Zum Inhalt springen

SEAT Leon 1.5 TSI 130 cv Xcellence im Test

Roter Seat Leon 130 in einem Showroom, frontal mit sichtbaren LED-Scheinwerfern und modernen Felgen.

Gerade erst mit dem Titel „Auto des Jahres 2021“ in Portugal ausgezeichnet, bringt der SEAT Leon etliche überzeugende Argumente mit, die diese Wahl nachvollziehbar machen. Ein entscheidender Punkt ist dabei die sehr breite Motorenpalette: von Benzin über CNG (Erdgas) bis hin zu Plug-in-Hybriden und Mild-Hybrid-Varianten (MHEV) ist für nahezu jedes Profil etwas dabei.

Die Version, die wir hier im Fokus haben, ist der 1.5 TSI mit 130 cv – eine Kombination, die auf dem Papier als besonders ausgewogen innerhalb der Baureihe gilt. Aber wie schlägt sie sich tatsächlich auf der Strasse? Genau darum geht es in den folgenden Abschnitten.

Vier Tage lang waren wir mit einem Leon 1.5 TSI mit 130 cv in der Ausstattungslinie Xcellence unterwegs und haben ihn im Alltag wie auch unter anspruchsvolleren Bedingungen gefordert: typische Stadtstrecken, längere Passagen auf Autobahn und Schnellstrasse sowie zügigere Abschnitte dazwischen. Das reichte aus, um ein klares Bild davon zu bekommen, was dieser Leon kann – und ohne das Urteil vorwegzunehmen: Er hat uns überrascht.

Xcellence ist vom Anspruch her auf Augenhöhe mit dem sportlicher positionierten FR, setzt aber stärker auf die „elegantere“ Interpretation des Modells. Das zeigt sich in weicheren, edleren Oberflächen und in komfortableren Sitzen (ohne elektrische Verstellung serienmässig). Gleichzeitig fehlt die spezifische, straffere FR-Fahrwerksabstimmung – was zunächst auf eine weniger dynamische Fahrerfahrung hindeuten könnte.

Umso interessanter: Unser Testwagen hatte das optionale „Dynamik- und Komfortpaket“ an Bord (783 Euro). Es ergänzt die progressive Lenkung (im FR serienmässig) sowie die adaptive Fahrwerksregelung – und der Unterschied ist deutlich.

Dank der adaptiven Fahrwerksregelung, die SEAT als DCC bezeichnet, stehen 14 verschiedene Abstimmungen zur Wahl. Damit lässt sich der Leon klar in Richtung Komfort trimmen oder spürbar straffer für engagiertes Fahren auslegen. Der Schlüsselbegriff lautet damit Vielseitigkeit: Dieser Leon wirkt in praktisch jeder Situation sehr ausgewogen und vernünftig.

Fahrwerk lässt keine Zweifel

In unserer Redaktion hatten wir bereits Gelegenheit, die vierte Generation des SEAT Leon in mehreren Konfigurationen zu fahren – und ein Punkt sticht immer wieder hervor: das Fahrwerk. Die MQB-Evo-Basis ist zwar dieselbe wie bei den „Cousins“ Volkswagen Golf und Audi A3, doch der neue Leon ist so abgestimmt, dass er eine eigenständige Charakteristik beanspruchen kann.

Unterm Strich präsentiert er sich vorhersehbar und sehr effizient: Auf langen Etappen bietet er ein hohes Komfortniveau, gleichzeitig verweigert er sich aber nicht, wenn es auf kurvigen, anspruchsvolleren Strecken zur Sache geht. Dann passt das Gewicht der Lenkung gut zum Gesamteindruck – und das Zusammenspiel aus Motor und Getriebe wirkt deutlich lebendiger.

Was taugt der 1.5 TSI mit 130 cv wirklich?

Der 1,5-Liter-TSI (Benzin) mit vier Zylindern leistet 130 cv und stellt maximal 200 Nm bereit. Innerhalb der Motorenpalette ist das eine mittlere Variante – und genau deshalb hat sie das Potenzial, zu den ausgewogensten Optionen zu gehören. Aber gilt hier wirklich: in der Mitte liegt die Tugend?

In Kombination mit dem manuellen Sechsganggetriebe sprintet der Leon in 9,4 s von 0 auf 100 km/h und erreicht 208 km/h Spitze. Das sind keine spektakulären Zahlen, doch die Abstimmung, die SEAT hier gewählt hat, wirkt auf der Strasse ausgesprochen flink, angenehm zu fahren und vermittelt subjektiv den Eindruck, als stecke mehr Leistung dahinter als auf dem Datenblatt.

Trotzdem hat dieser Motor gewissermassen zwei Gesichter: Unterhalb von 3000 U/min läuft er sehr weich und bleibt akustisch zurückhaltend, wirkt bei der Durchzugskraft aber eher unauffällig. Oberhalb dieser Marke ändert sich das Bild – weiterhin kultiviert, aber mit spürbar mehr „Lust“ und Energie.

Einen Teil der „Schuld“ trägt das manuelle Sechsganggetriebe: Es schaltet sich präzise und angenehm, ist jedoch relativ lang übersetzt. Genau das hält die Drehzahl oft unter 3000 U/min und priorisiert damit den Verbrauch. Wer aus dem Motor – und aus diesem Fahrwerk – mehr herausholen möchte, greift daher häufiger als erwartet zum Schalthebel.

Und der Verbrauch?

Mit diesem Leon 1.5 TSI Xcellence haben wir viele Kilometer gesammelt – verteilt auf Stadt, Schnellstrassen und Autobahn. Bei der Rückgabe an SEAT Portugal stand im Schnitt ein Verbrauch von sieben Litern pro 100 Kilometer.

Dieser Wert liegt über den offiziellen 5,7 l/100 km (kombinierter Zyklus), die die spanische Marke für diese Version (mit 18-Zoll-Felgen) angibt. Gleichzeitig gilt: Auf der Autobahn und auf freier Landstrasse waren ohne grossen Aufwand Mittelwerte unter 6,5 l/100 km möglich. Am Ende haben die urbanen Abschnitte die Gesamtsumme jedoch „nach oben geschoben“.

Dennoch sind die von uns ermittelten 7,0 l/100 km angesichts dessen, was dieser SEAT Leon 1.5 TSI Xcellence mit 130 cv bietet, kaum ein Problem – zumal wir nicht gezielt auf Sparrunden aus waren. Zur Erinnerung: Dieser Motor verfügt über ein System, das zwei der vier Zylinder deaktivieren kann, sobald das Gaspedal nicht unter Last steht.

Markantes Erscheinungsbild

Mit jedem weiteren Monat wird deutlicher, wie gut der spanischen Marke das Design der vierten Generation ihres Kompakten gelungen ist. Schärfer gezeichnete Linien, eine längere Motorhaube und eine steiler stehende Frontscheibe erzeugen einen dynamischeren Eindruck. Besonders prägend ist jedoch die neue Lichtsignatur – eine Linie, die SEAT bereits beim Tarraco angedeutet hat –, die dem Leon ein eigenständigeres und wirkungsvolleres Profil verleiht. Dieses Thema hatte Diogo Teixeira bereits beim ersten Kontakt mit dem spanischen Modell ausführlicher erläutert.

Platz ist reichlich vorhanden…

Im Innenraum sorgt die MQB-Plattform des Volkswagen Konzerns für gute Platzverhältnisse. Weil der Leon einen um 5 cm längeren Radstand als die „Cousins“ Golf und A3 mitbringt, bietet er auf der zweiten Sitzreihe spürbar mehr Beinfreiheit.

Die Rücksitze sind praktisch und sehr bequem, und auch bei Knie-, Schulter- und Kopffreiheit liegt das Angebot über dem Segmentdurchschnitt – der Leon steht damit auch hier sehr gut da.

Der Kofferraum fasst 380 Liter, mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1301 Liter. Sowohl der Golf als auch der A3 bieten ebenfalls 380 Liter Ladevolumen.

Technologie und Qualität im Innenraum

Bei Materialien und Verarbeitung präsentiert sich der Innenraum auf hohem Niveau – was in dieser Xcellence-Ausstattung noch stärker zur Geltung kommt. Sie „bringt“ komfortablere Sitze mit einem sehr angenehmen Bezug mit. In diesem Punkt gibt es wenig zu kritisieren.

Anders sieht es bei der Touch-Leiste aus, über die sich Lautstärke und Klimatisierung steuern lassen – ein Thema, das auch andere Modelle des Volkswagen Konzerns mit der neuen MIB3-Elektronikplattform betrifft. Optisch wirkt die Lösung modern, weil sie fast alle physischen Tasten überflüssig macht, in der Bedienung könnte sie aber intuitiver und präziser sein, vor allem nachts, da sie nicht beleuchtet ist.

Ist das das richtige Auto für Sie?

Am Ende unserer Fahrberichte steht stets diese Frage – und wie so oft gibt es darauf keine endgültige Antwort. Wer, so wie ich, jeden Monat viele Autobahnkilometer abspult, sollte möglicherweise die Diesel-Varianten des Leon in Betracht ziehen, etwa den Leon TDI FR mit 150 cv, den João Tomé kürzlich getestet hat.

Wenn Ihre Wege hingegen überwiegend gemischt ausfallen, können wir sagen: Dieser 1.5 TSI mit 130 cv (und dem manuellen Sechsganggetriebe) erledigt den Job.

Der SEAT Leon 1.5 TSI 130 cv Xcellence ist ein sehr interessantes Auto zu fahren – insbesondere in Verbindung mit der progressiven Lenkung und der adaptiven Fahrwerksregelung, die unser Testwagen hatte. Mit der Besonderheit, dass er sich auf der Autobahn dank seiner Laufruhe und seines Komforts ebenso überzeugend zeigt wie auf der Landstrasse mit anspruchsvolleren Kurven. Dort muss man allerdings öfter zur Schaltung greifen, um das volle Potenzial dieses fantastischen Fahrwerks auszuschöpfen.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen