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Mercedes-AMG GT Coupé Night Edition: Der letzte Tanz

Schwarzer Mercedes-AMG GT mit gelben Bremsen steht im modernen, reflektierenden Ausstellungsraum bei Nacht.

Kurz vor seinem Abschied kehrte das Mercedes-AMG GT Coupé noch einmal in die Garage von Razão Automóvel zurück – standesgemäß im Outfit der Night Edition. Für eine Art „letzten Tanz“, dessen jede Minute ich auskostete.

Seit 2014 auf dem Markt, wenn auch zwischenzeitlich mehrfach überarbeitet, sieht das Mercedes-AMG GT Coupé seinen Nachfolger, den Mercedes-AMG GT 63, bereits im Rückspiegel. Schlaflose Nächte bereitet ihm das allerdings nicht.

Selbstbewusst, souverän und mit einer imposanten Erscheinung tritt das Mercedes-AMG GT Coupé auf. Dazu kommt ein tiefes, kehliges Grollen – dem V8 sei Dank. Damit trägt es den Titel des „Flaggschiffmodells“ aus Affalterbach weiterhin wie kaum ein anderes Modell.

Der „König der Nacht“

Getestet wurde die Einstiegsversion der AMG-GT-Coupé-Baureihe, ausgestattet mit dem optionalen Night-Edition-Paket für 7682 Euro. Dieses Paket prägt die Optik des deutschen Supersportwagens unmittelbar und bringt mehrere exklusive Details mit.

Dazu zählen das Carbon-Dach, der Kühlergrill mit zentral platziertem Mercedes-Benz-Stern sowie die abgedunkelten AMG-Räder in 19 Zoll vorn und 20 Zoll hinten.

Im Innenraum weisen ein spezielles Emblem auf der Mittelkonsole auf diese Ausführung hin, während Klavierlack-Zierteile einen gelungenen Kontrast zum Alcantara-Lenkrad und den AMG-Performance-Sitzen bilden.

Zusammengehalten wird dieses Gesamtbild von einer mattschwarzen Lackierung – offiziell graphite grey magno genannt. Sie macht aus dem AMG GT Coupé einen regelrechten „König der Nacht“, dessen schmaler, aggressiver Blick jeden zur Aufmerksamkeit zwingt.

Wer davon zunächst nicht überzeugt ist, muss nur den Motor „wecken“. Dann sind die Vorstellungen beendet und es wird sofort klar: Dieser AMG ist ein Hooligan, der weder Moden noch ... „Herde“ folgt!

Danke, AMG, für diesen V8

Die Form dieses Supersportwagens braucht ebenso wenig eine Vorstellung wie sein Motor. Dennoch wäre es unmöglich, dem Biturbo-V8, der dieses Auto antreibt, nicht einige Zeilen zu widmen – darüber ließe sich problemlos ein Gedichtband schreiben.

Diesen 4,0-l-Biturbo-V8 von Mercedes-AMG durfte ich bereits in mehreren Modellen erleben, und die Reaktion bleibt stets dieselbe: Was für ein Kunstwerk.

Wir erleben eine Energiewende, die uns und die Industrie immer stärker in Richtung Elektrifizierung führt. Gerade deshalb ist es für Petrolheads wie uns ein großes Privileg, einen Motor dieser Art weiterhin genießen zu können.

Wie bekannt, trägt jeder Motor aus Affalterbach eine Plakette mit der Unterschrift des Ingenieurs, der für seinen Zusammenbau verantwortlich war. Gut, dass das so ist: So lässt sich der Person hinter jedem dieser Meisterwerke einzeln danken.

In dieser Ausführung leistet der längs hinter der Vorderachse eingebaute V8 530 PS zwischen 5500 rpm und 6750 rpm sowie 670 Nm maximales Drehmoment zwischen 2100 rpm und 5250 rpm.

Die gesamte Kraft gelangt selbstverständlich über ein Siebengang-Doppelkupplungsautomatikgetriebe an die beiden Hinterräder. Unterstützt wird es von einem elektronischen Hinterachs-Sperrdifferenzial.

Ein „Schlag“ in die Magengrube

Er ist bei weitem nicht das schnellste Auto, das sich in dieser Preisklasse kaufen lässt, doch er ist sehr schnell: 312 km/h Höchstgeschwindigkeit und der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,8s.

Wichtiger als die Messwerte sind jedoch die Eindrücke. Und genau hier besitzt dieses AMG GT Coupé gegenüber einem großen Teil der Konkurrenz entscheidende Vorzüge.

Denn alles geschieht dramatisch und aggressiv. Das lässt die Abläufe in gewisser Weise noch schneller und aufregender wirken.

Fast scheint es, als wäre er eine bipolare „Kreatur“. Auf längeren Autobahnetappen kann er sanft und kultiviert auftreten, was sich als ausgesprochen nützlich erweist. Bekommt er jedoch die Gelegenheit dazu, verwandelt er sich in ein nahezu regelloses „Monster“.

Innerhalb weniger Sekunden wird deutlich, dass er genau dann „glücklich“ ist: ohne Fesseln, wilder und bereit, uns in jeder Kurve daran zu erinnern, dass emotionale Momente stets mit einem heftig schlagenden Herzen einhergehen.

Es ist schlicht unmöglich, mit diesem Auto unterwegs zu sein und dabei nichts zu empfinden – ganz gleich, ob man Autoliebhaber oder Anhänger nachhaltiger individueller Mobilität ist.

Mercedes-AMG GT Coupé: Perfektion ist nicht alles

Anders als einige Mercedes-AMG-Modelle – allen voran der A 45 S am anderen Ende der Skala – ist dieses GT Coupé nicht perfekt. Damit ist ausdrücklich nicht die allgemeine Qualität dieser beiden Fahrzeuge gemeint.

Den A 45 S bin ich gefahren und hatte den Eindruck, dass er alles zu gut beherrscht. Er wirkt, als führe er auf Schienen durch Kurven, und ist stets effizient ... Immer! Er kann alles derart gut, dass es beinahe künstlich erscheint.

Beim AMG GT empfinde ich genau das Gegenteil. Dieses deutsche „Monster“ zu fahren, ist ein unmittelbarereres, schwierigeres und analogeres Erlebnis. Doch gerade deshalb ist es auch lohnender.

Die Lenkung arbeitet vorhersehbar und besitzt zumindest für meinen Geschmack das richtige Gewicht. Die lange Motorhaube macht es allerdings sehr schwer, die Fahrzeugenden präzise einzuschätzen. Es braucht daher etwas Eingewöhnung, um die Räder beim Einlenken optimal zu platzieren.

Im Vergleich mit dem Mercedes-AMG GT R wirkt das Heck besser auf der Straße verankert, was sich in einem stärkeren Gefühl von Stabilität niederschlägt.

Beim Motor, seiner Kraft und seiner Leistung ist alles vorhanden. Er spricht sofort an, entwickelt über den gesamten Drehzahlbereich Druck, und der Klang aus der Abgasanlage macht jede Musik überflüssig – obwohl dieses Exemplar mit einem optionalen Burmester-Surround-Soundsystem für 1300 Euro ausgerüstet war.

Taugt er für den „Alltag“?

Wer über den Kauf eines Sportwagens dieses Kalibers nachdenkt, sollte sich auch mit diesem Bereich beschäftigen. Schließlich besteht das Leben eines Petrolheads nicht nur aus fantastischen Straßen und Trackdays.

Es gibt auch Kompromisse im städtischen Durcheinander, enge Durchfahrten und Ausflüge auf schlechtere Straßen. All diesen Hindernissen lässt sich nicht ausweichen.

Verschlechtert sich der Straßenbelag, tritt die straffe Federung dieses AMG GT deutlich in den Vordergrund und lässt fast vermuten, die Sportsitze hätten eine integrierte Massagefunktion.

Auch die enorme Breite des Modells erleichtert die Fahrt durch die Stadt nicht. Hinzu kommen die praktisch nicht vorhandene Sicht durch die Heckscheibe und die extrem niedrige Sitzposition, durch die ein großer Teil des Blickfelds von der Motorhaube eingenommen wird.

Sieht man über all das hinweg, lässt sich dieses Auto dennoch im Alltag nutzen. Dabei spielt natürlich auch der Verbrauch eine Rolle.

23 l/100 km? Wenn das Tempo steigt, ist das ein „Kinderspiel“. In der Stadt kam ich dagegen nicht über 17,8 l/100 km hinaus. Auf der Autobahn lassen sich etwa 15 l/100 km vergleichsweise leicht erreichen.

Auf Nebenstraßen sind bei gezügeltem Temperament dieses Motors sogar 14 l/100 km möglich. Aber glauben Sie mir: Dem „dunklen Seite der Macht“ am Steuer dieses Coupés zu widerstehen, ist nicht einfach.

Ist es das richtige Auto für Sie?

Wie bereits erwähnt, gibt es in einer ähnlichen Preisklasse Angebote, die schneller sind und eine ausgefeiltere Fahrdynamik bieten. Doch bei diesem AMG GT geht es um weit mehr als hohes Tempo oder makellose Fähigkeiten.

Er ist ein fast analoges Erlebnis in einer zunehmend digitalen Welt. Er verbindet die rauere, aggressivere Seite von AMG mit der Qualität, an die uns Mercedes-Benz seit jeher gewöhnt hat.

Er ist teuer, kann zu straff sein und ist nicht immer praktisch. Doch eines garantiert er jederzeit: ein dramatisches Erlebnis – begleitet von einer Erscheinung, die allen Respekt einflößt, die ihm auf der Straße begegnen.

Es riecht nach Abschied

Vermutlich war dies das letzte Mal, dass ein Mercedes-AMG GT Coupé für einen Test in der Garage von Razão Automóvel stand.

Wie bereits gesagt, steht der Nachfolger kurz bevor: der vorläufig Mercedes-AMG GT 63 genannte Wagen. Er soll den 4.0-Liter-Biturbo-V8 behalten, könnte aber ein neues Allradsystem erhalten – wie beim neuen Mercedes-AMG SL, mit dem er Plattform, Technik und Technologie teilen wird.

Ob dieser AMG GT vermisst werden wird oder sich der neue AMG GT 63 sofort durchsetzt, kann nur die Zeit zeigen. Eines steht jedoch fest: Sollte dies sein Abschied gewesen sein, dann haben wir beide alle offenen Punkte (sehr gut) geklärt.

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