Moment mal – was ist das?
Erwischt. Du warst offenbar nicht regelmässig auf TopGear.com unterwegs. Hier kommt der Denza Z, der erst letzte Woche beim Goodwood-Festival der Geschwindigkeit vollständig enthüllt wurde. Im Kern handelt es sich um einen rein elektrischen 2+2-Supersportwagen aus BYDs edler Untermarke. Und obwohl er beim Verkaufsstart hierzulande später in diesem Jahr mehr als 15.000 Pfund günstiger sein soll als ein Porsche 911 GT3, bietet er tatsächlich über das Dreifache an Leistung.
Wie bitte?!
Jetzt schaust du hin, oder? Im Z arbeiten drei Elektromotoren (einer an der Vorderachse, zwei an der Hinterachse) – zusammen gut für unglaubliche 1.582 bhp und 915 lb ft Drehmoment. Angeboten wird er in drei Ausführungen – als Coupé, als Spider und als Rennversion – und jede davon erhält eine 76-kWh-Batterie, die eine maximale Reichweite von 409 km ermöglichen soll.
Und du bist ihn schon gefahren?
Ja – mit einem wichtigen Hinweis: Gefahren sind wir nur die seriennahe Coupé-Version, und das auch lediglich für drei Runden auf dem Goodwood Motor Circuit. Eine Aufwärmrunde, eine schnelle Runde, danach eine Abkühlrunde. Mehr liess Denza am Tag vor der grossen Premiere bei der motorsporttauglichen Gartenparty des Duke nicht zu. Angesichts dessen, dass nur sechs Exemplare nach Grossbritannien gekommen waren und diese das gesamte Wochenende den Hügel hinaufmussten, war das vermutlich nachvollziehbar. Bloss nicht wegwerfen, bloss nicht wegwerfen, bloss nicht wegwerfen.
Und ja: Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Fotos in der Boxengasse in Thruxton entstanden. Eine zweite Runde auf der schnellsten Rennstrecke des Vereinigten Königreichs wurde uns leider nicht genehmigt.
Erste Eindrücke?
Es bleibt ein Elektroauto mit Batterie im Fahrzeugboden – entsprechend sitzt man nicht ganz so tief, wie man es bei einem klassischen Supersportler erwarten würde. Trotzdem wirkt der Innenraum insgesamt betont sportlich: ein unten abgeflachtes Lenkrad, übersät mit echten Tasten, dazu zwei grosse Schaltwippen dahinter. In unserem Auto waren die Wippen ausser Funktion, und Denza konnte uns auf merkwürdige Weise nicht sagen, ob sie später zur Rekuperationsverstellung dienen oder ob es – wie beim Ioniq 5 N – ein „echtes“ Fake-Getriebe geben wird. Hoffentlich Letzteres.
Unter dem 12,8-Zoll-Infotainmentbildschirm entdeckten wir ausserdem eine „Auspuff“-Taste. Die Sounds konnten wir noch nicht ausprobieren, aber gut zu hören: Es soll wahlweise künstliche Motorgeräusche oder einen Science-Fiction-Soundtrack geben. Am Lenkrad sitzt zudem eine Taste für den Leistungsschub – sie liefert jeweils 20 Sekunden lang 30 Prozent mehr Drehmoment.
Und wie fährt er sich?
Bei dieser Leistungswucht und einer angegebenen 0–100-km/h-Zeit von 2,25 Sekunden (für das Coupé; die Rennversion soll es in 1,96 Sekunden schaffen) ist das Tempo erwartungsgemäss jenseits von normal. Allein der Gedanke, den rechten Fuss zu strecken, löst einen Vortrieb aus, der so brutal ist, dass du gefühlt schon ein Viertel der Runde hinter dir hast, bevor du dich innerlich wieder sortiert bekommst.
Gibst du am Kurvenausgang Leistung, spürst du, wie das Torque Vectoring die Kraft verschiebt, um irgendwo Haftung zu finden. Das ist lebhaft. Einen echten Driftmodus für grosse Querwinkel gibt es ebenfalls – der war in unserer kurzen Kostprobe allerdings tabu.
Auf unseren drei Runden wirkte die Luftfederung in ihrer Abstimmung etwas weich, und weil der Z zwei Tonnen auf die Waage bringt, neigt er sich in schnelleren Bögen spürbar. Dafür: kräftige Verzögerung mit den serienmässigen Carbon-Keramik-Bremsen. Die Lenkung fühlte sich zudem angenehm gewichtig an, und die Front des Z biss willig in den Scheitel.
Sonst noch etwas, das ich wissen sollte?
Viel mehr lässt sich im Moment kaum seriös beurteilen – für die komplette Technikliste solltest du die ausführliche Meldung lesen. Und nicht vergessen: Das Ding soll an BYDs noblen Flash-Ladern mit 1.500 kW laden können. Wenn so ein Gerät an deiner Hausstrecke stünde, wäre ein kompletter Trackday tatsächlich realistisch. Na gut – vorausgesetzt, du bringst zusätzlich einen Anhänger voller Reifen mit.
Eine Wertung auf einer Skala bis 10 gibt’s für den Z noch nicht, aber es zeichnen sich einige gute Ansätze ab: echte Tasten im Cockpit, magnetorheologische Dämpfer, Keramikbremsen – und sogar 250 Liter Kofferraumvolumen. Ausserdem geht er wirklich, als hätte man ihn mit der Schaufel angeschoben.
Wobei das vielleicht wenig überrascht, wenn man bedenkt, dass eine andere BYD-Untermarke inzwischen das schnellste Serienauto der Welt baut – den Yangwang U9 Xtreme. Der Denza Z könnte am Ende so etwas wie die günstigere Variante dieses Rekordjägers sein …
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