Die Berechnung der CO₂-Emissionen von Porsche wird künftig nicht mehr innerhalb des Volkswagen-Konzerns erfolgen. Stattdessen bildet der deutsche Hersteller gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen Xpeng einen neuen Emissionspool. Dieser Schritt könnte sowohl Porsche als auch – auf den ersten Blick überraschend – dem Volkswagen-Konzern zugutekommen.
Die Änderung geht aus EU-Unterlagen vom 5. August hervor und gilt für 2026 sowie 2027. Porsche wird den neuen Pool verwalten; er ist offen gestaltet, sodass sich später weitere Hersteller anschließen können.
Warum eine Marke des Volkswagen-Konzerns ihre Emissionsbilanz nun mit Xpeng verknüpfen will, lässt sich nur mit Blick auf die europäischen CO₂-Vorgaben verstehen.
Porsche erschwerte bislang die Bilanz des Volkswagen-Konzerns
Bisher wurden die Emissionen der von Porsche in der Europäischen Union verkauften Fahrzeuge gemeinsam mit denen aller anderen Marken des Volkswagen-Konzerns berechnet. Nach Prognosen von Transport & Environment lag der deutsche Konzern bei der Erfüllung der europäischen Zielwerte bis 2027 an der Grenze.
2025 erreichte der Volkswagen-Konzern beispielsweise einen Durchschnitt von rund 100 g/km CO₂. Der europäische Richtwert für Pkw beträgt 93,6 g/km, auch wenn für jeden Hersteller ein individuelles Ziel gilt. Da die Einhaltung nun anhand des Durchschnitts der Jahre 2025, 2026 und 2027 beurteilt wird, muss der Konzern das Ergebnis von 2025 in den kommenden beiden Jahren ausgleichen.
Genau hier kann es einen spürbaren Unterschied machen, Porsche aus der Berechnung herauszunehmen. Der Hersteller versucht, sich nach einem sehr schwierigen Jahr 2025 zu erholen. Die bislang verfügbaren Zahlen für 2026 geben jedoch wenig Anlass zu Optimismus – insbesondere bei den europäischen Verkäufen von Elektroautos, die entscheidend dafür sind, den Emissionsdurchschnitt zu senken: Sie gehen weiter zurück.
Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Taycan-Verkäufe um etwa 20%, jene des Macan Electric um ungefähr 30%. Wenn weniger Elektroautos die Emissionen der Modelle mit Verbrennungsmotor ausgleichen, wird es schwieriger, den Durchschnitt des Pools zu reduzieren. Mit dem Austritt erhöht Porsche die Bilanz des Volkswagen-Konzerns somit nicht länger.
Was Porsche durch den Xpeng-Emissionspool gewinnt
Auf der anderen Seite steht Xpeng, das in Europa derzeit ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge verkauft. Deren Modelle gehen folglich mit null g/km CO₂ in diese Berechnung ein und senken damit den Durchschnitt des neuen Emissionspools.
Das wird sich mit der Einführung der Range-Extender-Version des neuen L03 ändern. Sie verbindet einen Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor, der als Generator dient. Dennoch wird der Anteil an Elektroautos im Xpeng-Portfolio weiterhin deutlich höher bleiben als bei Porsche.
Diese Differenz kann die höheren Emissionen von Porsche ausgleichen. Im Gegenzug dürfte Xpeng eine finanzielle Vergütung erhalten, wobei die Bedingungen solcher Vereinbarungen nicht veröffentlicht werden.
Dabei handelt es sich nicht um eine neue Strategie. Sogenannte Emissionspools ermöglichen es, mehrere Hersteller bei der Einhaltung der europäischen Zielwerte als eine einzige Einheit zu behandeln.
Für 2026 gibt es beispielsweise einen von Tesla geführten Pool mit Ford, Honda, Mazda und Suzuki. Einen weiteren bilden Mercedes-Benz, Volvo, Polestar und Smart. Solche Abkommen sind besonders wertvoll für reine Elektroautohersteller oder Marken mit einem hohen Elektroanteil, da sie ihre niedrigen Emissionen in zusätzliche Einnahmen umwandeln können.
Warum 2027 für die CO₂-Emissionen entscheidend ist
Die derzeit geltenden EU-Ziele verlangen eine Senkung der durchschnittlichen Emissionen um 15% gegenüber dem Niveau von 2021. Für Pkw gilt zwischen 2025 und 2029 ein europäischer Richtwert von 93,6 g/km CO₂, wobei jeder Hersteller ein eigenes Ziel erfüllen muss.
Ursprünglich sollten diese Vorgaben jedes Jahr einzeln erreicht werden. Nachdem die Verkäufe von Elektroautos schwächer als erwartet gewachsen waren und die Industrie erheblichen Druck ausgeübt hatte, führte die Europäische Union 2025 jedoch eine Flexibilisierung ein: Die Zielerreichung wird nun über den Durchschnitt der Ergebnisse aus 2025, 2026 und 2027 bewertet.
Praktisch bedeutet das, dass eine Überschreitung in einem dieser Jahre nicht automatisch zu einer Geldbuße führt, sofern sie in den übrigen Jahren ausgeglichen wird. Die Gesamtanforderung wurde nicht gesenkt, sondern kann lediglich über einen Zeitraum von drei Jahren erfüllt werden.
Die Sanktionen bleiben allerdings hoch. Am Ende des Zeitraums muss jeder Hersteller, der über seinem Zielwert liegt, 95 Euro für jedes überschrittene g/km und für jedes zugelassene Fahrzeug zahlen.
Bei einem Konzern, der jährlich Millionen Fahrzeuge verkauft, genügt bereits eine vergleichsweise kleine Abweichung, damit sich die Rechnung auf Hunderte Millionen Euro summiert. Für den Volkswagen-Konzern hatte Finanzvorstand Arno Antlitz bereits gewarnt, dass die Nichteinhaltung der Ziele für 2025-2027 zu einer Gesamtbelastung von rund 1,5 Milliarden Euro führen könnte.
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