Zum Inhalt springen

BMW 216d Gran Coupé im Test: der Diesel-Einstieg gegen den Mercedes-Benz CLA

Weißer BMW 216D GC Coupé im Showroom mit großen Fenstern und modernem Interieur.

In letzter Zeit scheinen sich die Diskussionen rund um BMW oft nur noch darum zu drehen, wie groß die Doppelniere ausfällt. Beim 2er Gran Coupé, das Anfang 2020 auf den Markt kam, wurde dagegen praktisch das komplette Design zum Streitpunkt.

Als natürlicher Gegenspieler des Mercedes-Benz CLA verzichtete es zwar auf eine XXL-Doppelniere, brachte dafür aber Proportionen mit, die man so von BMW bislang nicht kannte. Und wie der 1er (F40), mit dem es so viel teilt, interpretierte es typische Marken-Elemente neu - was ebenfalls nicht ohne Widerspruch blieb.

Unterm Strich lenkt die Debatte über die Optik des 2er Gran Coupé jedoch von seinen anderen Qualitäten ab, die in mehreren Punkten sogar über denen des CLA liegen. Das gilt genauso für den hier getesteten BMW 216d Gran Coupé, eines der Einstiegsmodelle der Baureihe.

BMW 216d Gran Coupé: Diesel-Einstieg

Beginnen wir genau dort: Das 216d Gran Coupé markiert den Einstieg in die Diesel-Motorenpalette. Ich gebe zu, nach meiner letzten Begegnung mit diesem 1,5-l-Dreizylinder im früheren 1er (F20) waren die Erwartungen eher gedämpft. Der Motor war zwar sehr fähig, zeigte sich im damaligen 116d aber wenig kultiviert: zu viele Vibrationen, die seine Dreizylinder-Natur deutlich offenlegten.

In dieser neuen Ausführung - und mit geänderter Einbaulage (jetzt quer statt längs) - hat er mich überrascht. Die Vibrationen sind spürbar besser im Griff, insgesamt läuft er feiner und wirkt im Alltagseinsatz sogar… geschmeidig. Gleichzeitig sind Ansprechverhalten und die Lust, Drehzahl aufzubauen, klar ausgeprägter - (wirklich) stellenweise erinnerte er eher an einen Benziner. Besonders lebhaft wird er beim Erreichen von 3000 U/min und zieht anschließend munter bis 4000 U/min und darüber hinaus.

Erst wenn man den Motor des BMW 216d Gran Coupé richtig „weckt“, bleibt ein deutlicheres Schütteln hartnäckig vorhanden.

Wenn der Motor positiv auffiel, steht ihm die Abstimmung mit dem serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebe (es ist die einzige verfügbare Option) kaum nach. Auch wenn ich bekennender Freund von Handschaltern bin: Hier hätte ich damit vermutlich keinen Vorteil. Das Getriebe reagiert prompt, hat praktisch immer den passenden Gang parat und lässt sich nur selten „auf dem falschen Fuß“ erwischen - als könnte sie Gedanken lesen…

Auch im manuellen Modus (ohne Schaltwippen, es geht nur über den Wählhebel) arbeitet es angenehm und nachvollziehbar. Im Sport-Modus überzeugt es ebenfalls: keine unnötigen Rückschaltungen und kein krampfhaft hohes Drehzahlniveau, wenn es nicht gebraucht wird.

Okay… Das klingt fast so, als wäre das 216d Gran Coupé eine „Kanone“ - ist es nicht. Mit 116 PS ist der Wert nüchtern betrachtet eher bescheiden. Doch die Spritzigkeit und Verfügbarkeit des Motors, kombiniert mit dem sehr sauber abgestimmten Getriebe, machen das 216d Gran Coupé zu einer ebenso sinnvollen Wahl wie den stärkeren (und teureren) 220d. Dazu kommt: Der Dreizylinder zeigte sich genügsam und kam je nach Einsatzprofil auf Verbräuche zwischen 3,6 l/100 km (konstante 90 km/h) und 5,5 l/100 km (gemischte Fahrt mit viel Stadt und einigen Schnellstraßen).

Überzeugendes Fahrgefühl und stimmiges Handling

Seine Stärken beschränken sich nicht auf den Antriebsstrang. Wie ich bereits in den stärkeren Varianten 220d und M235i erfahren hatte, überzeugt das 216d Gran Coupé auch dynamisch. Es ist nicht das Auto, das am meisten unterhält, aber ebenso wenig ist es langweilig - wie ich schon beim ersten Kontakt vor gut einem Jahr schrieb: Das Beste zeigt das 2er Gran Coupé bei 80–90% seines Potenzials, wenn es harmonisch über den Asphalt fließt.

Auffällig ist das ausgewogene, geschlossene Zusammenspiel aller Bedienelemente: Lenkung (ein dünnerer Lenkradkranz wäre willkommen) und Pedale wirken in ihrer Abstimmung und Rückmeldung stimmig - besser als beim Erzrivalen aus Stuttgart. Das Ergebnis ist ein Fahrwerk, das ein effektives und gut nachvollziehbares Verhalten ermöglicht.

Trotz Sportfahrwerk und optionalen Sportsitzen bleibt der Abrollkomfort auf einem guten Niveau, auch wenn die Dämpfung tendenziell straff ausfällt. Trotzdem „atmet“ er auf schlechten Straßenbelägen besser als ein CLA 180 d, den ich früher gefahren bin - selbst bei Autobahntempo (dort zeigte der CLA eine kleine, aber konstante Unruhe). Im BMW überzeugen dagegen hohe Stabilität und ein insgesamt sehr kultivierter Eindruck an Bord (gelungene Geräuschdämmung).

Und sonst noch?

Trotz vier Türen bringen die gewählten Design-Entscheidungen - vor allem die coupéhafte Silhouette - Kompromisse mit sich. Die Sicht nach hinten könnte besser sein. Und wer hinten Platz nimmt, merkt: Der Einstieg ist zwar ordentlich gelöst, doch die Kopffreiheit fällt begrenzt aus. Personen mit 1,80 m oder mit längerem Oberkörper streifen/berühren mit dem Kopf die Decke - ein CLA oder sogar der 1er, mit dem sich das Gran Coupé so viel Technik teilt, sind in diesem Punkt im Vorteil.

Abgesehen davon liegt, wie wir es bereits bei mehreren 2er Gran Coupé und auch beim 1er gesehen haben, die wahrgenommene Solidität im Innenraum dieses BMW 216d Gran Coupé auf einem hohen Niveau - über der des wichtigsten Gegners. Das Interieur-Design ist zwar konventioneller, dafür braucht es weniger Eingewöhnung und bietet eine bessere Ergonomie als bei manchen Modellen, die kompromisslos auf Digital setzen.

Für die wichtigsten Funktionen gibt es weiterhin physische Tasten, sodass man nicht ständig über das Infotainment gehen muss - obwohl dieses zu den besten der Branche gehört (mit weniger Untermenüs wäre es noch besser). Verbesserungsbedarf bleibt dennoch: Die Ablesbarkeit des digitalen Kombiinstruments wirkt gelegentlich unübersichtlich, und auf den „verkehrten“ Drehzahlmesser würde ich nur zu gern verzichten.

Ist das das richtige Auto für Sie?

Sein Auftritt bleibt ein Diskussionspunkt, doch zum Glück beginnt und endet die Stärke des 2er Gran Coupé nicht bei der Optik. Mechanisch und fahrdynamisch überzeugt er mehr als der jeweilige CLA, ebenso bei der wahrgenommenen Innenraumqualität.

Günstig ist er allerdings keineswegs. Der Preis des 216d Gran Coupé liegt auf dem Niveau des CLA 180 d und startet bei 39.000 Euro - unser Testwagen trug jedoch zusätzlich rund 10.000 Euro an Extras. Braucht man die alle? Natürlich nicht, aber einige wirken „obligatorisch“ und sollten eigentlich serienmäßig sein, etwa das Connectivity-Paket (unter anderem mit Smartphone-Anbindung, Bluetooth und USB sowie wireless-Laden), das den Preis um 2700 Euro „lädt“.

Auch unsere sportliche M-Ausführung fällt deutlich teurer aus. Und - zurück zum Thema Optik, dem man bei diesem Auto kaum entkommt - fast fühlt man sich genötigt, sie zu wählen, damit das 2er Gran Coupé etwas mehr Ausstrahlung bekommt. Diese (fälschlich) so bezeichneten „Coupés“ mit vier Türen leben vor allem von ihrem schärferen Auftritt; die M-„Anbauteile“ helfen dabei enorm. Nicht umsonst bleibt das Design einer der größten Trümpfe des CLA gegenüber dem 2er Gran Coupé.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen