Seit seiner Markteinführung im Jahr 2010 hat sich der Nissan Leaf weltweit mehr als 500.000-mal verkauft. Allein in Portugal wurde zudem die wichtige Marke von 5000 ausgelieferten Fahrzeugen über zwei Generationen hinweg überschritten.
Zum Jubiläum dieser inzwischen 10-jährigen Erfolgsgeschichte hat Nissan die Sonderedition 10.º Aniversário aufgelegt – und genau diese sind wir bereits gefahren.
Der nächste grosse Schritt in Nissans Elektromobilität soll mit dem Ariya kommen: ein Crossover mit futuristischem Design und bis zu 500 km Reichweite. Bis es so weit ist, bleibt der Leaf jedoch das „Aushängeschild“ der emissionsfreien Modellpalette der japanischen Marke – und wird regelmässig weiterentwickelt, vor allem bei Technik und Sicherheit.
Die jüngsten Detail-Updates liegen rund ein halbes Jahr zurück und sind in der Sonderedition 10.º Aniversário bereits enthalten. Doch in einem derart lebendigen Segment, in dem gefühlt jede Woche neue Elektroautos erscheinen, stellt sich die Frage: Reicht das, damit der Leaf weiterhin in der ersten Reihe mitspielt? Genau das klären wir hier.
Optisch hat sich am Leaf der zweiten Generation – aussen wie innen – nichts getan. Wer sich den Auftritt dieses Stromers noch einmal im Detail anschauen will, kann den früheren Test von Diogo Teixeira zum Leaf e+ 62 kWh nachlesen, in dem Interieur und Exterieur ausführlich gezeigt werden.
Edição 10.º Aniversário: o que muda?
Auch ohne neues Karosseriedesign bringt diese Variante frische Akzente mit. Schliesslich handelt es sich um eine Sonderedition zum 10-jährigen Bestehen, die dem Leaf einen etwas exklusiveren Auftritt verleiht.
Zu den Erkennungsmerkmalen zählen die 17"-Leichtmetallräder mit eigenständigem Design, ein spezielles „10 Jahre“-Emblem an der C-Säule sowie ein eigenes Muster am Dach, an der A-Säule und an der Heckklappe.
Mais tecnologia e mais segurança
Mit dem jüngsten Update bekam der Leaf einen Wi‑Fi-Hotspot an Bord. In Verbindung mit einem Datentarif kann er damit allen Insassen Internetzugang bereitstellen.
Darüber hinaus wurde der Funktionsumfang der App NissanConnect Services erweitert: Über die Anwendung lassen sich nun die Türen ver- und entriegeln, ausserdem können die Intelligent Alerts direkt in der App konfiguriert werden.
Auch bei der Sicherheit hat Nissan nachgelegt. Im Mittelpunkt steht das intelligente Totwinkel-Interventionssystem (IBSI) – serienmässig in allen Versionen – das bei erkannten Gefahren in der Umgebung automatisch bremst, um das Fahrzeug in der Spur zu halten.
Ein besonderes Merkmal des Leaf ist ausserdem die bidirektionale Ladetechnologie V2G (Vehicle To Grid). Sie ermöglicht, Energie in der Batterie zu speichern und später wieder ins Stromnetz zurückzuspeisen – etwa um das eigene Zuhause zu versorgen. Eine interessante Lösung, die den Leaf zu einer zusätzlichen Energiequelle macht.
Muito equipamento…
Beim Nissan Leaf mit 62 kWh-Batterie beginnen die Preise bei 40 550 Euro für die Version E+ Acenta. In der hier betrachteten Variante, dem E+ 10.º Aniversário, geht es etwas höher los – bei 42 950 Euro.
Günstig ist das nicht (anders lässt sich das kaum sagen …). Dafür steht dem ein umfangreiches Serienausstattungspaket gegenüber, das den Gesamtwert dieses Elektroautos spürbar steigert.
Versão mais potente da gama
Als e+ 62 kWh ist der Leaf sowohl die stärkste als auch die reichweitenstärkste Ausführung der Baureihe. Der Nissan-Stromer aus dem C-Segment setzt dabei auf einen vorn montierten Elektromotor mit 160 kW (entspricht 218 PS) sowie eine Lithium-Ionen-Batterie mit 62 kWh, zentral unter dem Innenraum platziert.
Diese Daten sorgen für deutlich bessere Fahrleistungen: 7,3s für den Sprint von 0 auf 100 km/h sprechen für sich. Bei der Höchstgeschwindigkeit bleibt es dagegen bei begrenzten 157 km/h. Nissan nennt ausserdem 385 km elektrische Reichweite nach WLTP.
Gegenüber der Basisversion mit 40 kWh ist der Leistungszuwachs erheblich (plus 68 PS), ebenso der Reichweitengewinn (plus 115 km). Das wirkt sich klar positiv auf das Gesamtpaket aus.
Im Alltag fühlt sich dieser Leaf e+ spürbar lebendiger an: Er reagiert williger und wirkt insgesamt fahraktiver – was ihn am Ende angenehmer zu fahren macht. Mit dem einstufigen Reduktionsgetriebe bleibt die bekannte Sanftheit erhalten (gerade in der Stadt), gleichzeitig sind die Zwischenspurts kräftiger und Überholmanöver gelingen souveräner.
Autonomia é chave
Der eigentliche Trumpf dieser Version ist jedoch die grössere Batterie, die um 22 kWh gegenüber dem Einstiegsmodell zulegt. Dadurch schafft der Leaf e+ ohne grosse Mühe deutlich mehr als 300 km rein elektrisch.
Rund 330 km zwischen zwei Ladevorgängen sind mit diesem Leaf e+ auf gemischten Strecken durchaus realistisch – und das ganz ohne Stress.
Anders formuliert: Wer ein Elektroauto hauptsächlich für die Stadt und den täglichen Weg Wohnung–Arbeitsplatz–Wohnung sucht, kann dank dieser Reichweite den Leaf drei oder vier Nächte nicht laden, ohne am nächsten Tag Gefahr zu laufen, „liegen zu bleiben“.
E os carregamentos?
Ist die Batterie leer, hilft ein Blick auf die Ladezeiten: Der Nissan Leaf e+ lädt von 20% auf 80% an einer 7 kW-Wallbox in etwa 7,5 Stunden. An einer 100 kW-Schnellladestation lassen sich in nur einer halben Stunde rund 160 km Reichweite nachladen.
Wer hingegen an eine Haushaltssteckdose (2,3 kW) denkt, sollte das besser noch einmal überdenken: In diesem Fall benötigt der Leaf e+ für einen vollständigen Ladezyklus mehr als 30 Stunden.
Como se exibe em estrada?
Der Nissan Leaf war nie ein Auto, das für besonders emotionale Fahrdynamik steht. Seine Stärken lagen stets in der geschmeidigen Bedienung und dem spontanen Antritt – Eigenschaften, die viele Elektroautos auszeichnen.
Mit der 62 kWh-Batterie ist der Leaf allerdings schwerer geworden – fast 200 kg, bedingt durch den grösseren Akku. Und das merkt man während der Fahrt.
Das bedeutet nicht, dass der Leaf e+ schlechter zu fahren wäre als die 40 kWh-Version. Trotz insgesamt sehr neutralem Fahrverhalten bleibt die Begeisterung aber aus, auch wenn die Abstimmung der Federung leicht straffer wirkt.
Er vermittelt weiterhin keine besonders intensiven Rückmeldungen am Lenkrad – vor allem dann nicht, wenn man im Eco-Modus unterwegs ist, den ich persönlich empfehle und den man aus meiner Sicht gar nicht erst zur Diskussion stellen sollte.
Das wirkt widersprüchlich, aber die Frage ist berechtigt: Muss ein Elektroauto, das überwiegend in der Stadt genutzt wird, überhaupt begeistern? Natürlich nicht. Der Leaf punktet mit der Laufruhe seines E-Antriebs und mit der unkomplizierten Handhabung. Dabei rückt das e‑Pedal, mit dem sich weitgehend nur über das Fahrpedal fahren lässt, immer stärker in den Mittelpunkt.
Das System macht wirklich Spass und verlangt nur wenig Eingewöhnung, weil alles sehr natürlich wirkt: Nimmt man den Fuss abrupt vom Fahrpedal, setzt die Verzögerung schneller und kräftiger ein; hebt man ihn sanft an, baut sich die Rekuperation deutlich progressiver auf.
É o carro certo para si?
Diese Frage gehört bei unseren Fahrberichten fast schon dazu – und die Antwort ist selten eindeutig. Beim Leaf ist es nicht anders. Er bleibt ein sehr fähiges Elektroauto, und als e+ mit mehr Reichweite und mehr Leistung hat er in allen Bereichen zugelegt. Aber …
Die 385 km Reichweite, die er bietet, werden von einigen Wettbewerbern relativiert (etwa von Elektroautos von Hyundai), die teils sogar noch weiter kommen.
Trotzdem lässt sich der Leaf im Wochenalltag entspannter einplanen – vor allem für alle, die weder zu Hause noch am Arbeitsplatz zuverlässig laden können.
Und dann ist da der Preis, der ohne Aktion hoch ausfällt. Auf der anderen Seite steht eine umfangreiche und hochwertige Serienausstattung, gerade in der von mir getesteten Variante 10.º Aniversário, die dem Modell zusätzlich Exklusivität verleiht.
Für Geschäftskunden gewinnt dieser Nissan Leaf e+ durch die geltenden steuerlichen Anreize deutlich an Attraktivität und bleibt ein Elektroauto, das man weiterhin auf dem Zettel haben sollte.
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