Manche Bauteile am Auto bleiben optisch leicht im Hintergrund – Bremssättel gehören meistens dazu. Das hat nichts mit ihrer Bedeutung zu tun, sondern eher mit der Wahrnehmung: Wenn wir vor einem Fahrzeug stehen, sind sie selten das erste Detail, auf das der Blick fällt.
Bei Nissan sind Bremssättel jedoch deutlich mehr als reine Mechanik. Sie dienen fast als „Visitenkarte“ des jeweiligen Modells.
Wer die Farbgebung – und sogar die Anzahl der Kolben – richtig zu deuten weiss, erkennt oft auf den ersten Blick, ob es sich um ein alltagstaugliches Fahrzeug, einen Sportler oder um eine der kompromisslosesten Varianten der Marke handelt.
Von silbernen Sätteln in den Volumenmodellen bis zu goldenen Sätteln bei den carbokeramischen Bremsen der extremsten Versionen: Jede Farbe hat ihre eigene Aussage – und keine ist zufällig gewählt.
Silber ist die Farbe des „Volks“
Silberne Bremssättel sind am häufigsten anzutreffen. Sie stecken in den meisten Nissan, die auf unseren Strassen unterwegs sind – Fahrzeuge, die primär für den Alltag entwickelt wurden, vom Best-seller Qashqai bis zum kürzlich vorgestellten Leaf, den wir bereits fahren konnten.
Bei diesen Modellen ist die Bremsanlage nicht für dauerhafte Hochlast oder besonders sportliche Fahrweise ausgelegt. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf Komfort – bei einer Leistung, die für den täglichen Einsatz vollkommen ausreicht.
Rot steht für leistungsstärkere Modelle
So unauffällig Silber wirkt, so deutlich wird das Signal in Rot. Diese Lackierung verbinden viele mit Fahrzeugen, deren Ziel nicht mehr nur darin besteht, uns von „A“ nach „B“ zu bringen, sondern das Fahrerlebnis spürbar intensiver zu machen.
Bei Nissan folgt Rot derselben Logik: Rote Bremssättel kennzeichnen Bremsanlagen für High-Performance-Modelle, etwa beim Nissan Z Performance. Das japanische Coupé nutzt ein Akebono-System mit vorderen Vierkolben- und hinteren Zweikolben-Sätteln aus Aluminium.
Im Vergleich zum Nissan Z unterscheidet sich der Z Performance ausserdem durch grössere Bremsscheiben mit Aluminiumtopf: Statt 12,6″ (ca. 320 mm) vorne und 12,1″ (ca. 307 mm) hinten kommen 14″ (ca. 356 mm) vorne und 13,8″ (ca. 351 mm) hinten zum Einsatz.
Doch selbst innerhalb von Rot gibt es noch eine Stufe darüber. In der Topversion NISMO bleiben die Bremssättel des Nissan Z zwar rot, wirken jedoch in einem deutlich kräftigeren Ton.
Das ist nicht nur Optik: Zum Einsatz kommen ein spezieller Lack und Klarlack, die für höhere Temperaturen entwickelt wurden – und sie arbeiten mit vorderen 15″-Scheiben (ca. 381 mm) zusammen, die direkt von den im GT-R verwendeten Komponenten abgeleitet sind.
Brembo entschied sich für Gold
Wer in der Hierarchie weiter nach oben schaut, landet bei goldenen Bremssätteln. Bevor Nissan in seinen besonders leistungsstarken Modellen auf Akebono-Systeme setzte, arbeitete die Marke mit Brembo zusammen.
Aus dieser Kooperation gingen die ikonischen goldenen Sättel hervor. Ihren ersten Auftritt hatten sie 1999 im legendären Skyline GT-R (R34) – und sie entwickelten sich schnell zu einem der bekanntesten Erkennungsmerkmale der High-Performance-Modelle des Herstellers aus Yokohama.
Später fanden sie auch ihren Weg in den Nissan 350Z Track Edition und tauchten erneut im GT-R (R35) auf, dort kombiniert mit Sechskolben-Sätteln vorne und Vierkolben-Sätteln hinten.
Gelb kennzeichnet die „wildesten“ Nissan
Wenn Ihnen ein Nissan mit gelben Bremssätteln begegnet, stehen die Chancen gut, dass es sich um eines der extremsten Fahrzeuge handelt, die Nissan je gebaut hat. Vermutlich war dabei nicht der Bremssattel das Detail, das zuerst auffiel – sondern die gesamte aggressive Optik des Modells.
Diese Farbe ist den carbokeramischen Bremsanlagen vorbehalten, die für intensive Einsätze auf der Rennstrecke entwickelt wurden. Neben einer besonders hohen Verzögerungsleistung zeichnen sie sich durch sehr grosse Fading-Resistenz aus – selbst nach mehreren Runden am Stück – und sind zudem deutlich leichter als ein konventionelles System.
Sogar die dafür verwendete Lackierung ist darauf ausgelegt, Temperaturen von über 1000 °C standzuhalten. Entsprechend überrascht es nicht, dass diese Bremssättel den radikalsten GT-R-Versionen vorbehalten waren, insbesondere Track Edition und NISMO.
Ausnahmen von der Regel
Wie bei jeder Regel gibt es auch hier Ausnahmen. Obwohl diese Hierarchie klar definiert ist, räumt Nissan selbst ein, dass nicht jedes Modell strikt danach vorgeht. Der exklusive GT-R50 by Italdesign setzte beispielsweise auf rote Brembo-Bremssättel statt der klassischen goldenen. Der Z Proto Spec wiederum nutzte gelbe Akebono-Sättel, obwohl er keine carbokeramischen Scheiben einsetzt.
Trotzdem bleibt das Grundprinzip erhalten: Bei Nissan ist die Farbe der Bremssättel nie nur eine Stilfrage gewesen, sondern ein unauffälliger – aber wirksamer – Hinweis darauf, wozu das jeweilige Modell in der Lage ist.
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