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Ford Ka im Test: Zu viel Fiat, zu wenig Ford

Roter Ford Kleinwagen steht auf einem Feldweg vor einem goldenen, hügeligen Hintergrund bei Sonnenlicht.

Nach zwölf Verkaufsjahren ist es beinahe ironisch, dass kaum jemand weiss, wie Ford Ka ausgesprochen wird. Selbst bei Ford schwankt man zwischen „K-A“ als einzeln gesprochenen Buchstaben, „Ka“ mit kurzem A oder „Ka“ wie in „Car“. Dabei kommt das Modell weltweit auf 1.4 Millionen Verkäufe, davon erstaunliche 500,000 allein in Grossbritannien. Das ist fast so, als wüsste niemand, wie man Coke ausspricht.

Der neue Ford Ka mit Fiat-Technik

Die Aussprache darf künftig weiter geübt werden – richtig oder falsch –, denn der Ka wurde durch eine komplett neue Generation ersetzt. Sie entstand gemeinsam mit Fiat; entsprechend teilen sich Panda, neuer 500 und Ka einen erheblichen Teil ihrer Technik. Sämtliche Motoren des Ka stammen von Fiat, was keineswegs nachteilig ist: Kleine Benziner und Dieselmotoren beherrschen die Italiener hervorragend. Auch mögliche Qualitätsbedenken beim Bau gehören inzwischen der Vergangenheit an, denn Fiat hat in diesem Bereich zuletzt deutlich aufgeholt.

Beim neuen Ford Ka stehen ein 1.2-Liter-Benziner und ein 1.3-Liter-Diesel zur Wahl. Zum Fiat-1.4-Benziner gibt es noch keine Informationen, doch vermutlich wird er später folgen. Gleiches gilt für eine ECOnetic-Ausführung des Ka. Wenn bereits der grössere und schwerere Fiesta ECOnetic 76.3mpg sowie 98g/km erreicht, dürfte der besonders sparsame Ka zu den umweltfreundlichsten Modellen seiner Klasse zählen.

Zur Auswahl stehen vier Ausstattungslinien: Studio, Style, Style Plus und Zetec. Doch damit erschöpfen sich die Möglichkeiten nicht. Wie beim 500 lässt sich auch der Ka individualisieren. Zur Verfügung stehen Tattoo, Grand Prix und Digital Art, die Innenraum und Karosserie optisch verändern. Bei Digital Art ziehen sich beispielsweise zahlreiche grüne Streifen über das Exterieur – gewissermassen ein Öko-Zebra.

Individualisierung statt der Stärken des Vorgängers?

Das verheisst allerdings nicht nur Gutes. Die Genialität des vorherigen Ka – und der Grund, weshalb er unglaubliche 12 Jahre gebaut wurde und selbst zum Schluss noch das beliebteste Auto seiner Klasse war – lag in seiner ausgezeichneten Konstruktion und Gestaltung. Es waren einfache Zutaten, aber sie waren brillant umgesetzt. Wenn Hersteller ein Fahrzeug mit niedlichen Designpaketen überladen, beschleicht einen stets die Sorge: Wovon soll damit abgelenkt werden?

Beim Ka gibt es tatsächlich etwas zu kaschieren: die umfassende Fiat-DNA. Technologie mit anderen Herstellern zu teilen, ist wirtschaftlich durchaus sinnvoll, doch die Fahrzeuge müssen sich dennoch unterschiedlich anfühlen. Andernfalls entsteht eine Situation wie bei Golf und A3, die beinahe miteinander verschmelzen.

Ford erklärt, der Ka sei gegenüber Panda und 500 eigenständig abgestimmt worden, damit er weiterhin wie ein Ford wirke. An den ersten Kontaktpunkten wurde jedoch offensichtlich nicht genug verändert. Der Schlüssel stammt von Fiat, die Blinkerhebel ebenso, und sogar der Geruch erinnert an Fiat. Das klingt kleinlich, stimmt aber.

Ford Ka: Motor, Raumangebot und Innenraum

Allzu sehr sollte man die Zusammenarbeit dennoch nicht kritisieren. Der aktuelle 500 hat überall Auszeichnungen erhalten, auch hier. Der 1.2-Liter-Motor ist ein echtes Schmuckstück: Er läuft kultiviert, und obwohl er lediglich 68bhp sowie 75lb ft leistet, wirkt der Ka keineswegs untermotorisiert. Bei entspanntem Tempo lässt er sich in hohen Gängen fahren; wird Leistung benötigt, muss nicht zwingend heruntergeschaltet werden. Selbst die Beschleunigung aus 70mph im fünften Gang funktioniert ordentlich.

Der Nachteil liegt allein darin, dass es nur fünf Gänge gibt. Damit das Auto spontan bleibt, ist der fünfte Gang recht kurz übersetzt. Bei 85mph dreht der Motor daher mit 4,000rpm. Laut ist er nicht gerade, sein Summen ist jedoch deutlich hörbar.

Ein weiterer Vorteil der gemeinsamen Plattform ist das überraschend grosszügige Raumangebot. Nach dem Umstieg aus einem fünftürigen Fiesta in den Ka bot der kleinere Ford deutlich mehr Bein- und Kopffreiheit. Das überrascht kaum, schliesslich ist der neue Ka 10cm höher als sein Vorgänger. Auch Kunststoffqualität und Gestaltung des Innenraums liegen Welten über denen des alten Ka. Das klassische Armaturenbrett in Tropfenform ist verschwunden und wurde durch eines im Stil des Fiat 500 ersetzt. Dadurch liegen alle wichtigen Bedienelemente nah zur Hand, einschliesslich des auf dem Armaturenbrett montierten Schalthebels. Das Design überzeugt, auch wenn ihm der letzte Hauch des 500-Chics fehlt.

Nicht jede Folge der Fiat-Kooperation ist jedoch positiv. Wie bereits erwähnt, verraten die Kontaktpunkte Fiat – und das gilt genauso für Fahrkomfort und Handling. Ford betont, die Abstimmung des Ka selbst vorgenommen zu haben; Lenkung und Fahrwerk müssten sich also sehr typisch nach Ford anfühlen. Man könnte fast meinen, bei dieser Arbeit hätten zahlreiche Fiat-Ingenieure als Ford-Mitarbeiter ausgegeben, denn 500 und Ka fahren sich nahezu gleich.

Zwar ist die Lenkung im Ka etwas schwergängiger und besitzt nicht ganz jene elektrische Unterstützung, die beim 500 oder Panda auffällt. Auch das Fahrwerk federt weniger hüpfend als bei den Fiat-Modellen. Doch es geht nur um Nuancen.

Dem Ford Ka fehlt das typische Fahrgefühl

Das entscheidende Gokart-Gefühl des alten Ka, sein eigentlicher Daseinszweck und Alleinstellungsmerkmal, ist jedoch verloren gegangen. Der neue Ka lässt sich bei weitem nicht so spielerisch durch Kurven werfen wie sein Vorgänger; die geschmeidige Verbindung aus Lenkung und Fahrwerk ist verschwunden. Nach dem Ka in einen Fiesta umzusteigen, sorgt unmittelbar für mehr Zufriedenheit – sogar das Getriebe fühlt sich straffer an.

Ford kann moderne Autos mit unterhaltsamem Handling bauen, nur dieser Ka zählt nicht dazu. Das ist seltsam, denn Fiat 500 und Panda sind ausgesprochen sympathische Fahrzeuge. Sie sind beide hervorragend. In gewisser Hinsicht trifft das auch auf den neuen Ka zu: Er sieht ordentlich aus, wenn auch von hinten etwas hoch geraten, fährt ordentlich und bietet vier Personen ordentlich Platz. Einen 500 kauft man wegen seiner frechen Optik. Einen Panda wählt man für Praktikabilität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Einen Ford sollte man dagegen wegen seiner Fahreigenschaften kaufen.

Ford hat die Marke genau dafür neu positioniert – selbst der Kuga SUV fährt sich gut. Dieser neue Ka erfüllt diesen Anspruch aber nicht. Ihm fehlen die Ford-Prägung und die Ford-DNA. Und unabhängig davon, wie man ihn ausspricht: 12 Jahre wird er niemals durchhalten.

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