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Holger Hampf von Mini über kontroverse Autodesign-Trends

Älterer Mann mit Brille sitzt im Fahrerfenster eines weißen Autos und schaut freundlich in die Kamera.

Holger Hampf ist inzwischen bei Mini der Chef für Formen und Farben. Der frühere Präsident der BMW-Designberatung Designworks kommt allerdings nicht aus dem klassischen Autodesign – ursprünglich hat er Industriedesign gelernt.

Nachdem er uns seine Vorstellungen zur Zukunft von Mini erläutert hatte, hat TG Hampf mit ein paar polarisierenden Autodesign-Klischees konfrontiert, um herauszufinden, wie er dazu steht …

TopGear.com: Ausfahrende Türgriffe.

Holger Hampf: Als Mini-Mensch würde ich ganz klar sagen: richtige Türgriffe. Ich koche gern, ich bin gern in der Küche – und ich kann Küchen ohne Griffe nicht ausstehen. Das passt auch sehr gut zu Mini, weil eine Funktion sofort erkennbar sein muss. Ein Türgriff kann ausserdem ein Teil sein, das man wirklich gern anfasst.

Infotainment-Bildschirme über die gesamte Breite.

Nicht bei Mini. Mini muss ein stimmiges Verhältnis zwischen analogem Gefühl und digitalem Angebot treffen – das ist Punkt eins. Punkt zwei: Der Innenraum ist klein, und ich empfinde es als überfordernd, wenn in einem Mini zu viel digitale Fläche dominiert.

Mit dem runden Display bin ich sehr zufrieden. Ich finde, das war der richtige Schritt. Es ist das erste – und bis heute das einzige – in der Branche. Bislang wurde es nicht kopiert. Vielleicht haben andere Respekt vor einer runden Bedienoberfläche? Ich bin darauf sehr stolz.

Tasten.

Tasten sind wichtig. Bei Mini haben wir dafür eine solide Ausgangslage. Unsere Historie liefert mir eine gute Basis, auf der man aufbauen kann. Ist das das Ende der Toggle-Leiste? Hm, das lasse ich mal offen. Aber grundsätzlich gilt: Analog bedeutet physische Tasten, digital bedeutet Display. Zwischen beidem müssen wir wieder eine gute Mitte finden.

Ausserdem testen wir gerade, welche Informationen direkt vor dem Fahrer angezeigt werden. Wir stellen fest, dass das weiterhin sehr wichtig bleibt. Ein zentrales Display lenkt oft ab. Die richtigen Informationen am richtigen Ort zur richtigen Zeit machen ein Auto zu einem sicheren Umfeld – und dafür setze ich mich sehr ein.

Extrem stromlinienförmige E-Autos.

[Lange Pause] Hm. Zuerst wollte ich sagen: „nicht mein Ding“, aber da gab es in den 90ern ein Auto von General Motors, den EV1, und den mochte ich wirklich sehr. Der hatte eine Tropfenform und war extrem aerodynamisch – mit einem Luftwiderstandsbeiwert von null Komma irgendwas.

Deshalb will ich nicht behaupten, ich würde so etwas nicht mögen oder es passe grundsätzlich nicht zu Mini. Beim elektrischen Cooper haben wir sogar versucht, dieses Gefühl von Effizienz, Glätte und Sauberkeit zu erzeugen [indem wir den Frontgrill geschlossen und die Radlauf-Applikationen entfernt haben]. Einige dieser Ansätze gefallen mir.

Weggelassene Heckscheiben.

Durch eine Kamera ersetzt? Schwierig. Aus Sicht eines Menschen, der sehr auf Form und Funktion achtet – und vielleicht liegt’s auch an mir, weil ich dafür zu ungeschickt bin – mag ich das Analoge. Digitale Rückspiegel und Aussenspiegel sind nicht nötig.

Überdimensionierte Räder.

Vielleicht ist es der Autodesigner in mir, aber ich mag grosse Räder. Jeder mag grosse Räder. Trotzdem braucht es auch hier ein vernünftiges Mass. Manchmal schaue ich auf alte Mini-Räder in 13 oder 14 Zoll (ca. 33 bzw. 36 cm) und denke: Die sind richtig cool – aber eben nur an einem sehr kleinen Auto. Heute würde das nicht mehr funktionieren. Wenn ein modernes Auto mit zu kleinen Rädern kommt, wirkt es ziemlich albern. Aber zu gross ist auch schlecht; gerade bei Konzeptfahrzeugen denke ich manchmal: „Ach komm schon, Leute“.

Beleuchtete Embleme.

Meine Antwort wäre: „ein Meer der Gleichförmigkeit“. Du siehst es einmal, und eine Woche später siehst du es fünfmal. Für mich ist das gefährlich, weil alle scheinbar dieselbe Idee haben – und am Ende fährt jeder mit leuchtendem Logo und durchgehendem Lichtband vorne herum.

Und schau dir manche Bremsleuchten aktuell an. Für Mini ist es extrem wichtig, die bekannte Signatur zu bewahren – so, dass jedes fünfjährige Kind Mini von anderen Autos unterscheiden kann: die zwei runden Scheinwerfer, der Grill und vielleicht Zusatzscheinwerfer.

Ich mache diesen Test mit dem Designteam, wenn wir über ein neues Design oder die nächste Mini-Generation sprechen. Dann sollen sie etwas als klassische Autoskizze zeichnen – und danach dasselbe auf dunklem Papier, nur mit der Lichtsignatur so, wie sie nachts wirken würde.

Ich will den Mini erkennen. Bei Dingen wie Lichtbändern und leuchtenden Logos – ganz persönlich gesprochen – bin ich kein Fan.

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