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Jeep Grand Cherokee 4.0 LTD im Test

Grüner Jeep Grand Cherokee SUV im Showroom mit glänzendem Lack und moderner Frontbeleuchtung.

Amerikanischer 4x4-Charakter

Während europäische und japanische Autohersteller ihre grossen Geländewagen offenbar immer kultivierter und strassenorientierter machen wollen, hält Jeep unbeirrt die Fahne der amerikanischen 4x4-Schule hoch. Gemeint sind Offroader, die so kernig und outdoor-tauglich aussehen wie ein Paar Timberland-Stiefel – und deren Geländefähigkeiten es mit dem Mount Rushmore aufnehmen könnten. Dieser Grand Cherokee macht den Eindruck, als würde er problemlos Sümpfe durchqueren und sich richtig im Dreck wälzen, wo geschniegelt-edle „Joorup“-Geländewagen lieber umdrehen.

Jeep Grand Cherokee 4.0 LTD: Motor und Ausstattung

Jau, dieser vier Liter grosse Reihensechszylinder mag zwar nicht ganz den Durchzug des mächtigen 4,7-Liter-V8 im Grand Cherokee bieten, doch er packt immer noch kräftiger zu als ein durchschnittlicher WWF-Grollkampf. Zudem bringt er Sie weiter in den Wilden Westen hinein als ähnlich grosse und teure Konkurrenten. Angesichts dessen, was man für sein Geld erhält, wirkt der Preis des 4.0 LTD geradezu nach Wal-Mart, verglichen etwa mit den Selfridges-artigen Kosten eines entsprechenden Range Rover.

Zum Reihensechszylinder gehören serienmässig ein Automatikgetriebe, Tempomat, Klimaanlage sowie Leder- und elektrisch verstellbare Sitze. Gut, etwas überflüssiges Holz ziert weiterhin das Armaturenbrett. Immerhin sieht sich der Hersteller nicht mehr genötigt, den Grossteil der Bedienfunktionen auf einem einzigen Lenkstockhebel unterzubringen. Erfreulicherweise werden alle wichtigen Funktionen über eine Armaturenbrett-Anordnung gesteuert, die Fahrern von auf dieser Seite des Atlantiks gebauten Autos deutlich vertrauter sein dürfte.

Fahrgefühl auf der Strasse

Wer von einer gewöhnlichen „Limousine“ umsteigen möchte, wird sich allerdings erst an das Fahrverhalten des Grand Cherokee auf Asphalt gewöhnen müssen. Der Auftritt stimmt: Der Motor brüllt angenehm kräftig, und bei beherztem Tritt aufs Gaspedal setzt das Getriebe zu einem Ruck an, der der Addams Family würdig wäre. Doch der Vortrieb fällt weniger eindrucksvoll aus, als man erwarten könnte.

Das Gesamtgefühl bleibt eher ländlich-amerikanisch als kultiviert; Fahrwerk und Handling wirken im Vergleich zu neueren 4x4-Generationen wie dem BMW X5 oder der Mercedes M-Klasse ausgesprochen rustikal. Die Lenkung ist zwar nicht ganz so leichtgängig und unpräzise wie George W. Bushs Verständnis der Weltgeografie, kommt dem aber recht nahe. Kombiniert man das mit Stossdämpfern und Reifen, die sich anfühlen, als seien sie mit überschüssiger Cellulite aus einer Schönheitsklinik in Florida gefüllt, ergibt sich auf Asphalt ein ziemlich schwankendes Fahrerlebnis.

Hat man sich daran gewöhnt, fädelt man bald entspannt durch Städte und gleitet zufrieden über die freie Strecke, während man vom Grand Canyon träumt. Dieser ist übrigens genau jenes Naturwunder, an das man am ehesten denkt, wenn man versucht, den Kofferraum mit Ausrüstung zu beladen. Wie das Land, aus dem er stammt, ist dieser Grand Cherokee alles andere als perfekt – die wenig haltgebenden Vordersitze und die Rücksitze, auf denen man so leicht hin- und herrutscht wie zu einem Ry-Cooder-Soundtrack, belegen das deutlich. Trotzdem ist er ein lässiger Wagen, in dem man gern unterwegs ist.

Mark Holmes

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