann man sich fragen, ob BMW im Jahr 2040 - also in 19 Jahren - überhaupt noch Autos bauen wird. Das wird sich zeigen. Angesichts des Tempos, mit dem sich die Automobilindustrie und die Welt verändern, und weil mehrere Marken bereits angekündigt haben, kompakte Stadtfahrzeuge wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit auslaufen zu lassen, müsste sich bis dahin noch sehr viel verschieben.
Doch weil dieses Concept innerhalb des bayerischen Herstellers als realisierbares Projekt gilt und nicht bloß als Designer-Fantasie, deutet vieles darauf hin, dass BMW diese Fahrzeugklasse weiter anbieten möchte. Zumal die fortlaufend sinkenden Kosten der elektrischen Antriebstechnologie solche Autos mittel- bis langfristig deutlich erschwinglicher machen dürften.
Noch vor nicht allzu langer Zeit galt BMW als Automarke, die besonders stark auf Carbonfaser als „geheime Zutat“ setzte, um sehr leichte Elektrofahrzeuge zu bauen - und damit eine entsprechend große Reichweite zu ermöglichen. Die Branchenentwicklung lief jedoch nicht in diese Richtung, und die Münchner werden den Weg, den sie ausgerechnet mit dem i3 begonnen haben, nicht weiterverfolgen.
Materialien, Recycling und Batterie im Kreislauf
Die Karosserie dieses i Vision Circular besteht nahezu vollständig aus recycelten Materialien: Stahl, Aluminium, Kunststoff und Glas. Liegt der Anteil wiederverwendeter Komponenten bei BMW-Fahrzeugen derzeit bei rund 30%, ist zu erwarten, dass dieser Wert schrittweise auf 50% ansteigt.
Bei einem futuristischen Konzept wie diesem wird zugleich deutlich, dass hier ein Idealbild entworfen wird: ein perfekter Kreislauf, in dem das Fahrzeug aus 100% recycelten Materialien entsteht, die aus geschlossenen Kreisläufen stammen - daher auch der Projektname.
Das gilt ebenso für die Feststoffbatterie: Sie soll nicht nur vollständig recycelbar sein, sondern auch komplett aus recycelten Materialien bestehen. Selbst die Reifen sind aus nachhaltigem Naturkautschuk gefertigt und wirken leicht transparent; zur Verstärkung wurden ihnen farbige Gummipartikel beigemischt.
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