Nach BMWs Paukenschlag mit dem wegweisenden iX3 – einem TG Auto des Jahres – und dem anschliessend nachgeschobenen, sehr gelungenen i3 als Limousine kontert Mercedes nun: Auf den GLC Electric folgt dieses Modell – die allererste batterieelektrische Mercedes-Benz C-Klasse.
Reichweite der elektrischen Mercedes-Benz C-Klasse: 473 Meilen bleiben das Gesprächsthema
Für viele von euch ist die wichtigste Zahl die Reichweite, denn … sie liegt weiterhin unter der des BMW. Mercedes nennt bis zu 473 Meilen (rund 761 km) aus einer Akkuladung, gespeist aus einer 94-kWh-Batterie. Wer sich mit E-Autos auskennt, wird sofort anmerken: Dieses Akku-Paket ist kleiner als das, was München in den i3 hineingepackt hat.
Design der Mercedes-Benz C-Klasse (Elektro): neue Linie, vertraute Verwandtschaft
Für alle anderen steht eine andere Überschrift im Raum: die Optik. Die elektrische C-Klasse trägt die jüngste Ausbaustufe der Mercedes-Designsprache. Der Hersteller selbst spricht von einer „coupéartigen Silhouette“ und einem „ausdrucksstarken GT-Heck“, was in Summe „Eleganz mit beeindruckendem Charisma“ ergebe.
Aerodynamisch ist das Auto auf jeden Fall – und die Familienähnlichkeit ist ebenfalls da, denn im Grunde wirkt es wie ein kompakterer, stärker geschwungener GLC Electric. Dass Mercedes seine Technik gern sichtbar macht, zeigt sich auch vorne: Nicht weniger als 1.050 leuchtende Punkte dominieren den neuen Kühlergrill.
Innenraum & MBUX: Hyperscreen oder Superscreen
Im Interieur zieht (optional) der MBUX Hyperscreen die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem, weil er … riesig ist. Genau genommen ein 99,3-cm-Display (39,1 Zoll) in hoher Auflösung über die komplette Breite des Innenraums, inklusive Hintergrundbeleuchtung und 1.000+ LEDs. Es ist der grösste Bildschirm, der je in einer Mercedes C-Klasse verbaut wurde – und ja, da stimmen wir zu.
Alternativ gibt es den MBUX Superscreen: im Vergleich eine deutlich kleinere Lösung, bei der drei Anzeigen unter einer Glasfläche zu einer Einheit „zusammengeklebt“ sind. Beide Systeme lassen sich selbstverständlich umfangreicher konfigurieren, als man es vermutlich jemals braucht – immerhin bleibt der Zugriff auf die Temperaturregelung dauerhaft erhalten.
KI, Navigation und Assistenz: „Multi-Agent-Ansatz“ und 27 Sensoren/Kameras
Dauerhaft an Bord ist auch KI – beziehungsweise gleich alles, was man an KI bekommen kann. Ähnlich wie der Rest der Welt hat Mercedes offenbar nie Terminator gesehen und packt ChatGPT-4o, Microsoft Bing und Google Gemini in die neue C-Klasse, und zwar in einem „Multi-Agent-Ansatz“. Mercedes sagt, dass drei KI-Dienste sich besser an jede eurer Anforderungen anpassen könnten – und es dadurch deutlich einfacher werde, dass das Auto nach eurer Kleidung, euren Stiefeln und eurem Motorrad fragt.
Unabhängig davon gibt es sehr willkommene Technik: eine 3D-Augmented-Reality-Navigation, übernommen aus der S-Klasse und dem EQS. Dazu kommen serienmässig eine Abstandsregelung, eine ganze Phalanx an Sensoren und Kameras (27!) sowie optionaler Spurwechsel- und Fahrassistent – im Kern also ein Stück zusätzliche Hilfe beim (teil-)automatisierten Fahren.
Antrieb, Rekuperation und Fahrwerk: sportlichste C-Klasse – sagt Mercedes
Apropos Fahren: Es ist am Ende immer noch ein Auto und nicht bloss ein verchromtes Tablet mit Mercedes-Stern. Wie schon beim GLC wirbt Mercedes mit „S-Klasse-ähnlichem Fahrkomfort“, behauptet aber gleichzeitig, diese neue elektrische C-Klasse sei die sportlichste C-Klasse, die man je gebaut habe.
Angeboten wird eine Variante mit einem einzelnen E-Motor an der Hinterachse samt neuem Zweigang-Getriebe. Daneben gibt es eine Version mit Motoren vorne und hinten, bei der der vordere Antrieb als Booster fungiert und sich bei Nichtbedarf entkoppelt.
Auch bei den Bremsen will Mercedes liefern: Laut Hersteller kann man das Auto in praktisch jeder Situation – sogar bei ausgelöstem ABS – allein über Rekuperation verzögern, und zwar mit bis zu 300 kW. „Grundsätzlich“, so Mercedes, „kann die komplett neue elektrische C-Klasse sogar elektrisch bis zum Stillstand bremsen und dabei kinetische Energie zurückgewinnen.“
Beim Fahrwerk gibt es serienmässig ein passives Setup mit Dämpfern, die Mercedes als „schnell ansprechende, amplitudenselektive“ Ausführung beschreibt, oder optional eine adaptive Luftfederung („Airmatic“). Beide sollen „herausragenden“ Federungskomfort bieten – und wenn das nur annähernd so überzeugend ist wie im GLC (wovon auszugehen ist), wird das ein ausgesprochen komfortables Auto.
Und schnell, wenn man es darauf anlegt. Das Topmodell heisst C 400 4MATIC und kommt mit 483bhp, 0–100 km/h in 4,0 s (0–62 mph in 4,0 s) und eben jener Reichweite von bis zu 473 Meilen (rund 761 km). Findet ihr einen 330-kW-Lader, könnt ihr dank 800-Volt-Technik in 10 Minuten 202 Meilen (rund 325 km) Reichweite nachladen.
Damit bleibt man zwar weiterhin hinter dem i3 … aber Mercedes will BMW offenbar nicht so einfach davonkommen lassen. Denn im nächsten Jahr sollen weitere Varianten der elektrischen C-Klasse folgen – mit zusätzlichen Batterieoptionen, darunter auch eine Version mit Hinterradantrieb, die den „Benchmark im elektrischen Mittelklasse-Limousinensegment“ setzen soll.
Dieses Modell soll „ungefähr 800 Kilometer“ weit kommen. Das ist … richtig, immer noch weniger als beim i3. Trotzdem ist es unabhängig davon eine Menge Strecke. Spiel eröffnet.
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