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Stellantis kündigt 25 neue Autos in Europa bis 2030 an – mit STLA One

Zwei moderne Fiat SUVs in Gelb und Blau stehen nebeneinander auf Asphalt unter bewölktem Himmel.

Stellantis hat eine grosse Produktoffensive angekündigt: Bis 2030 sollen in Europa 25 komplett neue Modelle oder echte Nachfolger erscheinen, davon 12 in der Kleinwagenklasse und 11 in der Mittelklasse. Die Welle betrifft Marken quer durch den Konzern – Peugeot, Citroën, Alfa Romeo, Vauxhall-Opel, Fiat, Jeep, DS und Lancia – und ein ähnlich dimensioniertes Programm wird auch für Nordamerika in Aussicht gestellt.

Die Ankündigung war Teil einer umfangreichen Präsentation zur künftigen Ausrichtung. Stellantis beziffert die Investitionen bis 2030 auf 60 Milliarden € (52 Mrd. £) für neue Plattformen und Fahrzeuge.

Trotzdem bleibt offen, wie viel davon tatsächlich neu ist. Bevor es um die offenen Punkte geht, folgt erst der Überblick über die bereits genannten kommenden Modelle.

Modelloffensive von Stellantis bis 2030 in Europa

Citroën bestätigte einen „neuen 2CV“. Weil vielen die Erinnerungen an das Original noch sehr präsent sind und Citroën in jüngerer Vergangenheit mehrfach mit nicht realisierten „billigen“ Konzeptautos aufgefallen ist, ist ein 2CV genau die Art Auto, nach der viele rufen. Entscheidend wird sein, ob die Serienversion die Erwartungen erfüllt.

Der 2CV soll Teil einer ganzen Gruppe elektrischer „E-Cars“ werden, die vor allem als Antwort auf preiswerte chinesische Elektroautos gedacht sind. Zusätzlich ist ein weiteres, eng verwandtes Modell namens Fiat Panda angekündigt – ausdrücklich getrennt vom bereits existierenden Grande Panda.

Für diese E-Cars nennt Stellantis einen Einstiegspreis in der EU von unter 15.000 € (13.000 £). Ziel ist „Preisparität“ mit den günstigsten Benzinern. Ob diese Fahrzeuge im Vereinigten Königreich angeboten werden, ist unklar: Sie werden für eine neue EU-Initiative entwickelt, und ausserdem könnte allein der Aufwand, derartige Billigmodelle auf Rechtslenkung umzurüsten, das Geschäft unattraktiv machen.

Neue Modelle nach Marken: Citroën, Vauxhall-Opel, Peugeot, Fiat, Maserati, Dodge und RAM

Bei Vauxhall soll der Corsa durch ein Elektroauto ersetzt werden, das technisch mit dem E-208 verwandt ist. Daneben ist auch eine Benzinvariante vorgesehen, die allerdings keine Neuentwicklung sein soll, sondern eine umfassend überarbeitete Version des aktuellen Fahrzeugs.

Peugeot wiederum plant, die neue Elektro-Plattform unter dem kommenden E-208 einzusetzen – inklusive des Steer-by-Wire-Systems. Zur Zukunft des Benzin-208 wurde nichts Konkretes gesagt; nach aktuellem Verständnis soll er optisch jedoch dem neuen E-208 entsprechen. Am oberen Ende des Angebots ist zudem ein grosses Modell aus dem bereits angekündigten Joint Venture mit Dongfeng vorgesehen, das in Frankreich gebaut werden soll. Auf dieses Gemeinschaftsprojekt wird weiter unten noch eingegangen.

Fiat zeigte Konzeptdarstellungen eines neuen Familienautos mit dem Namen Grizzly. Vorgesehen sind sowohl eine Elektroversion als auch ein Mildhybrid-Benziner. Ausserdem soll es zwei unterschiedliche Heckdesigns geben: einmal als kantige SUV-Interpretation, einmal als auffälligeres Fastback. Der Grizzly ist grösser als der Grande Panda und teilt sich die Technik mit ihm sowie mit dem Vauxhall Frontera.

Maserati stellte zwei neue grosse Modelle in Aussicht, blieb bei Details aber bei „abwarten und sehen“. Da Maserati seit Jahrzehnten immer wieder Wachstumspläne ankündigt, die am Ende nicht voll eingelöst werden, ist Zurückhaltung verständlich, bis konkrete Fakten auf dem Tisch liegen.

In den USA bekam die Fanbasis derweil eine klare Leistungsansage: Die SRT-Performance-Marke soll gestärkt werden. Zu erwarten sind neue, besonders kompromisslose Varianten quer über das Konzernportfolio – bei Pkw, SUVs und Pick-ups. Als erstes wurde der RAM Rumble Bee SRT als besonders aufgepumpter Pick-up genannt.

Auch Dodge SRT kündigte ein neues Sportcoupé an: den Copperhead. Der Name war bereits 1997 bei einem Konzept eines Sport-Roadsters beziehungsweise Coupés in Gebrauch. Das Serienfahrzeug soll als flaches Coupé auf Basis des Charger entstehen.

Plattformen und Software: Was steckt hinter STLA One, STLA Brain und STLA Cockpit?

Für TopGear.com wirft der Stellantis-Plan allerdings viele Fragen auf – vor allem wegen der starken Betonung einer neuen globalen Plattform namens STLA One. Sie soll, so die Aussage, Fahrzeuggrössen vom Supermini bis zum Full-Size-Modell abdecken und Antriebe mit Batterie, Benzin und Plug-in-Hybrid (PHEV) ermöglichen.

Das wirkt jedoch schwer einzuordnen, weil Stellantis vor vier Jahren ein anderes Raster kommuniziert hatte: drei Plattformen, die zusammen genau diese Bandbreite abdecken sollten – STLA Small, STLA Medium und STLA Large. STLA Medium und STLA Large sind bereits in Serie. Auf STLA Medium stehen unter anderem Peugeot 3008, Vauxhall Grandland, Citroën C5 Aircross, DS No8 und Jeep Compass. STLA Large nutzt beispielsweise der Dodge Charger, ebenso der Jeep Recon. Alfa Romeos nächste Giulia und Stelvio sollen ebenfalls auf Large basieren, sind aber drei Jahre im Rückstand, weil sie von einem ursprünglich reinen Elektro-Konzept auf eine Auslegung mit zusätzlicher Benzinoption umgestellt werden.

Parallel dazu ist STLA Small – vorgesehen für die nächste Generation von 208 und Corsa – bislang überhaupt nicht in Erscheinung getreten.

Damit drängt sich die Frage auf: Ist STLA One am Ende nur ein neuer Name für die bisherige Aufteilung in Small/Medium/Large? Oder werden S, M und L eingestampft, bevor sie überhaupt richtig laufen? Falls Letzteres zutrifft, steht sofort die nächste Frage im Raum, wie viele Milliarden damit faktisch verbrannt wurden.

Zusätzlich präsentierte Stellantis neue Elektronikarchitekturen. Das Grundsystem heisst STLA Brain und soll sämtliche fahrzeugseitigen Systeme unter der Oberfläche bündeln (vergleichbar mit BMWs „Heart of Joy“). Für die Bedien- und Interaktionsschicht ist STLA Cockpit vorgesehen. Nur: Sehr ähnliche Konzepte mit identischen Bezeichnungen wurden ebenfalls schon vor vier Jahren angekündigt. Aus heutiger Sicht ist schwer zu erkennen, was sich ausser einer erheblichen Verzögerung substanziell verändert hat.

STLA Brain soll ausserdem die Basis für STLA Autodrive liefern – Stellantis’ Begriff für „Autonomie von Tür zu Tür“, die in zwei Jahren erreichbar sein soll. Genau diese „in zwei Jahren“-Perspektive gilt in weiten Teilen der Branche allerdings seit 2015 als immer wiederkehrende Fata Morgana. Wir sind weiterhin nicht dort angekommen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, warum Stellantis an dieser Stelle nicht konsequent Kosten spart und das Thema zurückfährt.

Markenpositionierung und Partnerschaften: DS, Lancia, JLR, Dongfeng und Leapmotor

Aus dem neuen Programm lässt sich zudem ablesen, dass einige Ambitionen zurückgeschraubt wurden. DS wird nun eher als Bestandteil von Citroën beschrieben, statt als eigenständige Premium-Marke. Ähnlich wird Lancia stärker in Richtung Fiat zurückgeführt.

Ein wesentlicher Teil des erhofften Wachstums soll über Kooperationen laufen. Stellantis-CEO Antonio Filosa erklärte, man befinde sich in Gesprächen mit Jaguar Land Rover über eine Zusammenarbeit. „In Nordamerika können wir Produkte und Technologien entwickeln, da es bei der Produktkonzeption Synergien mit JLR gibt.“

Er ergänzte: „Unter den neuen Handelsbedingungen ist unsere Kapazität für andere attraktiv.“ Übersetzt dürfte das heissen: Beide könnten beim Thema 4x4 zusammenfinden – weil es zu beiden Profilen passt – und Land Rover könnte Zölle umgehen, wenn Fahrzeuge in Stellantis-Werken in Nordamerika gebaut würden, die derzeit nicht voll ausgelastet sind. Allerdings befinden sich die Gespräche nach wie vor in einem frühen Stadium, belastbare Details gibt es kaum.

Peugeot-Citroën baut bereits seit 1992 in China gemeinsam mit dem staatseigenen Dongfeng-Konzern Fahrzeuge. Nun wurde angekündigt, dass Dongfeng seine höher positionierten SUVs der Marke Voyah in einem Citroën-Werk in Rennes in der Westfrankreich fertigen soll.

In einem vergleichbaren Ansatz wird auch Leapmotor – bereits mit Stellantis verbunden – ein Fahrzeug im Opel-Werk in Saragossa (Spanien) produzieren. Opel Vauxhall soll ausserdem ein verwandtes (aber nicht einfach nur umgelabeltes) kompaktes SUV erhalten, das auf derselben Linie gebaut wird.

Dass chinesische Markenfahrzeuge in Frankreich und Spanien montiert werden, ist für die europäische Autoindustrie ein bemerkenswerter Schritt. Stellantis setzt darauf, daraus Know-how zu ziehen und zugleich zusätzliche Erlöse zu generieren, indem die eigenen Werke auf diese Weise genutzt werden. Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur ein weiterer früher Meilenstein einer grossen und schädlichen chinesischen Marktoffensive ist.

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