China hat im Juni erstmals in einem einzelnen Monat mehr als eine Million Autos exportiert. Damit festigt das Land seine weltweite Führungsrolle in der Branche und erhöht zugleich den handelspolitischen Druck auf Partner wie die Europäische Union.
Nach Angaben, die am Dienstag von der Generalverwaltung der chinesischen Zollbehörden veröffentlicht wurden, führte China im Juni 1,06 Millionen Fahrzeuge aus – das entspricht einem Plus von 71,2% gegenüber dem Vorjahresmonat.
Setzt sich dieses Tempo fort, dürfte China in diesem Jahr die Marke von 10 Millionen exportierten Fahrzeugen überschreiten. Das läge über den 7,1 Millionen aus dem Jahr 2025 und wäre mehr als doppelt so viel wie die 4,9 Millionen im Jahr 2023.
Exportboom und Handelsbilanz
Die starke Entwicklung bei Autoexporten trug dazu bei, dass die chinesischen Gesamtexporte im Juni um 27% zulegten – nach 19,4% im Mai. Die Importe stiegen im gleichen Monat um 36%.
Der Handelsüberschuss Chinas erreichte im ersten Halbjahr 576 Milliarden US-Dollar (505 Milliarden Euro), auch wenn er damit um 4,7% unter dem Wert des Vorjahreszeitraums lag.
„Grüne Produkte“ treiben – Seltene Erden bremsen
Wang Jun, stellvertretender Direktor des Nationalen Statistikbüros, führte das Wachstum bei den Ausfuhren von Elektrofahrzeugen auf den weltweiten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zurück. Dieser Wandel erhöhe die Nachfrage nach chinesischen „grünen Produkten“.
Neben Elektroautos legten im ersten Halbjahr auch die Exporte von Lithiumbatterien und Windturbinen zu – um 37,6% beziehungsweise 35,6%.
In die entgegengesetzte Richtung entwickelten sich die Ausfuhren seltener Erden: Im Juni fielen sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 34% und im Halbjahr insgesamt um 6,4%, nachdem Peking die Exportkontrollen für diese strategischen Mineralien verschärft hatte. Sie gelten als unverzichtbar für verschiedene Hightech-Industrien.
Die Importseite wurde vor allem durch die Nachfrage nach Halbleitern gestützt. China importierte im Juni 53,7 Milliarden integrierte Schaltkreise, 6,8% mehr als ein Jahr zuvor; damit stieg das kumulierte Wachstum im ersten Halbjahr auf 8,1%.
Rückgang im Inland
Die beschleunigten Autoexporte fallen in eine Phase nachlassender Verkäufe auf dem Heimatmarkt. Grund dafür ist das teilweise Auslaufen von Kaufanreizen für Elektrofahrzeuge sowie eine sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
Die schwächere Inlandsnachfrage veranlasste sowohl chinesische als auch im Land produzierende ausländische Hersteller, einen wachsenden Teil ihrer Produktion in Auslandsmärkte zu lenken. Diese Strategie trug dazu bei, dass die Europäische Union zusätzliche Zölle auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge verhängte.
Chinesische Behörden weisen den Vorwurf zurück, die Branche profitiere von unfairen Subventionen. Sie argumentieren, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beruhe auf technologischer Innovation und Skaleneffekten.
Unter den großen Produzenten verkaufte BYD im Juni 175.000 Fahrzeuge im Ausland, 95% mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig erreichten die internationalen Verkäufe mit 43% der Unternehmensproduktion einen Rekordwert.
Geely exportierte erstmals in einem einzigen Monat mehr als 100.000 Fahrzeuge: Im Juni setzte der Konzern 102.874 Einheiten im Ausland ab, ein Anstieg von 157% gegenüber dem Vorjahr.
Chery wiederum exportierte im Juni 191.062 Autos, 80% mehr als ein Jahr zuvor, und erzielte damit bereits im vierten Monat in Folge einen neuen monatlichen Höchstwert unter den chinesischen Herstellern.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen