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Schiffswrack Animas de la Victoria aus dem 18. Jahrhundert vor Mexikos Karibikküste

Taucher erkundet großen, mit Korallen bewachsenen Anker auf dem Meeresboden bei klarem Wasser.

Forschende haben herausgearbeitet, dass das Schiffswrack Animas de la Victoria – eine Fundstelle aus dem 18. Jahrhundert vor Mexikos Karibikküste – die Fahrt eines Schiffs dokumentiert, das deutlich ausserhalb der entlang dieser Küstenlinie bekannten spanischen Routen unterwegs war.

Diese Einordnung rückt den Fundort weg vom Bild eines einzelnen Unglücksfalls: Stattdessen gilt er als Hinweis auf bewusstes Navigieren durch Gewässer, die mit Schmuggel und riskantem Handel verknüpft waren.

Animas de la Victoria finden

Über rund 198 Meter flachen Meeresboden zieht sich eine Spur: 19 Kanonen, vier Anker, Flaschen, Ziegel und Keramik weisen noch immer schnurgerade in Richtung der Brandung.

Aus der Ausrichtung dieser Streuung leitete Helena Barba-Meinecke vom mexikanischen Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte (INAH) ab, dass die Fundstelle einen Kampf gegen das Abtreiben festhält.

„Merkwürdigerweise liegt die Fundstelle weit entfernt von jedem spanischen Hafen oder sogar von jeder wichtigen europäischen Segelroute im Yucatán-Kanal“, schrieben Barba-Meinecke und Kolleginnen und Kollegen.

Diese Distanz liefert zwar keinen Schiffsnamen, grenzt jedoch die Art der Reise, die hier geendet haben könnte, deutlich ein.

Eine Spur aus Eisen und Keramik

Statt eines kompakten Wrackhaufens fand sich am Grund eine langgezogene Verteilung – so, als hätte ein Schiff während der Bewegung nach und nach Gewicht abgeworfen.

Etwa 7 Meter tief lagen zwei kleine Admiralitätsanker (Eisenanker mit Querholm und spitzen Armen) überlappend auf dem Boden.

Weiter westlich lag ein weiterer Anker in nur etwa 2,1 Metern Wassertiefe; seine lange Mittelstange war verbogen, nachdem sie sich an Korallen verhakt hatte.

Die Lage der Stücke spricht dafür, dass die Besatzung wiederholt Ausrüstung fallenliess, während das Schiff schabend vorwärtsdriftete – gewonnen wurden nur kurze Momente zusätzlichen Auftriebs.

Was die Anker verrieten

Bei genauerer Betrachtung wurde der Fundort noch ungewöhnlicher, denn die Anker wirken nicht so, als stammten sie geschlossen aus einer einzigen Schmiede.

Ein kleineres Stück entspricht einem Kedge-Anker (Kedger), also einem kompakten Anker, mit dem sich Schiffe in engen Gewässern und bei schwierigen Strömungen verholen.

Der grösste Anker zeigt Proportionen, die eher bei Beispielen aus dem späten 17. Jahrhundert üblich sind, während ein anderer möglicherweise zu späteren französischen Zeichnungen passt.

Diese Mischung deutet auf über längere Zeit zusammengetragene Ausrüstung hin – schrittweise repariert, ergänzt oder dort gekauft, wo ein waghalsiger Händler überhaupt fündig werden konnte.

Zeichen im Eisen

Die von Korallen überwachsenen Geschütze fügten eine weitere Ebene der Unklarheit hinzu, nachdem Archäologinnen und Archäologen die Gussdetails unter der Kruste freilegen konnten.

An zwei Zapfen (Trunnions) – kurzen seitlichen Drehzapfen, auf denen eine Kanone gelagert ist – fand das Team den erhabenen Buchstaben C. Dieses Zeichen könnte auf eine französische Giesserei hinweisen oder auf Conster in Sussex; zudem entspricht eine kleinere Kanone britischen Mustern.

Trotzdem bleibt die Artillerie der Animas de la Victoria auffallend gemischt: Eine eindeutige nationale Zuordnung bleibt eher Andeutung als Ergebnis – und lenkt den Blick stärker auf Handel als auf Flaggen.

Grösse ohne schwere Bewaffnung

Am verlässlichsten liess sich die Schiffsgrösse über die Anker abschätzen, denn der schwerste Anker ist in der Regel auf die Grösse des Fahrzeugs abgestimmt.

Ausgehend von seinen Massen verortete das Team dieses Stück bei rund 3.640 Pfund (etwa 1.651 Kilogramm) – und die Tonnage des Schiffs bei ungefähr 650 bis 700 Bruttoregistertonnen.

Bruttoregistertonnen beschreiben den umschlossenen Raum für Ladung und Unterbringung; damit läge das Schiff über einem kleinen Begleitschiff, aber unter grösseren Kriegsschiffen.

Weil am Fundort nur leichte Geschütze nachweisbar sind, passt am ehesten das Bild eines bewaffneten Handelsschiffs: ausgelegt auf Fracht, Gewinn – und Gefahren.

Die letzten Minuten der Animas de la Victoria

Wahrscheinlich drückten Wind und Strömung das Schiff nach Norden, bis sich Brandung an seiner Backbordseite öffnete. Vermutlich setzte die Crew zwei kleine Anker vom Heck aus, bevor sie begann, Kanonen über Bord zu werfen, als der Kiel bereits über den Grund schrammte.

Jeder abgeworfene Eisenbrocken verschaffte etwas zusätzliche Tiefe – doch das Schiff setzte erneut auf, trieb weiter nach Westen und verlor weitere Ausrüstung.

Schliesslich drückten die Wellen es auf Untiefen, die kaum 1,5 Meter tief waren; dort fielen die restlichen Kanonen und ein Anker.

Eine Küste, die kaum jemand nutzte

Der Fundort liegt innerhalb von Sian Ka’an, einem Biosphärenreservat, in dem Land- und Meeresschutz gemeinsam verwaltet werden – eine schwer zugängliche Region.

Die flachen Bereiche und Brandungszonen bewahrten das Wrack vor starken Störungen, machen aber zugleich die koloniale Küstenlinie vom offenen Meer aus schwer lesbar.

Spanische Kapitäne hielten üblicherweise deutlichen Abstand zu diesem Küstenabschnitt und wählten stattdessen sicherere Passagen in den Golf von Mexiko.

Ein Schiff, das dennoch dicht entlang der Riffkante segelte, wirkt daher weniger wie normaler Handelsverkehr – und eher wie eine Route, die lokale Kenntnisse voraussetzt.

Schmuggel am Rand der Routen

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden entlang der Küsten von Yucatán und Belize englische Aussenposten, die Blauholz für den Färbemittelhandel schlugen.

Spanische Behörden stuften diese Aktivitäten als illegal ein und verfolgten regelmässig fremde Schiffe, die kontrabandiertes Holz durch die westliche Karibik transportierten.

Vor diesem Hintergrund erscheint die ungewöhnliche Route des Wracks weniger zufällig – zumal die Ausrüstung britische, französische und wiederverwendete Elemente zu mischen scheint.

Eine Ladung ist jedoch nicht erhalten, die Schmuggelthese bleibt daher eine gut begründete Hypothese und keine abschliessend belegte „Akte“.

Was Animas de la Victoria lehrt

Da bislang weder ein Ballasthügel noch Planken oder andere Rumpfhölzer aufgetaucht sind, muss die Fundstelle vor allem über Eisenfunde und ihre Lage im Raum interpretiert werden.

Das ist auch wegen der Seltenheit bedeutsam: Es handelt sich um das einzige dokumentierte Wrack des 18. Jahrhunderts, das bislang aus der Espíritu-Santo-Bucht gemeldet wurde.

Jeder zusätzliche Fund könnte den Verdacht auf Schmuggel erhärten, Besitzverhältnisse sichtbar machen oder zeigen, wie Besatzungen an dieser „verbotenen“ Küste operierten.

Künftige Tauchgänge könnten noch einen Ballasthügel, Rumpfhölzer oder unter Korallen verborgene Reste der Ladung zutage fördern.

In der Summe lässt sich das Wrack bislang als Handelsschiff lesen, das durch Wind, Strömung und Pech auf ein Riff gedrückt wurde.

Weitere Vermessungen können Details noch verändern – doch Anker und Kanonen haben das Rätsel bereits deutlich eingegrenzt.

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