Der Peugeot 2008 lässt sich wegen Design und Gesamteindruck leicht empfehlen. Ob daraus wirklich ein guter Kauf wird, entscheidet jedoch oft die Wartungshistorie.
Der Peugeot 2008 gilt in Portugal als Erfolgsgeschichte: 2021, 2022 und 2023 war er dort das meistverkaufte Auto, blieb in den Folgejahren auf dem Podium und führt nach dem ersten Halbjahr 2026 den nationalen Markt erneut an.
Für alle, die einen gebrauchten 2008 suchen, ist das grundsätzlich ein Pluspunkt: Es stehen viele Fahrzeuge zum Verkauf. Allerdings sind nicht alle gleich interessant – vor allem wegen der Wartungshistorie bei Varianten mit dem 1.2 PureTech.
In diesem Kaufleitfaden geht es um den Peugeot 2008 der zweiten Generation, vorgestellt 2019 bis zum Update 2023. Die am häufigsten anzutreffende Motorisierung ist zugleich die, bei der am meisten Vorsicht geboten ist: der 1.2 PureTech-Benziner mit 100 PS oder 130 PS.
Auf der Piscapisca.pt-Seite bei Razão Automóvel ist das Angebot sehr groß: rund 1500 Inserate, verteilt auf beide Generationen. Wir haben Fahrzeuge zwischen 11.900 Euro und 24.500 Euro gefunden.
Wuchs in den Ansprüchen
Optisch hat Peugeot beim 2008 einen Treffer gelandet. Die Proportionen wirken deutlich SUV-typischer als bei der ersten Generation, die Front ist durch die leuchtenden „Zähne“ geprägt, und auch das Heck ist anhand seiner Lichtsignatur schnell wiederzuerkennen. Besonders attraktiv sind die Ausstattungen Allure, Allure Pack, GT Line und GT.
Mit etwa 4,30 m Länge, 1,77 m Breite und 2,61 m Radstand rückt er von den Abmessungen her näher an das nächsthöhere Segment. Der Kofferraum ist mit 434 Litern angegeben – ein starker Wert in dieser Klasse.
Das Facelift zur Modellpflege kam 2023, doch die für diesen Guide relevanten Gebrauchtwagen sind überwiegend die Vor-Facelift-Modelle bis 2023.
Bei der Außenkontrolle lohnt ein genauer Blick auf den Zustand der LED-Scheinwerfer, Parksensoren, Rückfahrkamera und Felgen.
i-Cockpit spaltet weiterhin
Im Innenraum setzt der Peugeot 2008 auf eine seiner wichtigsten Eigenheiten: das i-Cockpit. Das kleine Lenkrad, das hoch platzierte Kombiinstrument und – bei besser ausgestatteten Versionen – die digitale 3D-Instrumentierung sorgen für ein Ambiente, das sich stärker abhebt als bei vielen Konkurrenten.
Trotzdem gilt: Vor dem Kauf unbedingt Probe fahren. Das i-Cockpit passt nicht zu jedem Fahrer. Je nach Körpergröße und Sitzposition kann das Lenkrad Teile des Kombiinstruments verdecken.
Die wahrgenommene Qualität ist sehr gut, auch wenn in unteren Bereichen und an den hinteren Türen harte Kunststoffe zum Einsatz kommen – in diesem Segment nichts Ungewöhnliches. Prüfen Sie Abnutzung an den Touch-Bedienelementen, die Funktion des Zentraldisplays, Apple CarPlay/Android Auto, die Klimaanlage sowie mögliche Klapper- oder Knarzgeräusche an der Mittelkonsole.
Der 1.2 PureTech: das Beste und das Schlechteste am Peugeot 2008
Zuerst die positiven Seiten: Der 1.2 PureTech-Dreizylinder ist in vielerlei Hinsicht ein gelungener Motor. Er spricht lebhaft an, ist leicht und lässt den 2008 agiler wirken als manche Wettbewerber. In der 130-PS-Version liefert er zudem genügend Reserven für Landstraße und Autobahn.
Auch das Fahrgefühl zählt zu den Stärken. Die Lenkung ist leichtgängig, das Auto lässt sich unkompliziert in Kurven bewegen, und der Komfort ist überzeugend abgestimmt. An die Präzision eines Ford Puma reicht er nicht heran, wirkt dafür komfortabler und stärker gedämpft. Allradantrieb gibt es ebenfalls nicht – unabhängig von der „abenteuerlichen“ Optik bleibt es bei Frontantrieb.
Bis 2023 bestand die 1.2-PureTech-Palette im Peugeot 2008 vor allem aus zwei Varianten: 100 PS als rationalere Ausführung, typischerweise mit Handschaltung, und 130 PS, je nach Baujahr und Version mit Handschaltung oder 8-Gang-Automatik EAT8. Zusätzlich gab es noch eine 155-PS-Variante, die seltener ist und als Gebrauchtwagen weniger Gewicht hat.
Die 100-PS-Version passt besser zum Stadtbetrieb. Sie ist nicht träge, aber unter Last – etwa voll beladen oder bei viel Autobahnanteil – spürt man, dass sie arbeiten muss. Die 130-PS-Ausführung ist der ausgewogenere Antrieb: mit 230 Nm, mehr Nachdruck bei niedrigen und mittleren Drehzahlen und einer sehr stimmigen Kombination mit der EAT8-Automatik.
Beim Verbrauch sollten Sie mit realistischen Durchschnittswerten (Quelle: Spritmonitor.de) von 6,3–6,4 l/100 km für die 1.2 PureTech mit 100 PS und 130 PS in Verbindung mit Handschaltung rechnen. Die 130-PS-Modelle mit Automatik liegen typischerweise um 0,8 Liter bis 1 Liter darüber.
Das PureTech-Problem
Das größte Risiko beim Peugeot 2008 1.2 PureTech sitzt im Motor: die im Öl laufende Zahnriemensteuerung. Die technische Idee dahinter klang plausibel – weniger Reibung, weniger Geräusche und geringerer Verbrauch.
In der Praxis kann sich der Riemen bei vielen PureTech-Motoren jedoch vorzeitig zersetzen. Dann gelangen Partikel in das Öl, was die Schmierung beeinträchtigen und Ölkanäle zusetzen kann – betroffen sein können dabei auch Bauteile wie die Unterdruckpumpe der Bremsanlage.
Die bekanntesten Symptome drehen sich um erhöhten Ölverbrauch und eine frühzeitige Riemenalterung. Laut Stellantis waren besonders Einheiten aus dem Zeitraum zwischen April 2014 und Juni 2022 betroffen; Motoren, die nach diesem Zeitpunkt produziert wurden, sollen bereits Verbesserungen enthalten.
Damit gilt: Ein Peugeot 2008 1.2 PureTech aus 2020, 2021 oder Anfang 2022 verlangt mehr Vorsicht als ein Fahrzeug, das nach Juni 2022 gebaut wurde. Gleichzeitig bleibt auch bei den neueren Exemplaren die Grundregel identisch: nur kaufen, wenn die Wartungshistorie vollständig und überprüfbar ist.
So schützen Sie sich vor dem Kauf
Bevor Sie eine Anzahlung leisten, lassen Sie sich die VIN geben. Damit können Sie auf der Peugeot-Website prüfen, ob offene technische Kampagnen existieren, und die Angaben zusätzlich bei einem autorisierten Betrieb gegenchecken. Peugeot stellt selbst eine Seite zur VIN-Prüfung bereit und weist darauf hin, dass diese Maßnahmen kostenlos sind.
Im nächsten Schritt verlangen Sie Rechnungen der Inspektionen. Entscheidend sind nachvollziehbare Termine, Kilometerstände, das verwendete Öl und die Werkstatt. Dieser Motor verzeiht keine überzogenen Intervalle, falsches Öl oder unklare Wartung.
Bei einer Kaufprüfung sollte der Zustand des Riemens über den Öleinfüllstutzen kontrolliert werden – idealerweise mit geeignetem Messwerkzeug. Wenn Risse, Ausfransungen, Aufquellen oder eine geringere Riemenbreite erkennbar sind, ist der Kauf nur sinnvoll, wenn der Riemenwechsel dokumentiert ist und zusätzlich eine Reinigung/Prüfung des Ölkreislaufs erfolgt ist.
Was hat der Hersteller unternommen?
Peugeot bzw. Stellantis reagierten mit mehreren Maßnahmen: technischen Updates, engmaschigerer Überwachung des Riemenzustands, einer erweiterten Abdeckung sowie einer Entschädigungsplattform für Kunden, die Reparaturen im Zusammenhang mit dem Problem bereits bezahlt hatten.
Peugeot Portugal nennt eine spezielle Abdeckung für betroffene PureTech-Motoren mit erhöhtem Ölverbrauch oder vorzeitigem Riemenverschleiß: 100% der Teile- und Arbeitskosten bis zu 10 Jahren oder 180.000 km, abhängig von Bedingungen und der Einhaltung des Wartungsplans. Zusätzlich bietet die Marke für geeignete Gebrauchtwagen das Check+-Zertifikat an, das genau diese Sonderabdeckung bestätigt.
Für Gebrauchtwagenkäufer ist das ein Schlüsselfaktor: Ein Peugeot 2008 1.2 PureTech mit Check+-Zertifikat, nachweisbaren Inspektionen und erledigten Kampagnen ist eine völlig andere Ausgangslage als ein Fahrzeug ohne klaren Historiennachweis.
Was kostet ein gebrauchter Peugeot 2008
Bei Pisca Pisca fanden wir ein sehr breites Angebot an Peugeot 2008 – mit Preisen von unter 12.000 Euro bis knapp 25.000 Euro. Eine von MotorCV und Piscapisca.pt bereitgestellte Grafik hilft, die Preisentwicklung des 2008 über die Zeit besser einzuordnen. Wenn Sie jetzt kaufen, wissen Sie, womit Sie rechnen können:
Beim Peugeot 2008 funktioniert die Kauflogik etwas anders als bei vielen anderen Modellen. Die entscheidende Frage sollte weniger „Was ist am günstigsten?“ sein, sondern eher „Was ist am besten dokumentiert?“.
Kosten und Wartung
Die regulären Unterhaltskosten des Peugeot 2008 sind insgesamt vernünftig – die Zahnriemenarbeit muss bei diesem Motor jedoch als kritischer Punkt betrachtet werden.
Aus diesem Grund hat Peugeot die Wartungspläne für den PureTech angepasst. Die aktuelle, sichere Empfehlung lautet: Riemenwechsel alle 100.000 km oder alle sechs Jahre (je nachdem, was zuerst eintritt). Vorbeugend wird außerdem empfohlen, bei jeder Inspektion den Riemenzustand über den Öleinfüllstutzen zu kontrollieren und bei erkennbarer Abnutzung bereits bei 60.000 km oder 80.000 km vorsorglich zu tauschen.
In einer Peugeot-Vertragswerkstatt kann der Zahnriemenwechsel zwischen 800 Euro und 1200 Euro kosten. Außerhalb der Marke – bei freien oder spezialisierten Werkstätten – sollten Sie mit 400 Euro bis 900 Euro rechnen.
Der Peugeot 2008 war zudem Gegenstand mehrerer Rückrufaktionen („recall“). Weitere Details finden Sie im Bericht von MotorCV:
Welchen Peugeot 2008 wir wählen
Unsere Wahl ist der Peugeot 2008 1.2 PureTech 130 Allure Pack. Der 130-PS-Motor fährt sich spürbar angenehmer als die 100-PS-Version, ohne den Verbrauch stark zu verschlechtern. Beim Getriebe hängt es vom Einsatzprofil ab: Handschaltung bringt meist niedrigere Verbräuche, vor allem in der Stadt. Die Automatik passt besser, wenn der Schwerpunkt auf Überland- und Autobahnfahrten liegt.
Zusätzlich empfehlen wir Fahrzeuge, die nach Juni 2022 produziert wurden, um das Risiko zu reduzieren – auch wenn das in der Regel einen höheren Kaufpreis bedeutet.
Die Ausstattung Allure Pack bietet aus unserer Sicht das beste Verhältnis aus Ausstattung, Preis und Optik. Der GT wirkt attraktiver, ist aber meistens teurer. Der Active reicht aus, nimmt dem Modell jedoch etwas von seiner Strahlkraft. Gerade hier gilt erneut: Die Fahrzeughistorie bleibt das wichtigste Kriterium für Ihre Entscheidung.
Außerhalb des Zeitfensters 2019–2023 – und wenn das Budget es zulässt – lohnt außerdem ein Blick auf den neueren Peugeot 2008 Hybrid 136, der bereits mit der neuen Generation des 1,2-Liter-Motors samt 48-V-Elektrifizierung und e-DCS6-Getriebe kombiniert wird.
Er ist teurer, dafür entfällt das Problem des im Öl laufenden Zahnriemens, da stattdessen eine Steuerkette eingesetzt wird.
Alternativen am Markt
Als Alternativen zum Peugeot 2008 ist der Renault Captur 1.0 TCe/1.3 TCe möglicherweise der direkteste Gegenspieler: Er wirkt familienorientierter, bietet eine verschiebbare Rückbank und setzt stark auf Vielseitigkeit. Zudem gibt es eine Bifuel-Option (Benzin/LPG), um die Kraftstoffkosten zu senken.
Der Ford Puma 1.0 EcoBoost Hybrid ist die Empfehlung für alle, die mehr Wert auf Fahrspaß legen: Er ist wendiger, lebendiger und hebt sich mit der MegaBox unter dem Kofferraumboden weiterhin durch eine praktische Segmentlösung ab.
Der SEAT Arona 1.0 TSI bleibt fahraktiv, ist insgesamt aber nüchterner: außen weniger auffällig und innen weniger anspruchsvoll, dafür praktisch, effizient und meist günstiger.
Der Toyota Yaris Cross Hybrid ist wiederum die Wahl für alle, die Risiken möglichst minimieren möchten: Auf der Straße wirkt er nicht so souverän, dafür ist er in der Stadt sehr stark, verbraucht wenig und profitiert vom Zuverlässigkeitsruf von Toyota. Beim Platzangebot muss er sich allerdings dem 2008 geschlagen geben.
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