Fahrverhalten und Bremsen des BMW X5
Nicht einmal die einzelnen Systeme sind bei der Arbeit zu spüren – derart nahtlos und schnell wirkt diese Zauberei. Auf der Straße zeigt der X5 nur leichtes Untersteuern und bietet im Alltag enorm viel Grip. Wer seine großzügigen Grenzen mutwillig überschreitet, müsste eigentlich in einer Katastrophe enden: Schließlich bewegt man mehr als zwei Tonnen Fahrzeug auf gewöhnlichen, wenn auch riesigen, Straßenreifen mit beängstigend hohem Tempo. Doch genau das passiert nicht.
Selbst wenn man die Bremsen mitten in einer Kurve grob durchtritt, pulsieren sie unter dem Fuß nur leicht und bringen den X5 bemerkenswert gelassen zum Stillstand. Wenig überraschend arbeitet dabei CBC (Corner Brake Control) mit dem ABS zusammen: Rutschen alle vier Räder und eines findet wieder Haftung, kann der X5 seine Geschwindigkeit allein über dieses eine Rad reduzieren.
Das System gleicht außerdem nachlassende Bremswirkung aus, indem es bei steigenden Temperaturen unabhängig von den Vorgängen im Innenraum mehr Bremskraft aufbringt. Bei Nässe betätigt es die Bremsen zudem sanft, damit sie trocken bleiben.
Auch das Drehmoment wird gezielt zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, um Über- wie Untersteuern entgegenzuwirken und den X5 auf Kurs zu halten; zusätzlich setzt die Aktivlenkung Gegenlenken ein.
Kommt man beispielsweise zu schnell in eine Kurve und das Fahrzeug beginnt über die Vorderräder zu schieben, kann das xDrive-System nahezu 100 Prozent der Leistung nach hinten schicken und das Problem beheben. Bei Übersteuern geschieht entsprechend das Gegenteil: Leistung fließt zur Vorderachse, wodurch sich das Auto auch ohne Lenkeingriff stabilisiert.
Sogar auf Schotterstraßen, bei zu viel Gas, Bremsmanövern in der Kurve und hektischem Sägen am Lenkrad wie bei einem Autodieb, untersteuert der X5 nur ein wenig und folgt weiter der eingeschlagenen Richtung. Ich provozierte sogar ein Übersteuern, das eigentlich in einem Unfall hätte enden müssen, indem ich eine Biegung auf einer privaten Schotterpiste mit der doppelten empfohlenen Geschwindigkeit anfuhr, spät bremste und das Lenkrad links-rechts-links bewegte.
Ich schloss die Augen und zog es durch; Fotograf Bramley sprang schneller aus dem Weg, als ich ihn je zuvor gesehen hatte. Den Großteil des Rutschers fing der X5 selbstständig ab. Dieses Auto ist unglaublich intelligent.
Großer BMW X5 mit sportlichem Charakter
Obwohl der neue X5 optisch sehr groß wirkt, fährt er sich überhaupt nicht so. Eigentlich müsste er äußerst komfortabel sein, doch sein Fahrverhalten ähnelt dem eines Sportwagens. Dank einer hervorragend abgestimmten neuen Doppelquerlenker-Vorderachse wankt, neigt oder quietscht er nicht, wie es sein sichtbar hoher Schwerpunkt erwarten ließe. Auch enge, kurvenreiche Landstraßen nimmt er mühelos in Angriff – wie eine absurd schnelle Landyacht. Dennoch wirkt es künstlich.
Bei aller beeindruckenden Souveränität macht das Fahren mit ihm nicht wirklich Freude. Als Maschine verdient er Respekt, emotional berührt er jedoch nicht. Vermutlich ist genau das, was 99,5 Prozent der X5-Käufer wollen: eine Panzer-Ausführung eines 3er-, 5er- oder 7er-BMW.
41 Prozent der X5, die im BMW-Werk Spartanberg in den USA gebaut werden, sollen in Amerika verkauft werden. Das könnte die stärkere Ausrichtung nach oben erklären, denn in den USA ist Größe tatsächlich kein besonders wichtiges Thema. Doch der neue X5 ist ein weiteres Auto, das das Regelbuch aus den falschen Gründen neu schreibt. Er mag brillant sein, aber deshalb ist er noch lange keine gute Sache.
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