Für das Geld – und als Neuwagen – kommt kaum etwas an diesen Dacia Sandero ECO-G 100 Bi-fuel heran. Ab 13 800 Euro (Ausstattung Comfort) bekommt man einen Kleinwagen, der problemlos als kleiner Familienwagen durchgeht und dabei sehr günstig unterwegs sein kann, weil er mit Autogas (LPG) fährt – der Literpreis liegt, während ich diese Zeilen schreibe, bei weniger als der Hälfte von Super 95.
Hinzu kommt: Viel teurer als die reine Benzinversion ist er nicht. Es sind lediglich 250 Euro Unterschied – und die hat man nach etwas mehr als 4000 km Fahrbetrieb wieder hereingeholt.
Wie wir schon beim Vergleich der Sandero Stepway vor ein paar Monaten festgestellt haben – Benzin vs. LPG –, sehen wir keinen echten Grund, nicht gleich zu den ECO-G-Versionen dieser Modelle zu greifen. Ausnahmen wären höchstens die Verfügbarkeit von Tankstellen oder – vielleicht – schlicht eine Frage des „Geschmacks“.
Der getestete Sandero ECO-G erreicht zwar nicht ganz die gleiche Anziehungskraft wie der nahezu- Crossover Sandero Stepway – der bleibt weiterhin der meistverkaufte und begehrteste Sandero –, dafür ist er auf der anderen Seite günstiger zu haben. Und der Preis ist nach wie vor eines der Argumente, mit denen Dacia am häufigsten „sticht“.
Rechnen wir nach: Rund 1700 Euro liegen zwischen den beiden Modellen – zugunsten des getesteten Fahrzeugs (beide in Comfort, der höchsten Ausstattung). Das entspricht mehr als… 2000 Litern (!) Autogas, was wiederum fast 25 tausend Kilometern entspricht – oder sogar mehr, je nach Strecke und „Schwere des Gasfußes“. Das verdient mindestens einen genaueren Blick…
Mehr Argumente als nur der Preis?
Ganz klar. Mit der dritten Generation hat der Dacia Sandero spürbar an Reife gewonnen. Er kann weiterhin als Low-Cost gelten, ist aber sehr gut „gerüstet“, um sich der Konkurrenz im Segment zu stellen.
Platz gibt es an Bord reichlich (er zählt zu den Geräumigsten), und auch der Kofferraum gehört zu den größeren in dieser Klasse. Der Innenraum ist zwar großteils mit harten, nicht besonders angenehmen Materialien ausgestattet, wirkt aber ordentlich und ausreichend robust montiert – auf einem Niveau, das zu vielen Wettbewerbern passt (es gibt zum Beispiel einige Beschwerden auf Kopfsteinpflaster, aber das unterscheidet ihn nicht grundsätzlich von anderen Angeboten in der Klasse).
Außerdem kommt er bereits mit einer ziemlich umfangreichen Serienausstattung – nicht vergessen: Es handelt sich um die Comfort-Version, also die am besten ausgestattete. Mit dabei sind die obligatorischen Apple CarPlay und Android Auto, Cruise Control, LED-Scheinwerfer sowie Licht- und Regensensoren, dazu mehrere Fahrassistenten. Und die wenigen Optionen, die es gibt, kosten nicht die „Augen im Kopf“.
Was im Innenraum vor allem fehlt, ist das „Feuerwerk“ oder die „Lichtshow“, die manche Konkurrenten im Segment bieten. Das Armaturenbrett des Sandero ECO-G ist zwar ansprechend gezeichnet, doch die eher „graue“ Gestaltung sorgt insgesamt für eine etwas nüchterne Atmosphäre.
In dieser Comfort-Ausstattung helfen einige hellere Stoffbereiche dabei, den Eindruck etwas aufzuwerten – dennoch fehlen Farbakzente, wie sie etwa der Sandero Stepway an den Luftauslässen bietet.
Und am Steuer: Wie fährt er sich?
Genau hier zeigt die dritte Sandero-Generation vielleicht den größten Fortschritt. Die Basis ist solide – sie leitet sich direkt von der CMF-B-Plattform ab, wie sie auch im Renault Clio genutzt wird. Und obwohl das Setup klar auf Komfort ausgelegt ist, fällt er dynamisch im Segment nicht ab.
Auf der Autobahn und in Kurven war er sehr stabil; auch wenn er nicht besonders „unterhält“, bleibt er vorhersehbar und effektiv – mit guter Kontrolle über die Karosseriebewegungen.
Der einzige Kritikpunkt betrifft die sehr leichtgängigen Bedienelemente. In der Stadt kann das ein Vorteil sein, auf der Autobahn hätte man sich jedoch gewünscht, dass zum Beispiel die Lenkung spürbar mehr Widerstand bietet.
Gerade bei höheren Geschwindigkeiten merkt man auch, wo ein Teil der Kosten eingespart wurde: bei der Geräuschdämmung. Ob Windgeräusche (vor allem im Frontbereich) oder Abroll- und Motorgeräusche (auch wenn sie nicht die unangenehmsten sind) – hier setzt sich der Sandero am deutlichsten von seinen Rivalen ab.
Trotzdem: Der Reisekomfort und der willige Motor machen den Sandero zu einem durchaus kompetenten Langstreckenauto – lange Reisen sind kein Grund zur Sorge…
Ah… der Motor. Obwohl er „nur“ 100 PS hat, ist der ECO-G der stärkste Sandero, den man kaufen kann; die anderen Sandero nur mit Benzin nutzen denselben 1.0 TCe, leisten aber lediglich 90 PS.
Der aufgeladene Dreizylinder war eine positive Überraschung: Er wirkt in jedem Drehzahlbereich souverän – selbst, wenn man die Drehzahl bis zum Leistungsmaximum (5000 rpm) ausdreht. „Ampelrennen“ gewinnt man damit nicht, aber an Durchzug mangelt es nicht, um den Sandero zügig und sicher zu bewegen.
Auf der anderen Seite zeigte er einen „großen Appetit“. Beim Fahren mit Autogas liegen die Verbräuche grundsätzlich immer über Benzin (10-15%), doch beim Sandero ECO-G wirken die in vielen Fahrsituationen gemessenen über 9,0 l übertrieben und unerwartet. Als der Sandero Stepway ECO-G (aus dem Vergleich) bei Razão Automóvel war, lag er zum Beispiel problemlos um 1-1,5 Liter pro 100 km niedriger.
Möglicherweise hängen die hohen Werte mit der fehlenden Einfahrphase des Testwagens zusammen – er kam mit etwas mehr als 200 km auf dem Tacho zu mir. Angesichts der Spritzigkeit des Motors würde man ihm so wenige Kilometer nicht ansehen, aber es hätten mehr Testtage und deutlich mehr Kilometer gebraucht, um dieses Thema zweifelsfrei zu klären – dafür gab es keine Gelegenheit.
Ist das das richtige Auto für mich?
Es ist schwer, den Dacia Sandero ECO-G nicht zu empfehlen, wenn man einen Kleinwagen sucht – er ist ohne Zweifel das Modell, das dem Begriff in dieser Klasse am meisten gerecht wird – und der zugleich als kleiner Familienwagen erstaunlich gut „durchgeht“.
Er spricht subjektiv vielleicht nicht so stark an wie manche Konkurrenten. Betrachtet man jedoch, was er bietet und wie er sich schlägt, ist er objektiv deutlich näher an ihnen dran (in mehreren Punkten genauso gut oder besser), als es die Tausenden Euro Abstand vermuten lassen.
Die LPG-Variante bleibt beim Sandero (wenn möglich) die „richtige Wahl“. Sie senkt nicht nur die Kraftstoffrechnung, sondern liefert dank der zusätzlichen 10 PS sogar (leicht) bessere Fahrleistungen – und das passt gut zu seinen insgesamt sehr ordentlichen Qualitäten als Reiseauto.
Korrigiert am 19. August um 20:33: Die Angabe zur Autogas-Tankkapazität wurde von 32 l auf 40 l berichtigt.
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