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Neue Studie: Autonome Lkw könnten die Frachtkosten in den USA um 35 Prozent senken

Lkw mit Anhänger auf Autobahn, Mann mit Laptop überprüft Verkehrsdaten am Straßenrand.

Nahezu jeder Gegenstand, den Menschen in den USA kaufen, steht irgendwann auf der Ladefläche eines Lkw. Was der Transport kostet, prägt damit Preise, Handelsströme und auch die Frage, wo Unternehmen sich ansiedeln.

Selbstfahrende Lkw könnten dieses Gefüge durcheinanderbringen. Einer neuen Studie zufolge könnte autonomer Güterverkehr die Frachtkosten in den Vereinigten Staaten um rund 35 Prozent senken – doch die Vorteile würden sich nicht gleichmässig verteilen.

Je nach Bundesstaat und Branche fielen die Zugewinne sehr unterschiedlich aus; zugleich könnten sich die Verkehrsströme verschieben und damit verändern, welche Autobahnen und Fernstrassen die grössten Lasten tragen.

Indem der Fahrer aus der Kabine verschwindet, so die Forschenden, könnte sich am Ende sogar die wirtschaftliche Landkarte der USA neu zeichnen.

Die Kosten im Lkw-Transport senken

Im Zentrum der Analyse steht diese Zahl: 35 Prozent. Dass Lkw-Transporte so teuer sind, liegt zu einem grossen Teil an der Person am Steuer – Löhne, Sozialleistungen und vor allem bundesweite Vorgaben, wie lange jemand überhaupt legal fahren darf. Autonome Lkw würden diese Zeitbegrenzung faktisch aushebeln.

Ein Mensch muss schlafen, und Vorschriften begrenzen die Schicht. Eine Maschine nicht: Sie kann nachts weiterfahren und sich konsequent an die direkteste Route halten. Aus diesen zusätzlichen Einsatzstunden speist sich ein grosser Teil der erwarteten Einsparungen.

Der Erstautor der Studie, Taejun Mo, Doktorand im Bereich Agrar- und Konsumentenökonomik an der University of Illinois Urbana-Champaign (UIUC), stützte die Schätzung auf zwei Jahrzehnte föderaler Frachtstatistiken.

Die Datensätze erfassten, was jeder Bundesstaat zwischen 1997 und 2017 an jeden anderen Bundesstaat verschickte. Der Effekt ist dabei mehr als ein blosses „Rabattieren“ von Transportkosten.

„Selbstfahrtechnologie hat das grosse Potenzial, die wirtschaftliche Geografie der USA neu zu schreiben – und genau das wird neue Gewinner und Verlierer schaffen“, sagte Mo.

Ausgehend von den historischen Daten bestimmte das Team, wie stark sich der Handel zwischen zwei Bundesstaaten verändert, wenn sich Transportkosten verschieben. Anschliessend senkten sie diese Kosten im Modell entsprechend.

Eine separate Auswertung zu Betriebsabläufen fahrerloser Lkw kam in eine ähnliche Grössenordnung: pro Meile lagen die Einsparungen demnach bei ungefähr 25 bis 36 Prozent.

Ein sehr ungleichmässiger wirtschaftlicher Umbruch

Dass selbstfahrende Lkw insgesamt Geld sparen können, galt in der Forschung schon länger als wahrscheinlich. Mo und sein Team verfolgten jedoch ein engeres Ziel: sichtbar zu machen, wo sich die Ersparnisse ballen – und wo sie vergleichsweise wenig ankommen.

Der Grund liegt auch in der Produktionsstruktur: Jeder Bundesstaat stellt eine andere Mischung an Gütern her und verkauft sie über unterschiedliche Distanzen. Genau deshalb konzentrieren sich die Effekte.

Die grössten prozentualen Zugewinne entstehen im südzentralen Teil der USA sowie im Mittleren Westen, wo der zwischenstaatliche Handel im Verhältnis zur Grösse der jeweiligen lokalen Wirtschaft besonders stark zulegen könnte.

Mississippi führt diese Gruppe an. In der Simulation steigt der zwischenstaatliche Handel dort um einen Wert, der etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Florida liegt dagegen nahe am Ende der Skala bei knapp 6 Prozent.

In absoluten Dollarbeträgen kehrt sich die Reihenfolge um: Grosse Volkswirtschaften wie Texas und New York weisen dann die höchsten Gewinne aus.

Die neu gezeichnete Karte schafft damit nicht nur Gewinner und Verlierer unter Branchen, sondern ebenso unter Regionen.

„Wenn eine bestimmte geografische Region in der Zeit vor autonomen Lkw ein grosses Transportdrehkreuz war, ist es möglich, dass sie in Zukunft kein grosses Drehkreuz mehr sein wird“, sagte Mo.

Manche Güter profitieren deutlich stärker

Ein günstigerer Transportkilometer wirkt sich nicht bei jedem Produkt gleich aus. Am meisten profitieren jene Waren, bei denen Frachtkosten einen grossen Anteil am Endpreis ausmachen.

Sinken die Versandkosten, verändert sich der Preis „frei Haus“ entsprechend stärker. Das trifft vor allem schwere, vergleichsweise geringwertige Ladung – also Güter, bei denen die Kosten fürs Fahren im Extremfall in die Nähe des Warenwerts selbst kommen.

Bei motorisierten Fahrzeugen, verpackten Konsumgütern und Elektronik zeigen sich die grössten Sprünge beim Handelswert; hinzu kommen Produkte, die eng an regionale Lieferketten gekoppelt sind.

Damit reichen die Vorteile deutlich über Agrargüter und Rohstoffe hinaus – was zu Beginn keineswegs sicher war.

Frühere Arbeiten zum fahrerlosen Gütertransport kamen zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Technologie verändert eher, wo Waren entlanglaufen, als wie viel davon insgesamt bewegt wird.

Günstigere Fracht hat ihren Preis

Billigere Routenplanung hat eine materielle Kehrseite. Wenn sich Lkw auf dieselben schnellsten Korridore konzentrieren, nutzen sich diese Strassen schneller ab und könnten höhere Reparaturbudgets erfordern.

Umgekehrt könnten Strecken, die künftig gemieden werden, durch geringere Nutzung vernachlässigt werden und entsprechend verfallen.

Auch diese Belastung wäre ungleich verteilt. Ein begleitendes Papier aus derselben Forschungsgruppe identifizierte Abschnitte des nationalen Strassennetzes, über die bereits heute besonders viel Handel läuft.

Wenn sich Verkehrsflüsse weiter bündeln, würden genau diese Strassen den Hauptdruck tragen.

Der zweite Preis betrifft Menschen. Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer sowie die Mechanikerinnen und Mechaniker, die die Zugmaschinen und Auflieger am Laufen halten, stellen einen grossen Teil des Arbeitsmarktes – und durch Automatisierung geraten diese Jobs unmittelbar in Gefahr.

Die Studie bewertet das als Übergang, der aktiv gestaltet werden muss, nicht als reinen Nettogewinn.

„Fahrer und Mechaniker, die sich zuvor für ihre Karriere auf die Lkw-Transportbranche verlassen haben, müssen weiterqualifiziert und umgeschult werden – andernfalls riskieren sie, abgebaut und verdrängt zu werden“, sagte Mo.

Die wirtschaftliche Landkarte der USA könnte sich verschieben

Der Beitrag der Studie ist vor allem der Blick in die Tiefe: Bundesstaat für Bundesstaat, Sektor für Sektor – statt nur eine Gesamtzahl für das ganze Land.

Denn günstigere Lkw-Transporte heben den Handel nicht einfach überall gleichermassen an. Sie zeichnen die Karte neu und begünstigen einige Staaten und Branchen deutlich stärker als andere.

Damit erhalten Planerinnen und Planer einen konkreten Ansatzpunkt. Verkehrsbehörden könnten Instandhaltungsbudgets gezielt auf Korridore ausrichten, die voraussichtlich mehr Verkehr aufnehmen.

Auch Bundesstaaten könnten frühzeitig erkennen, welche ihrer Industrien voraussichtlich profitieren – und wo Wettbewerbsnachteile entstehen –, bevor autonome Lkw im grossen Stil unterwegs sind.

Für jene, deren Einkommen am heutigen System hängt, bleibt der Zeitpunkt entscheidend. Die Gewinne werden nicht gleich verteilt sein.

„Die Auswirkungen autonomer Lkw-Technologie werden für viele vorteilhaft sein – aber ganz sicher nicht für alle“, sagte Mo.

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