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NATO setzt für die künftige AEW&C-Fähigkeit auf Saab GlobalEye

Weißes Flugzeug mit Radar-Aufsatz auf dem Rollfeld eines Flughafens bei Sonnenuntergang.

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Entscheidung auf dem NATO-Gipfel in Ankara

Die NATO hat Saab’s GlobalEye als Plattform benannt, auf der die künftige Fähigkeit der Allianz zur luftgestützten Frühwarnung und Gefechtsführung (AEW&C) aufbauen soll. Damit wurden Verhandlungen angestoßen, die zu einem der bedeutendsten Modernisierungsvorhaben der Allianz seit Jahrzehnten werden könnten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte kündigte den Schritt während des NATO-Gipfels in Ankara an. Im Raum steht die Beschaffung von bis zu zehn Flugzeugen, die langfristig die alternde E-3-Sentry-Flotte der NATO ersetzen sollen.

Noch kein Vertrag: Verhandlungen über die NSPA

Auch wenn die Auswahl eine klare strategische Weichenstellung darstellt, handelt es sich derzeit noch nicht um eine formelle Beschaffung. Saab erklärte, dass bislang weder ein Vertrag vergeben noch eine Bestellung ausgelöst worden sei. Die weiteren Gespräche sollen nun über die NATO Support and Procurement Agency (NSPA) geführt werden.

Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre das ein Novum: Zum ersten Mal würde die NATO ihre zentrale luftgestützte Überwachungsfähigkeit auf die schwedisch entwickelte GlobalEye stützen – und nicht auf eine in den USA gebaute AWACS-Plattform.

Hintergrund: Abkehr von der E-3 und veränderte Wettbewerbslage

Die Ankündigung steht zugleich für eine breitere Veränderung der Beschaffungslogik innerhalb der Allianz. Seit nahezu 40 Jahren fliegt die NATO Frühwarn- und Überwachungsmissionen mit der Boeing E-3 Sentry. Das Muster war über lange Zeit ein Kerninstrument für Air Policing, Führungs- und Gefechtsführungsaufgaben sowie für Aufklärungsmissionen in Europa und darüber hinaus. Da die Flugzeuge jedoch ans Ende ihrer Nutzungsdauer gelangen, suchen die Mitgliedstaaten nach einer Nachfolgelösung, die einer deutlich komplexeren Bedrohungslage gewachsen ist.

Als möglicher Nachfolger der E-3 galt zunächst Boeing’s E-7A Wedgetail, die über mehrere Jahre hinweg weithin als aussichtsreichster Kandidat bewertet wurde. Die Lage änderte sich jedoch spürbar, nachdem die US-Regierung ihre Unterstützung für das Programm im Jahr 2025 zurückgezogen hatte. Dieser Schritt verschob die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen und führte dazu, dass mehrere NATO-Staaten ihre Optionen neu bewerteten – wodurch Saabs Ansatz zusätzlichen Rückenwind bekam.

Noch bevor die NATO ihre Entscheidung öffentlich machte, hatten europäische Vertreter bereits Hinweise auf die eingeschlagene Richtung gegeben. Dazu zählte auch der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius, der öffentlich andeutete, dass die schwedische Lösung beim Vorhaben zur Erneuerung der NATO-Frühwarnflotte zur Spitzenoption geworden sei.

Saab GlobalEye: Plattform, Radar und Multi-Domain-Fähigkeiten

Im Unterschied zu klassischen AWACS-Flugzeugen, die auf großen Verkehrsflugzeug-Zellen basieren, beruht die GlobalEye auf dem Geschäftsreiseflugzeug Bombardier Global 6500. Saab kombiniert diese Plattform mit dem Radar Erieye Extended Range, einer erweiterten Sensorik sowie einem Multi-Domain-Führungs- und Gefechtsführungssystem. Das System ist darauf ausgelegt, Bedrohungen gleichzeitig in der Luft, am Boden und auf See zu erkennen, zu identifizieren und zu verfolgen.

Das Flugzeug zielt auf eine großräumige Überwachung gegen ein breites Spektrum moderner Gefahren ab – darunter schwer zu ortende Luftfahrzeuge mit reduzierter Signatur, unbemannte Luftfahrtsysteme, ballistische Raketen und Hyperschallwaffen. Das Sensorsystem ist außerdem so ausgelegt, in stark umkämpften elektromagnetischen Umgebungen wirksam zu bleiben, in denen elektronische Kampfführung und Signalstörungen zunehmend verbreitet sind.

Für die NATO bedeuten diese Eigenschaften eine deutliche Steigerung von Lagebild und operativer Koordination. Die Allianz betont immer stärker, Informationen aus mehreren Domänen zusammenzuführen, um Entscheidungen schneller treffen und im Rahmen kollektiver Verteidigungsoperationen wirksamer reagieren zu können.

Ablösung der E-3 Sentry in Geilenkirchen

Wenn die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden, soll die GlobalEye schrittweise Aufgaben übernehmen, die heute von der NATO-Flotte aus 14 E-3-Sentry-Flugzeugen wahrgenommen werden. Diese sind auf dem Fliegerhorst Geilenkirchen in Deutschland stationiert. Die E-3 gelten weiterhin als eines der wertvollsten strategischen Mittel der Allianz: Sie unterstützen unter anderem Überwachungsflüge über Osteuropa und tragen zu NATO-Missionen im gesamten Verantwortungsbereich bei.

Das Vorhaben ist damit mehr als ein reiner Austausch eines überalterten Musters. Mit der Festlegung auf Saab’s GlobalEye als bevorzugte Lösung bereitet die NATO eine umfassendere Umstellung ihrer luftgestützten Überwachungsarchitektur vor – hin zu einer neuen Generation von AEW&C-Plattformen, die den Anforderungen einer zunehmend umkämpften und technologisch fortgeschrittenen Sicherheitsumgebung entsprechen soll.

Bilder dienen nur zu Illustrationszwecken.

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