Oliver Blume bestätigt den geplanten Stellenabbau bei Volkswagen
Der bereits am 26. Juni gemeldete Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen im gesamten Volkswagen-Konzern ist nun vom Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume selbst bestätigt worden.
Wie Reuters berichtet, lag der Nachrichtenagentur am Montag ein internes Memorandum vor, das Blume an die Belegschaft verteilt hat. Darin erläutert er, dass „Volkswagen möglicherweise rund 50.000 weitere Stellen streichen muss [zusätzlich zu den bereits bekannten 50.000], um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Konkurrenten anzugleichen“.
Kostendruck, China-Konkurrenz und Effizienz in Deutschland
Blume versucht, den grössten Automobilhersteller Europas – und weltweit einen der grössten – zu modernisieren. Reuters verweist dabei auf „Gewinne, die wegen milliardenschwerer Zollkosten, starker Konkurrenz in China und Druck auf das Produktionsnetz in Deutschland, effizienter zu werden, stark eingebrochen sind“.
Nachdem der Konzern bereits den Abbau von 50.000 Stellen konzernweit vereinbart hatte – einschliesslich der Tochtergesellschaften Porsche und Audi –, müsse das Unternehmen weiter an zusätzlichen Kostensenkungen arbeiten. Blume habe in dem Memo, das Reuters einsehen konnte, von einem Kostennachteil von 20% gegenüber vergleichbaren Unternehmen gesprochen.
„Wir prüfen derzeit in allen Marken, Unternehmen und Regionen, wie viele Anpassungen wirklich notwendig und umsetzbar sind“, sagte Blume in dem Dokument.
Dimension des Programms und Folgen für die Konzernmarken
Der Abbau von 100.000 Jobs entspräche der Streichung von nahezu einem Sechstel der weltweit rund 625.000 Arbeitsplätze des Unternehmens. Damit wäre es eines der grössten Programme zum Beschäftigungsabbau, das je von einem europäischen Unternehmen durchgeführt wurde.
Eine vom Expresso kontaktierte Konzernquelle bestätigt, dass es im gesamten Volkswagen-Konzern, der 12 Marken umfasst, zu einer „grossen Blutung“ kommen werde. Nach Angaben derselben Quelle sei zudem nicht ausgeschlossen, dass einzelne wirtschaftlich weniger erfolgreiche Marken verkauft werden könnten – ähnlich wie es bereits bei der traditionsreichen Bugatti geschah, die nach fast drei Jahrzehnten Zugehörigkeit zum deutschen Autoriesen veräussert wurde.
Der Expresso weiss ausserdem, dass allein bei Porsche derzeit rund 5.000 Entlassungen laufen – teilweise einvernehmlich, teilweise über Frühverrentung.
Werke in Deutschland: Proteste, Blockaden und mögliche Alternativen
Das von Reuters zitierte Memorandum folgt auf Proteste von Beschäftigten, die „verlangen, dass das Management seine Restrukturierungspläne erklärt“, welche Blume am vergangenen Donnerstag dem Aufsichtsrat vorgestellt hatte.
Quellen, die Reuters kontaktierte, sagten, Arbeitnehmervertreter im Gremium hätten „die Vorschläge blockiert, die angeblich Stellenstreichungen und die mögliche Schliessung von vier Werken umfassten“.
„Bis heute können wir für die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 2030er-Jahren noch keine wettbewerbsfähigen Nutzungsszenarien bestätigen“, sagte Blume in dem Memorandum.
Der VW-Chef erklärte, er bevorzuge „intelligente Lösungen“ gegenüber Werksschliessungen. Zuvor hatte er unter anderem die Rüstungsindustrie oder die „Produktion chinesischer Volkswagen-Modelle in Europa als Optionen für unterausgelastete Fabriken“ genannt.
Portugal: Autoeuropa in Palmela vorerst nicht betroffen
Nach Informationen des Expresso soll das Volkswagen-Werk Autoeuropa in Palmela, das knapp 5.000 Menschen beschäftigt, von den angekündigten Kürzungen vorerst nicht betroffen sein. Als Grund wird unter anderem angeführt, dass dort gerade das überarbeitete Modell Volkswagen T-Roc (nun auch als Hybrid) in den Markt gebracht wird und gleichzeitig die Montagelinie bereits für das künftige, günstigere Elektroauto des Konzerns vorbereitet wird – den Volkswagen ID.1, der bei rund 20.000 Euro liegen soll.
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