Zwischen 2001, als die erste Generation des Honda Jazz debütierte, und 2020, dem Jahr der Einführung der vierten Generation, hat sich viel verändert. Unverändert blieb jedoch eines: Das japanische Modell hält weiterhin am Van-Konzept fest.
Bei der ersten Generation war diese Ausrichtung angesichts der damaligen Popularität solcher Fahrzeuge leicht nachzuvollziehen. Heute ist sie deutlich weniger unumstritten, schließlich dominieren SUV und Crossover den Markt. Honda ist dennoch überzeugt, dass dieses Konzept – besonders in Verbindung mit einem Hybridsystem – die ideale „Formel“ für einen Kleinwagen darstellt.
Ob der japanische Hersteller damit richtigliegt, lässt sich nur im Praxistest klären. Deshalb haben wir den neuen Honda Jazz getestet, der hierzulande ausschließlich mit einer Ausstattungslinie und einem Antrieb angeboten wird.
Ein anderer Weg
Dem neuen Jazz kann man jedenfalls nicht vorwerfen, sich bei Proportionen und Karosserieform vollständig von seinen Vorgängern verabschiedet zu haben. Allerdings ist sein Design, wie Guilherme Costa bereits schrieb, weicher geworden: Sicken und kantige Elemente sind nahezu verschwunden. Teilweise erinnert er sogar an den sympathischen Honda e, doch die Familienähnlichkeit zu den früheren Generationen bleibt eindeutig erkennbar.
Meiner Ansicht nach ist das eine gute Entscheidung. Während die meisten Kleinwagen heute auf einen ausgesprochen aggressiven und sportlich geprägten Auftritt setzen, ist es erfrischend, dass eine Marke bewusst einen anderen Stil verfolgt.
Zugleich bringt das für Vans typische Format Vorteile bei Raumausnutzung und Innenraumflexibilität. Lösungen wie die geteilte A-Säule verbessern zudem die Sicht nach vorn spürbar.
Geräumig und vielseitig
Im Innenraum fallen die Veränderungen im Vergleich zum Exterieur wesentlich deutlicher aus – und sie sind klar als Fortschritt zu bewerten.
Schon beim naturgemäß subjektiven Design zeigt sich das: Das Armaturenbrett scheint sich an der schlichten, geschmackvollen Gestaltung des Honda e zu orientieren. Es wirkt nicht nur harmonischer als bei der vorherigen Generation, sondern erleichtert auch die Bedienung.
Apropos Bedienkomfort: Erwähnenswert ist unbedingt das neue Infotainmentsystem. Es arbeitet schneller, bietet bessere Grafiken und lässt sich wesentlich intuitiver nutzen als etwa das System, das ich im HR-V erlebt habe. Gegenüber dem kritisierten Vorgänger ist dies eine überzeugende Weiterentwicklung.
Die tadellose japanische Verarbeitungsqualität ist im Honda Jazz deutlich spürbar und muss den Maßstäben der Klassenreferenzen nicht nachstehen. Auch die Materialien hinterlassen einen guten Eindruck – gepolsterte Bereiche sind besonders erfreulich –, selbst wenn es, wie in diesem Segment üblich, weiterhin einige harte und weniger angenehm anfühlende Kunststoffe gibt.
Seinen Konkurrenten enteilt der Jazz vor allem bei der Innenraumvariabilität. Von zahlreichen praktischen Getränkehaltern bis zum doppelten Handschuhfach: An Bord des japanischen Modells findet sich fast immer ein Platz für persönliche Gegenstände. Der Jazz erinnert damit daran, dass ein Kleinwagen vor allem eines sein sollte: praktisch.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die „Magic Seats“. Dieses Markenzeichen des Jazz ist außergewöhnlich einfach zu bedienen und zeigt eindrucksvoll, weshalb die Flexibilität von Vans früher so geschätzt wurde. Der Kofferraum fasst 304 Liter und liegt damit zwar nicht an der Spitze des Segments, bietet aber ein ordentliches Niveau.
Sparsam, aber flott
Da Honda seine gesamte Modellpalette konsequent elektrifizieren will, überrascht es nicht, dass der neue Jazz nur mit Hybridantrieb erhältlich ist.
Das System kombiniert einen 1,5-l-Vierzylinder-Benziner mit 98 PS und 131 Nm, der nach dem effizienteren Atkinson-Zyklus arbeitet, mit zwei Elektromotoren. Einer leistet 109 PS und 235 Nm und ist mit der Antriebsachse verbunden; der zweite übernimmt die Funktion eines Motor-Generators.
Die Leistungsdaten wirken auf dem Papier zwar nicht spektakulär, im normalen und selbst im zügigeren Alltagseinsatz enttäuscht der Jazz jedoch nie. Er beschleunigt flott und reagiert jederzeit prompt auf Befehle des rechten Fußes. Das ist kaum verwunderlich, denn in praktisch allen Situationen sorgt der Elektromotor mit seinem unmittelbar verfügbaren Drehmoment für den Vortrieb.
Die drei Betriebsarten des Hybridsystems – EV Drive (rein elektrisch), Hybrid Drive, bei dem der Benzinmotor den Generator antreibt, und Engine Drive, bei dem der Benzinmotor direkt mit den Rädern verbunden ist – wechseln automatisch. Die Übergänge zwischen ihnen sind nahezu nicht wahrnehmbar, wofür den Honda-Ingenieuren ein Lob gebührt.
Eine Ausnahme gibt es lediglich, wenn man das Hybridsystem voll fordert. Durch das feste Übersetzungsverhältnis wird der Benzinmotor dann im Innenraum etwas präsenter, was an eine CVT erinnert.
Honda Jazz: leicht zu fahren, günstig im Betrieb
Während der Hybridantrieb bei der Leistung überzeugt, überrascht er besonders mit seinem Verbrauch und seiner unkomplizierten Bedienung. Vor allem in der Stadt fühlt sich der Jazz „wie ein Fisch im Wasser“.
Er lässt sich nicht nur äußerst leicht fahren, sondern arbeitet auch sehr sparsam. Gerade im Stadtverkehr erzielte ich die niedrigsten Verbrauchswerte: 3,6 l/100 km. Auf Landstraßen und bei mittlerem Tempo lagen die Werte bei 4,1 bis 4,3 l/100 km. Erst als ich die dynamische Seite stärker auslotete, stieg der Verbrauch auf 5 bis 5,5 l/100 km.
Dynamisch betrachtet macht der Honda Jazz allerdings keinen Hehl daraus, dass er Modellen wie dem Ford Fiesta oder Renault Clio nicht den Titel des „dynamischsten Kleinwagens“ streitig machen möchte. Er fährt sicher, stabil und berechenbar, tauscht jedoch besonders viel Fahrspaß gegen angenehme Gelassenheit und bemerkenswerten Komfort ein.
Ist er das richtige Auto für mich?
Zugegeben, der Honda Jazz ist nicht der Kleinwagen, der beim Vorbeifahren die meisten Blicke auf sich zieht – auch weil er oft im „lautlosen Modus“ unterwegs ist. Indem Honda seiner bewährten „Formel“ treu geblieben ist, hat die Marke jedoch erneut einen Kleinwagen geschaffen, der seiner Bezeichnung gerecht wird und die Vielseitigkeit bietet, die wir traditionell mit Fahrzeugen dieses Segments verbinden.
Dieser andere Ansatz von Honda mag nicht jeden überzeugen, mir gefällt er jedoch. Nicht nur, weil er sich abhebt, sondern auch, weil er daran erinnert, dass wir die kleinen Vans vielleicht zu schnell „verurteilt“ haben. Es mussten zwar nicht mehr so viele wie früher sein, aber fast vollständig verschwinden hätten sie auch nicht müssen.
Ob er das richtige Auto für dich ist, lässt sich nicht beantworten, ohne den „Elefanten im Raum“ beim neuen Jazz anzusprechen: seinen Preis. Für die 29 937 Euro, die für unser Testfahrzeug verlangt werden, sind bereits Modelle aus dem darüberliegenden Segment erhältlich.
Wie auf dem Automarkt üblich, gibt es jedoch Aktionen, die den Preis des Jazz senken und ihn unter den Kleinwagen zu einer bedenkenswerten Alternative machen. Mit der Einführungskampagne reduziert sich der Betrag auf 25 596 Euro. Wer bereits einen Honda besitzt, erhält weitere 4000 Euro Nachlass, womit sich der Preis auf rund 21 000 Euro beläuft.
Zu diesem Preis ist der Honda Jazz die richtige Wahl, wenn du ein geräumiges, sparsames, leicht zu fahrendes und (sehr) vielseitiges Auto suchst. Zusammen mit 7 Jahren Garantie ohne Kilometerbegrenzung sowie 7 Jahren Mobilitätsgarantie wird das Honda-Modell zu einem ernstzunehmenden Angebot im Segment.
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