Konzept: Allroad statt SUV
Audis Allroad-Modelle galten lange als die lässigeren Varianten im Programm – aus einem ziemlich einfachen Grund: Sie sind eben „kein riesiges SUV“. Genau hier setzt die fünfte Generation des (immer noch ziemlich großen) A6 Allroad an.
Neu ist dabei erstmals ein Breitbau („Widebody“) – ebenfalls aus recht naheliegenden Gründen. Der Allroad soll „more powerful“ wirken und optisch „striking“ auftreten als der eher brave A6 Avant, auf dem er basiert. In der Breite legt er gegenüber dem Avant ganze 11 cm zu.
Gleichzeitig steht er höher: +34 mm gehen auf das Konto der Allroad-spezifischen adaptiven Luftfederung – der eigentliche Trumpf dieses Konzepts. Dazu kommen breitere Reifen, eine weiterentwickelte Allradlenkung, robuste Anbauteile/Beplankungen und noch eine Extraportion Audi-Charakter. Optisch heißt das: ein moderner Audi-Look – zähnefletschend, entschlossen, schlank gezeichnet. Die Proportionen wirken stimmig.
Antriebe und Leistungsdaten
Als Einstieg steht ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern in Kombination mit einem Elektromotor zur Wahl. Zusammen ergibt das 362 bhp/369 lb ft (ca. 367 PS/500 Nm), 0–62 mph in 5,5 s (0–100 km/h) und 155 mph Spitze (250 km/h). Rein elektrisch sind bis zu 59 miles (rund 95 km) möglich – für einen Plug-in-Hybriden eine ordentliche Reichweite, wobei der große Akku mit 25,9 kWh dabei sicher nicht schadet.
Darüber rangiert der elektrifizierte 3,0-Liter-V6-Diesel: bei Leistung und Durchzug nominell etwas zurückhaltender, beim Drehmoment dafür kräftiger. Es stehen 295 bhp und 428 lb ft (ca. 299 PS und 580 Nm) bereit – und dennoch gelingt der Sprint auf 62 mph in 5,4 s (0–100 km/h). Unterstützt wird der V6 durch Riemen-Startergenerator, E-Motor und einen Verdichter, die den Antritt über das gesamte Einsatzspektrum stärken sollen – „whether pulling away, accelerating out of town, overtaking, or driving on the highway“.
Fahrwerk, Modi und Lenkung
Und abseits der Autobahn? Genau dafür ist die adaptive Luftfederung hier entscheidend. Sie bekommt Allroad-spezifische Abstimmungen und geländebetonte Programme (im Original als „offroad“ und „offroad+“ bezeichnet), die noch einmal 15 mm zusätzliche Bodenfreiheit freischalten. Über Getriebeabstimmung, Dämpfer, Traktionskontrolle und Differenzialsperre soll das die Reserven auf rauem Untergrund erhöhen – auf Felsen, in Matsch, bei Schnee oder auch an besonders hohen Bordsteinen.
Daneben gibt es die klassischen Fahrprogramme: Ein Komfortmodus („comfort“) soll das Fahrwerk angenehm weich und nachgiebig machen – klingt ziemlich ideal. Der dynamische Modus („dynamic“) senkt den Wagen hingegen um 20 mm ab. Warum man ein Modell, das für Höhe und Geländetauglichkeit steht, ausgerechnet herunterlegt, bleibt offen.
Auch die Lenkung wurde überarbeitet: Sie soll straffer ausfallen als beim bisherigen A6 Allroad, direkter ansprechen und dank Allradlenkung (AWS) agiler wirken – inklusive kleinerem Wendekreis. Hinzu kommt eine komplexe Rekuperationsstrategie beim Bremsen, die je nach Pedalbetätigung entscheidet, ob Energierückgewinnung oder hydraulischer Bremsdruck gerade die bessere Wahl ist.
Innenraum und Anzeige-Technik
Im Innenraum gibt es ebenfalls reichlich zu „verarbeiten“ – vor allem auf Displays: ein 11,9-Zoll-„Virtual Cockpit“, ein 14,5-Zoll-Zentral-Touchscreen und optional ein 10,9-Zoll-Beifahrerdisplay. Das ist viel Bildschirmfläche – und natürlich viel Individualisierung. Am Lenkrad bleiben einige echte Tasten, außerdem lässt sich Audis „self learning voice assistant“ nutzen, was angeblich gar nicht unheimlich klingt.
Ausstattung, Platzangebot und Preis
Abseits davon entspricht der Auftritt dem, was man von einem Premium-Executive-Audi erwartet: üppige Sportsitze, „excellent“ Akustik (unter anderem dank besserer Fensterdichtungen und Verglasung), ein Bang-&-Olufsen-Soundsystem, Soft-Close-Türen, Kontrastnähte und Holzdekor – die übliche, hochwertige Zutatenliste.
Und weil es ein Kombi ist – und damit (zumindest in dieser Logik) ohnehin cooler als das SUV, das man vielleicht ins Auge gefasst hat – passt auch die Praxis: Audi nennt für den V6 466 Liter bei aufgestellten Sitzen und 1.497 Liter bei umgeklappter Rückbank. Beim 2,0-Liter-Hybrid fallen die Werte allerdings etwas geringer aus.
Konkrete Zahlen für Großbritannien stehen noch aus; in Deutschland beginnt der Preis bei 77.250 €, wenn der A6 Allroad später in dieser Woche in den Verkauf geht.
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