Der „Hellcat“-V8 ist so ein Motor, der nicht nur über die Ohren kommuniziert, sondern gleich über den ganzen Brustkorb: Er erfindet neue Bassfrequenzen direkt in den Rippen. Vor allem dann, wenn man – nicht gerade die klügste Entscheidung – genau zwischen den Auspuffendrohren Platz nimmt, die diesen Lärm produzieren. Als moderne Legende kommt hier ein 6,2-Liter-V8 zum Einsatz, obenauf ein 2,4-Liter-Kompressor, der 13psi (rund 0,9bar) Ladedruck aufbaut. Ergebnis: 777bhp und 680lb ft Drehmoment – Kraft im einstelligen-mpg-Bereich, begleitet von einem tiefen, drückenden Grollen, das eine regelrechte Schallwelle aussendet: Köpfe drehen sich, Hälse recken sich, und hier und da sieht man leicht besorgte Gesichter.
In diesem Fall steckt das Paket in einem Fahrzeug, das aus dem Stand in 3.4 secs auf 60mph (rund 97km/h) kommt, ordentlich Querbeschleunigung schafft und vermutlich mehr als 170mph (über 274km/h) Spitze erreicht. Und ja: Es handelt sich um einen Pick-up. Das ist der Ram 1500 Rumble Bee SRT – kognitive Dissonanz mit Doppelkabine.
Hellcat-V8: Druck, Ladedruck und 777bhp
Optisch wirkt das Ganze auf eine merkwürdig überzeugende Art grossartig. Die Quad-Cab sitzt auf einem um 13-inches (etwa 33cm) verkürzten Chassis; dazu kommen kräftige, rund ausmodellierte Radhäuser auf einer Draufsicht, die angenehm stämmig und kurz wirkt. Vorne eine nach vorn „stürzende“ Keilform, ein grosser Splitter, hinten eine Ladeflächenabdeckung samt Spoiler – und darunter zwei Auspuffrohre, die wie Mörser aussehen. Das ist nicht bloss „Disco-Fitnessstudio-Optik“: Hier steckt spürbar auch etwas Powerlifter-Mentalität drin.
Ram 1500 Rumble Bee SRT: Antrieb, Fahrwerk und Bremsen
Trotz des Auftritts ist der Rumble Bee SRT keineswegs grobschlächtig konstruiert. Ein vollwertiger Allradantrieb mit wählbarer Antriebscharakteristik bringt die Leistung über ein Achtgang-TorqueFlite-Automatikgetriebe mit Schaltwippen auf den Boden. Dazu gibt’s Bilstein Damptronic mit Dual-Valve-Technik, also semi-aktive Dämpfer, ein Sperrdifferenzial, Launch-Control und hinten eine „e-Spool“-Vollsperre, die „verspieltes Übersteuern und qualmende Burnouts“ ermöglichen soll – mutmasslich für Drag-Starts.
Auch die Fahrmodi sind genau die, die man heute in modernen Sportwagen erwartet. Und die Vorderachse bremst mit 410x42mm-Scheiben und Sechskolben-Sätteln – Dimensionen wie bei Bentley. Entsprechend sollte er auch verzögern können. Die Felgen messen 22in x 12 (rund 56cm x 30cm) und tragen hinten 325mm breite Reifen. Breitere Serien-Hinterreifen kennt das Archiv sonst nur vom legendären Viper – und tatsächlich fühlt sich der „Bee SRT“ dem V10-Snake auf eine seltsam kumpelhafte Weise verwandt: Beide sind gross, brutal, kompromisslos. Und giftig.
Aerodynamik und Kühlung bis 170+mph
Nur: Einen Muscle-Truck zu bauen, der wirklich hohe Geschwindigkeiten stabil verkraftet, ist eben nicht damit erledigt, einfach so viel Leistung wie möglich hineinzupacken. Man kann sich vorstellen, wie die Aerodynamiker die Front des „Bee“ betrachtet, seufzend den Kopf geschüttelt und erst einmal einen beruhigenden Spaziergang gemacht haben. Denn der Fokus musste zwangsläufig auf Kühlung und Stabilität liegen – schliesslich sind Pick-ups für 170mph nicht berühmt, wenn sie aerodynamisch ungefähr die Umgebung eines Scheunentors mitbringen. Und trotzdem: Das hier ist ein Truck mit Abtrieb, allerdings so ausgelegt, dass bei Tempo eher Ruhe als gefährliche Aufregung entsteht.
Vorn ist reichlich Öffnung für die Kühlung der verschiedenen Systeme vorgesehen – Ölkühler, Getriebe, Bremsen und natürlich der Motor. Der 4.5in (etwa 11,4cm) breite Frontsplitter lenkt die Luft dabei spürbar entschlossen: Er wird um 10mm gegen die untere Frontschürze „abgestützt“, um die Balance der Anpresskräfte zwischen Vorder- und Hinterachse zu halten. Direkt dahinter sitzt ein Bauteil, das wie eine Unterfahrschutzplatte wirkt, aber doppelt arbeitet: Ram nennt es „Aero-Schild“, weil es überschüssige Luft in den Unterbodenbereich umlenkt. Dazu passen die nach vorn geneigte, abgesenkte Haltung, die den Luftstrom unter dem Fahrzeug ordnet, und der Spoiler an der Heckklappe, der den Splitter vorne ausbalancieren soll.
Dieser Heckklappen-Spoiler ist als 80mm-Lippe ausgeführt, über acht unterschiedliche Befestigungspunkte an der Klappe verschraubt und aus thermoplastischem Polyolefin (TPO) gefertigt – stabil genug, um auch bei echtem Alltagsbetrieb nicht sofort klein beizugeben, wenn es mal einen Rempler gibt. Man merkt: In diesem Paket steckt viel Detailarbeit.
Innenraum, Ausstattung und die „Bienen“-Alternativen
Gleichzeitig ist der Rumble Bee SRT kein radikal abgespeckter Monomane. Innen gibt’s einen hochwertig lederbezogenen Raum mit Carbon-Akzenten und elektrischer Verstellung „für alles“, einen riesigen 12.3in-Touchscreen (rund 31,2cm), ausgesprochen bequeme Sitze und mehr Becherhalter, als man mit einem Big Gulp sinnvoll beschäftigen könnte. Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, dazu ein klar ablesbares Head-up-Display, mehrere Lademöglichkeiten und 19 Lautsprecher, die irgendwie in den Innenraum „hineinverhandelt“ wurden. Unterm Strich: ein Luxus-Truck für Menschen, die schnell leben wollen.
Und wer die Optik und einen Teil des Gefühls möchte, ohne den geldbeutelverwelkenden Kompressor, bekommt innerhalb des Schwarms auch weniger brutale „Bees“: den 5,7-Liter-V8 als Basis (395hp, schwarzes und graues Bee-Emblem), den 6,4-Liter „392“ mit 470hp sowie die Track-Pack-Variante desselben Motors – ebenfalls mit identischer Leistung, aber mit dynamischen Performance-Upgrades. Diese beiden tragen ein schwarzes und gelbes Emblem. Der SRT wiederum fährt schwarz-orange, mit weiter nach hinten gezogenen Flügeln und deutlich mehr … Aggression. Und nein: Es ist tatsächlich keine Wespe.
Muscle-Truck-Historie: 1978, SRT-10 und der Rekordanspruch
Die Idee eines „Muscle-Truck“ ist natürlich nicht neu. Dodge hat das Genre 1978 mit dem D150 „Little Red Express“ erfunden – mit 225bhp und 350 cubic inches (rund 5.735cm³) V8. Benannt nach dem markanten Farbton „Canyon Red“, stammte der Motor aus einem aufgepeppten Polizeiwagen, und damals wurde das Modell als „das schnellste in Amerika gebaute Fahrzeug von 0–100mph“ beworben. Typisch waren Auspuffstacks, dekoratives Holz an den Seiten der Ladefläche und goldene Zierlinien. Damit war das unartigste Auto 1978 ausgerechnet ein Pick-up – und es tauchte in einer Werbekampagne auf, die schlicht „Erwachsenenspielzeug“ hiess. Das klingt gleich noch ein Stück unartiger. Für Extra-Nerdpunkte gab es ausserdem eine schwarze Version namens „Warlock“, die bis auf die Farbe identisch war – aber deutlich seltener.
Dann kam 2006 der SRT-10: ein Ram 1500 mit Viper-Motor, 500bhp aus dem 8,3-Liter-Saug-V10, der ihm unter die Haube gestopft wurde. Bis heute gilt er als der schnellste in Serie gebaute Strassen-Truck, mit verifizierter Höchstgeschwindigkeit von mehr als 154mph (rund 248km/h). Wobei das – je nach dem, an welchem Tag man das hier liest – genau einen Tag später schon anders aussehen könnte: Denn am Tag nach unserem Besuch sollte der Rumble Bee SRT versuchen, diesen Rekord zu kassieren. Zwei Jahrzehnte Aerodynamik-Kompetenz und mehr als 50 Prozent zusätzliche Leistung dürften dabei helfen.
Und genau darum geht’s: Der Ram 1500 Rumble Bee SRT zielt ganz klar darauf, der schnellste Pick-up der Welt zu sein – und wir haben keinen Zweifel, dass er das schaffen wird. Ein Nischenrekord, sicher, aber einer mit ordentlich Biss. Vernünftig ist dieses Fahrzeug nicht – selbst wenn man theoretisch ein paar Balken Holz hinten aufladen und dann absurd schnell ausliefern könnte. Es ist vielmehr ein Auto, dem „weil wir’s können“ hinter die Unterlippe tätowiert wurde.
Er ist zweckfrei, grossartig und eine sehr amerikanische Interpretation davon, wie „schnell“ aussehen darf. Und eine, für die wir absolut zu haben sind.
17 Minuten 12 Sekunden
Preis: N/A - related TRX starts at $99,995
Motor: „HellCat“ 6.2-litre (392 cu-inch) supercharged V8
Leistung: 777bhp @ 6,500rpm, 680lb ft of torque @4,800rpm
Getriebe: Frontmotor, Allradantrieb, 8-Gang-Automatik mit Schaltwippen
Effizienz: 15-16mpg (combined), n/a g/km CO2
Fahrleistungen: 3.4 secs to 60mph, 170+mph top speed
Gewicht: 2,950 - 3,080kg (est)
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