Ein Formular zur Selbsteinschätzung soll ebenfalls möglich sein.
Heute gilt der Führerschein als eine Art Heiliger Gral – ein echtes Symbol für Unabhängigkeit und Freiheit für alle, die ihn besitzen. Doch das bekannte rosafarbene Dokument befindet sich derzeit in einer Phase (großer) Umbrüche: Am 21. Oktober 2025 wurde die Reform des Führerscheins in der Europäischen Union im Europäischen Parlament gebilligt.
Mit den neuen Vorgaben sollen die Verkehrssicherheit erhöht und tödliche Unfälle verringert werden. Im vergangenen Jahr verloren auf den Straßen Europas fast 20 000 Menschen ihr Leben. Vor diesem Hintergrund haben die EU-Abgeordneten strengeren Regeln zugestimmt – etwa beim Erneuern des Führerscheins, bei höheren Anforderungen für den Erwerb sowie beim Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten.
Reform des Führerscheins: Was ändert sich?
Zunächst soll ein schwerer Verkehrsverstoß im Ausland nicht länger folgenlos bleiben. Derzeit kommen 40% der Autofahrerinnen und Autofahrer, deren Führerschein in einem anderen Land als dem Ausstellungsstaat entzogen oder ausgesetzt wird, damit durch. Das dürfte bald Vergangenheit sein. Der italienische Abgeordnete Matteo Ricci erklärte: „Mit den neuen Regeln [wird ein Autofahrer], der seinen Führerschein in einem europäischen Land wegen eines schweren Verstoßes verliert, in keinem anderen Mitgliedstaat mehr fahren können.“
Eine ärztliche Untersuchung, um den Führerschein zu behalten
Damit nicht genug: Auch die Gültigkeitsdauer des Führerscheins soll angepasst werden. Künftig soll er höchstens 15 Jahre gültig sein – oder 10 Jahre in EU-Ländern, in denen der Führerschein zugleich als Ausweisdokument verwendet wird. Um den Führerschein zu behalten, wäre dann eine medizinische Eignungsuntersuchung erforderlich. Gerade Seniorinnen und Senioren haben Grund zur Sorge, denn diese Reform des Führerscheins dürfte die Gültigkeitsdauer für Autofahrerinnen und Autofahrer über 65 Jahre senken.
Allerdings eröffnet das Votum der Europaabgeordneten den Mitgliedstaaten auch eine Alternative zur ärztlichen Untersuchung: Ein Selbsteinschätzungsformular könnte ausreichen. Frankreich könnte sich vermutlich für diese Option entscheiden. Ob das wirklich genügt, ist fraglich. Wie ein Artikel von Le Monde berichtete, begrüßten mehrere Verbände die Entscheidung der Europäischen Union, weil sie die Zahl der Verkehrstoten verringern soll, die durch fahruntüchtige ältere Autofahrerinnen und Autofahrer verursacht werden.
Weitere Änderungen beim Führerschein in Europa
Im Zeitalter der vollständigen Digitalisierung bleibt auch der Führerschein nicht außen vor. Die Reform will die Entmaterialisierung des Dokuments beschleunigen, indem ein digitaler Führerschein zum Hauptformat wird. Selbstverständlich soll weiterhin eine physische Variante erhältlich bleiben – für alle, die den Führerschein lieber als Karte besitzen.
Zu den weiteren Folgen dieser Reform des Führerscheins zählt außerdem, dass zusätzliche Inhalte zur Sicherheit besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer aufgenommen werden – etwa mit Blick auf Fußgänger und Radfahrende. Themen wie tote Winkel und das Öffnen von Autotüren sollen dabei eine Rolle spielen. Ebenso soll die Nutzung des Smartphones und die damit verbundenen Risiken in der Prüfung stärker behandelt werden.
Zum Schluss: Für junge Fahrerinnen und Fahrer ist eine zweijährige Probezeit vorgesehen, in der sie strengere Regeln und härtere Sanktionen beachten müssen. Gleichzeitig sollen alle 17-Jährigen das begleitete Fahren sowohl mit einem Auto als auch mit einem Motorrad ausüben dürfen.
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