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Volkswagen Golf R32: Der laute Allrad-Golf im Test

Blauer Volkswagen Golf fährt auf kurviger Straße, umgeben von grünen Büschen im Hintergrund.

Dieser Test erschien erstmals in Ausgabe 147 des Magazins Top Gear (2005).

Volkswagen Golf R32: Auftritt und Innenraum

Da ist es wieder, dieses Geräusch. Ein tiefes, volles Grollen des V6, das bei hohen Drehzahlen zu einem hektischen Heulen anschwillt – laut genug, um Vögel aus den Bäumen zu treiben und Wildschweine aus dem Wald zu jagen. Es klingt teils nach Rennwagen, teils nach Supersportler, teils nach Tyrannosaurus rex – und ganz sicher nicht nach einem Volkswagen.

Doch hier haben wir es mit einem Volkswagen einer neuen Ära zu tun: einem leuchtend blauen Spitzenmodell, das für einen lauteren, auffälligeren und angriffslustigeren Konzernauftritt steht. Neben dem gerade eingeführten BMW 130i – und, bei strenger Auslegung, dem Porsche Cayman S sowie dem Aston Martin V8 Vantage – kämpft dieser Golf R32 der zweiten Generation um den Titel des heissesten Schrägheckwagens, den man derzeit kaufen kann.

Text: Peter Grunert

Bilder: Lee Brimble

So deutlich der R32 seine Absichten akustisch verkündet, so wenig zurückhaltend gibt er sich optisch. Vor allem die Mengen an Chrom und hochglanzpoliertem Metall innen wie aussen sind ausgesprochen blendend.

An der Front ersetzt ein verchromter Schnabel mit horizontalen Lamellen den tiefen Wabengrill des aktuellen Golf GTI – als hätte man eine Jalousie vor einen Spiegel gehängt. Im hinteren Diffusor sitzen beidseits der Mitte zwei grosse, verchromte Endrohre. Auch die serienmässigen, etwas überladenen 20-Speichen-Leichtmetallräder im 18-Zoll-Format wären vermutlich verchromt worden, wenn das Tauchbecken in der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg nicht ein Leck gehabt hätte. Vielleicht.

Im Innenraum setzt sich das Thema fort: Armaturenbrett und ein Grossteil der Mittelkonsole werden von hellen Streifen aus maschinell bearbeitetem Aluminium durchzogen. Glänzend polierte Aluminiumeinsätze schmücken die Pedale ebenso wie einen Abschnitt des kleinen, gedrungenen Lenkrads mit abgeflachtem Kranz. Wiederum: sehr untypisch für Volkswagen. Das Gleiche gilt für die serienmässigen hellgrauen Kunststoffe an Armaturenbrett und Türverkleidungen. Hellgrau wirkt nun einmal fast immer billig – man muss sich nur die Schuhe eines durchschnittlichen Geografielehrers ansehen.

Immerhin sind die serienmässigen Sitze hervorragend, während die optionalen Recaro-Schalensitze für £945 noch besser sind. Ihre stark ausgeprägten Flanken liefern beinahe starre Seitenführung; zudem besitzen sie Öffnungen für zwei Renngurte. Und nein: An ihnen findet sich keinerlei poliertes Zierwerk. Stattdessen bestehen die Sitzrückseiten aus einer dünnen Kunststoffschale in dunkel-metallischem Grau.

V6, DSG und 4Motion im Golf R32

Zurück zum Sound. Er entsteht durch das Zusammenspiel der zwei vergrösserten Endrohre und des grossvolumigen 3.2-litre-V6 im Vorderwagen. Derselbe Motor kommt auch im Touareg, Phaeton, diversen Audis und natürlich im Golf R32 der ersten Generation zum Einsatz. Hier leistet er satte 247bhp bei 6,300rpm – 10bhp mehr als zuvor und 50bhp mehr als der aktuelle GTI – sowie 236lb ft Drehmoment bei 2,500rpm. Der Motor dreht begeistert hoch und steigert sich dabei zu seiner vollen stimmlichen Entfaltung. Eine reine Freude.

Zur Auswahl stehen zwei Getriebe: ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit vergleichsweise langen Schaltwegen und etwas träger Schaltbetätigung oder Volkswagens Direct Shift Gearbox mit zwei robotisierten Kupplungen, kurz DSG. Im vollautomatischen Betrieb kann sie sich bei der Gangwahl gelegentlich verschlucken. Im manuellen Modus mit Schaltwippen passt sie jedoch ideal zum grossen V6. Beim Herunterschalten setzt sie perfekte automatische Zwischengasstösse, und beim Hochschalten wechselt sie die Gänge so schnell, dass sie 0.3 of a second von der angegebenen 0-62mph-Zeit abzieht. Mit 6.2 seconds ist sie zudem 0.7 of a second schneller als ein GTI.

Leider kostet das DSG £1,330 Aufpreis, womit der Preis des R32 auf beträchtliche £25,075 steigt.

Auch gegenüber dem frontgetriebenen GTI gibt es einen entscheidenden Unterschied: Weder Antriebseinflüsse in der Lenkung noch durchdrehende Räder stören hier. Zwar waren das beim anderen schnellen Golf nur geringfügige Schwächen, doch im R32 werden sie durch Volkswagens elektronisch geregelten 4Motion-Allradantrieb vollständig ausgeräumt. Selbst auf schmutznassen Strassen bleibt die Traktion unbeirrbar, und das Gripniveau ist sicherer als Strangeways – vermutlich sogar deutlich sicherer. Gegenüber einem normalen Golf liegt das Fahrwerk 20mm tiefer und damit weitere 5mm unter dem Niveau eines GTI. Wankbewegungen der Karosserie sind nahezu nicht vorhanden, während der Federungskomfort die Wirbelsäule nie brutal durchschüttelt – selbst dann nicht, wenn sie in die schmalen Sitze gedrückt wird.

Die Bremsen bilden einen ebenso wirksamen Gegenpol zur Fähigkeit des Motors, Geraden zusammenschrumpfen zu lassen. Kräftige 345mm-Bremsscheiben vorn und 310mm-Scheiben hinten werden von leuchtend blau lackierten Bremssätteln gepackt. Dieses Blau findet sich auch an den Nadeln von Tacho und Drehzahlmesser wieder: Sobald die serienmässigen Bi-Xenon-Scheinwerfer eingeschaltet werden, leuchten sie wie winzige Lichtschwerter.

Gewicht und Fahrverhalten des Volkswagen Golf R32

Auf den ersten Blick ergibt das eine erdrückend überzeugende Mischung an Fähigkeiten. In einem Auto mit keineswegs unhandlichen Aussenmassen vereinen sich Alltagstauglichkeit, Tempo, Traktion bei jedem Wetter und Gripreserven, die einem die Wangen schlottern lassen. Dazu kommt selbstverständlich dieser mitreissende V6-Soundtrack.

Doch in einem Punkt stolpert der R32 und droht auf seinem verbreiterten, verspoilerten Hintern zu landen: Er ist etwas zu füllig. Mit 1,510kg bringt er wegen des komplexen Allradsystems und des grossvolumigen V6 60kg mehr als ein BMW 130i und 155kg mehr als ein Golf GTI auf die Waage.

Noch wichtiger als die reinen Werte, die hinzugekommen sind, ist das, was fehlt. Auf einer engen, zerklüfteten Strasse, die dazu verleitet, ein flinkes und spontan reagierendes Auto wie den aktuellen GTI härter anzupacken, mangelt es dem R32 an dessen Präzision und Einlenkfreude. Die Rückmeldung der Lenkung ist weniger detailliert, und die Linie durch Kurven lässt sich mit einem Lupfen des Gaspedals weniger bereitwillig korrigieren.

Für ein Auto, das so viel verspricht – und lautstark verkündet, was es oberflächlich zu bieten hat –, besteht der erste Instinkt dieses teuersten und stärksten Golf schlicht darin, sich mit brachialer Gewalt durchzusetzen.

Wenn der R32 wie ein Baseballschläger mit rostigen Nägeln trifft, ist der GTI im Vergleich ein präzisionsgeschmiedetes Samurai-Schwert. Und mit DSG kostet er £3,755 weniger.

Urteil: Grossartiger Sound, reichlich Tempo, unerschütterliche Traktion. Warum macht der GTI dann mehr Spass?

3.2-litre V6
247bhp, AWD
0-62mph in 6.2secs, max speed 154mph
1,510kg
£25,075

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