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Chrysler 300C im Test: Die markante Alternative

Dunkelbraunes Limousinenauto fährt nachts auf beleuchteter Straße mit verschwommenem Hintergrund.

Vor vielen Monden erinnern Sie sich vielleicht an eine Top-Gear-Folge, in der Jeremy, Richard und James mit nichts weiter als einem Winnebago, etwas Tee und einigen Autos zu den Pendine Sands aufbrachen. Eines dieser Fahrzeuge war der Chrysler 300C. Sein Design gefiel ihnen, ebenso der Preis. Mit dem Fahrverhalten konnten sie sich dagegen nicht anfreunden.

Chrysler 300C und Lancia Thema für Europa

Hier steht nun der neue Chrysler 300C. Für unsere europäischen Nachbarn wird er zumindest auch als neuer Lancia Thema verkauft. Fiat besitzt Chrysler inzwischen und hat beschlossen, die einstige amerikanische Limousine wiederzubeleben. Die erste Erkenntnis lautet allerdings: Ein Auto für begeisterte Fahrer ist er weiterhin nicht.

Chrysler hat das grundlegende Fahrwerkskonzept des früheren 300C übernommen, jedoch sämtliche Bauteile erneuert. Vorn arbeitet daher eine Doppelquerlenkerachse, hinten eine Mehrlenkerkonstruktion mit fünf Lenkern. Die Lenkung nutzt elektrohydraulische Unterstützung, und das Gesamtpaket wurde gezielt auf europäische Ansprüche abgestimmt – schließlich sind wir bei Federn und Dämpfern traditionell anspruchsvoller als die Amerikaner.

V6-Diesel und Fahrverhalten des Chrysler 300C

Unter der gewaltigen Motorhaube steckt ein 3,0-Liter-V6-Diesel, der vorerst den einzigen verfügbaren Antrieb darstellt. Angeboten wird er mit 187 bhp oder 236 bhp und jeweils mit einer eher langsam reagierenden Fünfgangautomatik gekoppelt. Später folgt ein Achtganggetriebe von ZF, das mit Schaltzeiten von unter 200 ms ausgesprochen gut sein dürfte. Gefahren sind wir die Variante mit 236 bhp, 406 Drehmoment und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden.

Mit diesem Antriebspaket rückt der 300C nicht wirklich als vollwertige Alternative zu den Oberklasse-Angeboten des deutschen Dreigestirns in Position. Die Lenkung wirkt zwar schwer und reagiert recht präzise, gibt aber kaum Rückmeldung. Wird die große Limousine – immerhin rund zwei Tonnen schwer – energisch bewegt, schiebt sie über die Vorderräder. Der Grip stimmt jedoch und fühlt sich nicht mehr so puddingartig an wie beim Vorgänger.

Komfort, Innenraum und Preis

Sobald man jedoch Fahrerhandschuhe und feuerfesten Rennanzug ablegt, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die bullige, altmodisch-mafiöse Optik des früheren 300C bleibt erhalten, wurde aber dezent verfeinert und attraktiver gestaltet. Im Innenraum hat Chrysler deutlich zugelegt; abgesehen von wenigen günstigen Kunststoffteilen überzeugt er stark. Die verchromten Instrumente sehen hervorragend aus, und der neue 8,4-Zoll-Bildschirm zur Steuerung von Audioanlage, Klimatisierung, Kommunikation und Fahrzeugfunktionen ist ausgezeichnet. Auch der Federungskomfort ist wunderbar. Ganz ernsthaft.

Ein Chrysler-Ingenieur erklärte Top Gear, bei der Verfeinerung habe man sich den Jaguar XF angesehen, während Audi A8 und BMW 5er als Maßstäbe für Fahrkomfort und Fahrverhalten dienten. Beim Handling hat der Wagen zwar seine Schwierigkeiten, seine große Stärke ist jedoch die Ruhe. Er gleitet mühelos dahin, als führe er auf einem Teppich aus Watte; lediglich auf besonders schlechten Fahrbahnen wird er etwas unruhig. Selbst der V6-Diesel wird dadurch angenehm gedämpft – laut wird der Motor nur, wenn seine reichlich vorhandenen Drehmomentreserven für unkomplizierte Überholmanöver abgerufen werden.

Chrysler betonte außerdem, man habe nie vorgehabt, direkt gegen die deutschen Hersteller anzutreten. Stattdessen soll der 300C als lässige Alternative wahrgenommen werden. Einen bestätigten Preis gibt es noch nicht, doch wenn er bei seiner Einführung im nächsten Jahr nahe der geschätzten 36.000 £ bleibt, könnte genau das gelingen. Man muss ihn sich nur ansehen.

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