Wusstest du, dass in diesem Jahr eines von zehn in Portugal neu verkauften Autos elektrisch war? Das Angebot wächst und wird immer attraktiver – ganz anders als das öffentliche Ladenetz, das noch immer nicht mit den Anforderungen des Marktes Schritt hält. Aber das ist ein anderes Thema.
Zurück zu den Autos: Zwei der spannendsten Neuheiten des Jahres 2020 kommen aus Japan.
Gemeint sind der Mazda MX-30 und der Honda e. Diese beiden für die Stadt konzipierten Elektroautos setzen vor allem auf Design, Verarbeitungsqualität und ihre „Null-Emissionen“.
Wir haben diese beiden Modelle aus drei Gründen zusammengebracht: Beide sind im Premiumsegment positioniert, beide richten ihre „Batterien“ auf den Stadtverkehr und beide kosten mehr als 35.000 Euro. Zudem spielt Design beziehungsweise Stil bei beiden eine zentrale Rolle: beim Honda nostalgisch geprägt, beim Mazda bewusst unkonventionell. Trotz dieser Gemeinsamkeiten könnten die Konzepte von Honda und Mazda kaum unterschiedlicher sein.
Für die Stadt gedacht – und darüber hinaus
Für mich waren es zwei vollständig elektrische Wochen – bei Razão Automóvel wird die Auswahl immer vielfältiger, wir reduzieren CO2. Doch bei zwei Modellen, deren Reichweite pro Ladung nur knapp über 200 km liegt, schienen schwierige Zeiten bevorzustehen. Das war nicht der Fall.
Meine täglichen Wege führen zur Einordnung zwischen Lissabon und dem Südufer, nach Costa da Caparica. Selbst im ungünstigsten Fall, einschliesslich Fahrten zu Terminen ausserhalb des Büros, kommen dabei höchstens 50 km pro Tag zusammen.
Zugegeben: 200 km Reichweite sind nicht das ideale Szenario, erwiesen sich aber als ausreichend. Ich gewöhnte mich daran, mit der Restreichweite recht gelassen umzugehen. Diese Gelassenheit ist allerdings nur möglich, wenn man zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann. Gibt es weder hier noch dort einen Ladepunkt, musst du diesen Text nicht weiter lesen. Elektromobilität ist noch nichts für dich.
Wie du vermutlich weisst, verfügen beide über ein sehr ähnliches Batteriepaket: Lithium-Ionen-Batterien mit 35,5 kWh Kapazität. Im kombinierten WLTP-Zyklus werden für den Honda e 18 kWh/100 km und für den Mazda MX-30 19 kWh/100 km angegeben. An den Tagen mit diesen beiden Elektroautos, die überwiegend in der Stadt oder im Stau stattfanden, erreichte ich beim Honda 15,4 kWh/100 km und beim Mazda 17,9 kWh/100 km.
Mit dem Honda e liess sich die Reichweite einer Ladung sogar auf mehr als 220 km ausdehnen. Bei Elektroautos gilt: Je mehr sie in der Stadt unterwegs sind, desto geringer fällt der Verbrauch aus – anders als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Wegen seiner grösseren Abmessungen kam ich mit dem Mazda MX-30 hingegen nicht auf 200 km Reichweite.
Kurz gesagt: Mit jedem der beiden hätte ich eine Arbeitswoche mit nur zwei Ladevorgängen bewältigen können. Empfehlenswert ist das trotzdem nicht, denn im Alltag gibt es Unvorhergesehenes – und „ein gutes Elektroauto ist ein geladenes Elektroauto“.
Gleiche Batterien, unterschiedliche Charaktere
Obwohl beide Elektroautos für den urbanen Einsatz entwickelt wurden, verfolgen sie unterschiedliche Ansätze. Der Honda e fühlt sich im Stadtzentrum wohler, der Mazda MX-30 eher am Stadtrand. Ein Blick auf beide genügt, um zu verstehen, warum.
Der Honda e ist kompakter, wendiger und lässt sich in engen Bereichen leichter manövrieren. Der Mazda MX-30 lädt aufgrund seiner grösseren Abmessungen und seiner Stabilität dagegen dazu ein, Strecken wie den IC19 oder die A33 zu fahren.
In dieser Disziplin ist der Honda e vielleicht das vollständigere Auto, weil er sowohl in der Stadt als auch ausserhalb gut funktioniert. Beim Platzangebot kippt die Waage jedoch wieder zugunsten des Mazda MX-30. Sein Innenraum bietet mehr Raum, und beim Kofferraumvolumen gibt es kaum einen Vergleich: 366 Liter gegenüber 171 Litern.
Honda e und Mazda MX-30: Leistung im Überfluss
Es sind Elektroautos, denen es keineswegs an Entschlossenheit fehlt, wenn Ampelstarts zu einer Art „Mini-GP von Portugal“ werden. Der Mazda MX-30 erledigt den Sprint von 0 auf 100 km/h in 9,7 s, während der Honda e dafür 8,3 s benötigt.
Der Unterschied erklärt sich durch das geringere Gewicht und die höhere Leistung des Honda e: 155 PS und 355 Nm Drehmoment bewegen 1527 kg, während beim MX-30 145 PS und 271 Nm Drehmoment 1720 kg antreiben. Bei der elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit liegen beide fast gleichauf: 140 km/h beim MX-30 und 145 km/h beim Honda e. Abseits der Zahlen bleibt vor allem der Eindruck, dass in beiden jederzeit genügend Leistung vorhanden ist.
Warum eines dieser beiden Elektroautos wählen?
An diesem Punkt hast du dich wahrscheinlich schon mehrfach gefragt: „Warum sollte ich ein Elektroauto für 35.000 Euro mit nur 200 km Reichweite kaufen, wenn es günstigere Modelle mit grösserer Reichweite gibt?“
Die Antwort ist einfacher, als sie zunächst wirkt. Diese Elektroautos werden den Zugang zur Elektromobilität nicht demokratisieren. Mazda und Honda bieten hier jeweils Nischenprodukte an. Sie richten sich an Käufer, die Verarbeitungsqualität, Liebe zum Detail und Exklusivität höher bewerten als Reichweite – oder für die Reichweite schlicht kein Problem darstellt.
Das wird sofort klar, sobald man in eines der beiden Fahrzeuge einsteigt. Sowohl der Mazda MX-30 als auch der Honda e sind in ihrer Positionierung weit vom Renault Zoe entfernt.
Hinzu kommt der Designfaktor, der beim Honda e besonders stark ausgeprägt ist. Überall, wo wir vorbeikommen, bleiben die Menschen stehen und schauen. Jeden Monat fahre ich Autos, deren Preise mitunter über 200.000 Euro liegen, doch keines zieht so viele Blicke auf sich wie der kleine Honda e.
Der Mazda MX-30 spielt trotz seiner hinten angeschlagenen Fondtüren das gegenteilige Spiel. Er möchte nicht wie ein Elektroauto wirken. Seine gesamte Frontpartie lässt durch ihre Formen vermuten, darunter könnte ein Verbrennungsmotor sitzen – die Plattform entspricht jener von Mazda3 und CX-30. Tatsächlich erhält der MX-30 2022 einen Wankelmotor als Reichweitenverlängerer für die Batterie.
Auch das Fahrerlebnis erinnert kaum an ein Elektroauto. Die Reaktion der Bedienelemente und das allgemeine Gefühl liegen näher an der Welt der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Unternehmen und Aktionen im Blick behalten
Mazda nennt für den Mazda MX-30 First Edition einen Listenpreis von 34.540 Euro, während die Variante Excellence ohne Sonderausstattung 35.250 Euro kostet. Unser Testwagen war etwas teurer (siehe technische Daten).
Dank einer Aktion über 3.000 Euro sinkt der Preis des Mazda MX-30 jedoch auf konkurrenzfähige 29.790 Euro. Für Unternehmen kann der Betrag mit allen steuerlichen Anreizen für Firmen und Einzelunternehmer sogar unter 23.000 Euro fallen. Diese Anreize gelten auch für den Honda e sowie für sämtliche vollelektrischen Fahrzeuge.
Damit werden Elektroautos für Unternehmen zunehmend attraktiver. Für Privatpersonen hingegen gilt, wie der frühere Premierminister António Guterres einmal sagte: „Man muss nachrechnen.“
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen