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Mercedes-AMG GT 63 4-Door Coupé: die elektrische Tech-Offensive

Gelber Mercedes-AMG GT 4-Türer fährt auf Rennstrecke bei bewölktem Himmel.

Der neue Mercedes-AMG GT 63 4-Door Coupé ist ein echter Technikfresser – ein Auto, das Innovationen in grossen Happen verschlingt. Ein Elektrofahrzeug mit enormer Leistung und einer ganzen Batterie an Fahrprogrammen. Genau das macht Top Gear ein wenig nervös: Ein rein elektrischer AMG, bei dem der Kick aus Software, Systemen und Modi kommt? Ausgerechnet bei einer Marke, die jahrzehntelang für fossilen Dinosauriersaft und kontrollierte Explosionen stand?

Elektrischer Alltag: Laden, Reichweite und Platz

Auf den ersten Blick wirkt vieles erstaunlich vernünftig. Der GT 4-Door Coupé lädt seinen Akku von 10–80 Prozent Ladezustand in nur 11 Minuten – und soll in zehn Minuten 268 Meilen Reichweite nachladen. Möglich wird das durch ein 800-Volt-System und eine NCMA-Batterie (Nickel/Kobalt/Mangan/Aluminium), die mit einer besonders ausgeklügelten Öl-Kühlung argumentativ schweres Geschütz in Sachen E-Komfort auffährt.

Auch beim Nutzen gibt er sich alltagstauglich: 415 Liter Kofferraumvolumen plus ein 41-Liter-Frontkofferraum. Mehrere Mitfahrende bringt er problemlos unter, und bei der Reichweite sind am unteren Ende 370 Meilen drin – eher 432, wenn man sich für den leistungsschwächeren GT 55 entscheidet. Alles Punkte, die man bei solchen Autos üblicherweise erst ganz am Schluss zur Kenntnis nimmt.

Leistung im Überfluss: Was die „63“-Version kann

Der Grund dafür liegt auf der Hand: In der Topausführung „63“ bewegt sich der GT 4-Door Coupé ganz selbstverständlich jenseits der 700 bhp, und bei Bedarf stehen 1.153 bhp sowie 1.475 lb ft Drehmoment bereit. Wobei „Bedarf“ hier ein dehnbarer Begriff ist – Situationen, in denen man wirklich braucht, dass 0–62 mph in unter 2,5 Sekunden erledigt sind und bei 186 mph Schluss ist, dürften eher selten vorkommen.

Knapp unter 2,5 Tonnen bringt er auf die Waage, was den Daten nach aber kaum eine Rolle spielt. So erklärt sich auch, warum Fondkomfort und Einkaufslogistik schnell in den Hintergrund rücken. Prioritäten.

Was beim Herumstochern im GT 4-Door sofort auffällt: Hier hat sich jemand sehr viele Gedanken gemacht – und das muss auch so sein, denn es ist AMGs erster „richtiger“ Auftritt als reines Elektroauto (der SLS AMG Electric Drive von 2013 war im Grunde ein Einhorn). Nicht Pionierphase, eher spätere Konsequenz. Wenn man sich Zeit lässt, dann bitte richtig.

Und klar ist ebenfalls: Das hier darf nicht einfach das nächste E-Sportgerät sein, das nur den Nacken testet. Es muss dynamischer, emotionaler, kurz: mehr AMG sein. Genau an dieser Stelle wird es spannend.

YASA und Axialfluss: der technische Kern des Mercedes-AMG GT 63 4-Door Coupé

Den Anfang macht ein strategischer Zukauf: 2021 haben Mercedes-Benz und AMG die in Oxford ansässige britische Firma YASA übernommen. YASA gilt als treibende Kraft bei sogenannten Axialfluss-Elektromotoren. Praktisch sind das „Pfannkuchen“-Motoren (eher: Tellerform, aber etwa vier Zoll dick), die gegenüber klassischen Bauformen deutlich kompakter, leichter und kräftiger ausfallen.

Perfekt für ein schnelles Elektroauto – mit dem kleinen Haken, dass solche Motoren gern laut sind. In bisherigen Anwendungen war das weniger kritisch: YASA-Technik steckt etwa im Lamborghini Temerario und Revuelto, im Ferrari 296 GTB und SF90 Stradale, sogar im Koenigsegg Regera – dort übertönen Verbrenner mit markantem Klang das Ganze ohnehin. AMG hat das Potenzial trotzdem erkannt.

Damit ist der GT 4-Door das erste Serienauto, das ausschliesslich von YASA-Technik angetrieben wird – wenn man von Mercedes’ eigenem Concept GT XX absieht, einem Fahrzeug mit mehr als 25 Weltrekorden für Tempo und Effizienz, das zugleich Testfeld und Ahnherr des Autos auf den Bildern ist.

Die Leistung stammt aus drei Axialfluss-Aggregaten: eines vorn, zwei hinten. Ergebnis: Allradantrieb und enorme Möglichkeiten zur Drehmomentverteilung. Traktion und Handling lassen sich per Schalter verändern; der GT 4-Door bringt AMGs „Renningenieur“-System mit, über drei Drehregler im Cockpit.

  • Ansprechkontrolle: mehrere Stufen für die Gaspedal-Charakteristik
  • Agilitätskontrolle: verändert den „virtuellen Radstand“, indem die Drehbewegung um die Hochachse angepasst wird – sprich: Er kann sich wie mit kürzerem oder längerem Radstand anfühlen, von untersteuernd über neutral bis übersteuernd
  • Traktionskontrolle: neun Stufen – also neun Abstufungen, wie furchteinflössend man es haben möchte

Fahrprogramme, Kunst-Getriebe und Klang: „Emotion“ per Software

Damit nicht genug: Zusätzlich zu den bekannten AMG-Programmen (Öko, Rutschig, Individuell, Sport, Sport+ und Rennen) gibt es AMGForceSport+. Dahinter steckt ein künstliches Getriebe, das über Schaltwippen bedient wird – inklusive Drehmomentunterbrechung, damit es sich „echt“ anfühlt.

Dazu kommt ein Sound, der aus dem AMG GT R synthetisiert wurde und auf jede Eingabe und jedes Lupfen reagiert, plus weitere „emotionale“ Kontaktpunkte. Die Mission ist klar: Kundschaft, die sonst AMG-Verbrenner fährt, soll sich nicht fremd fühlen.

Innenraum, Design und Aerokinetik

Innen wirkt das Ganze ein wenig wie ein Berliner Club an einem Samstagabend: viel Silber und Schwarz, dazu tiefrote Lichtakzente – wobei sich die Farben immerhin umstellen lassen. Die Basis bildet ein 10,2-Zoll-Fahrerdisplay, das in einen 14-Zoll-Bildschirm übergeht, der zum Fahrer geneigt ist; ein weiterer 14-Zöller richtet sich an die Beifahrerseite. Sehr vieles spielt sich auf Screens ab. Anfangs wirkt es nach leichter Überforderung, mit der Zeit gewöhnt man sich.

Die Drehregler des „Renningenieur“-Systems sitzen auf der Mittelkonsole, zum Fahrer hin angewinkelt – und ja: Man wird sie erfühlen und bedienen können, statt nur auf Glas herumzutippen. Das ist durchaus beruhigend.

Optisch ist der GT 4-Door ebenfalls … interessant. Nicht so unmittelbar wie der GT XX, eher erwachsener. Auf der AMG.EA-Architektur aufgebaut, ist er über fünf Meter lang und fast zwei Meter breit – Grundriss wie ein Range Rover.

Vorn gibt’s einen grossen, konkaven Grill mit vertikalen Streben (optional beleuchtet), überall Sternmotive und LED-Scheinwerfer. Die Seitenlinie wirkt glatt, aber massig; hinten spannt sich eine Art Panda-Maske um das Heck, unterbrochen von sechs „Nachbrenner“-Rückleuchten in Sternform – was auf seltsame Weise an das durchgehende Gitterheck eines Ferrari 458 Speciale erinnert, nur eben … grösser. Man muss vielleicht etwas blinzeln, aber der Gedanke ist da.

Die Felgen reichen von 19 bis 21 Zoll, und es gibt bewegliche Aerodynamik, die AMG „Aerokinetik“ nennt – in zwei Varianten. Serie sind verstellbare Aero-Lamellen im Frontgrill und in den Radhäusern sowie ein mehrstufiger Heckflügel, der Abtrieb und Stabilität liefern soll.

Daneben existiert eine besonders sportliche Ausführung mit ausfahrbarem Venturi-Element unter dem Auto, um die Luft unter dem Boden zu beschleunigen und das Fahrzeug auf die Strecke anzusaugen. Die zivilere Lösung ist eine ausfahrbare hintere Schürze beziehungsweise ein Splitter, der das Aero-Profil für mehr Effizienz streckt. Wie gross der Effekt tatsächlich ist, muss man erst erproben – optisch wirkt es jedenfalls extrem stark.

Ausserdem an Bord: aktive Hinterradlenkung und Luftfederung mit zwei Stufen der Fahrzeughöhe. Es passiert also sehr viel.

Der Markt für übermotorisierte elektrische Schnellfahrer mag gerade wackeln – aber gefährdet wirkt hier eher nicht die Umsetzung. Der GT 4-Door Coupé bringt, was man erwarten darf: auffällige Technik, wirklich spannende Ansätze dazu, was „Emotion“ in einem elektrischen Performance-Auto überhaupt bedeuten kann (ein Nicken in Richtung Hyundai und der „N“-Serie), dazu ein ordentliches Mass an Zukunftsoptik und Zukunftsdenken. Jetzt fehlt nur noch die Fahrt, um zu sehen, wie gut das Gesamtpaket wirklich ist.

12 Minuten 47 Sekunden

Technische Daten

Mercedes-AMG GT 63 4-Door Coupé (GT 55 also available)
Preis: £TBC (the AMG GT 4-Dr 63 e-Performance petrol V8 in last-gen was £178,705)
Getriebe: Triple-motor, all-wheel drive AMG Performance 4MATIC+
Leistung: 1,169hp (1,153bhp), continuous output 721hp (711bhp), 1,475lb ft of torque
Fahrleistungen: 0-62mph in 2.4 seconds, 186mph top speed
Batterie und Laden: 370-432-mile range, 106kWh (net) NCMA (Nickel/Cobalt/Manganese/Aluminium), DC charging at up to 600 kW, 800 volt, 10–80 per cent SoC in 11 min, 268 miles added in 10 mins, std 11kW AC
Kofferraum: 415-litres, 41-litre frunk
Gewicht: 2,460kg (depending on spec)

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