In seiner dritten Generation wurde beim Mercedes-Benz GLA nahezu jedes Detail überarbeitet. Er ist gewachsen, nutzt nun die neue Plattform von CLA und GLB – und wird erstmals auch mit rein elektrischen Antrieben angeboten.
Dieser Schritt sorgt zugleich für mehr Klarheit in der kompakten Modellpalette von Mercedes-Benz: Der neue GLA ersetzt nicht nur den bisherigen gleichnamigen Kompakt-SUV, sondern übernimmt gleichzeitig die Rolle des Elektro-EQA. Damit laufen Mild-Hybrid- und Elektrovarianten künftig unter derselben Bezeichnung – ein Ansatz, den wir bereits beim neuen GLB gesehen haben, der seinerseits den EQB abgelöst hat.
Wir konnten den neuen Mercedes-Benz GLA in Helsinki (Finnland) kennenlernen. Technisch teilt er sich die Basis weitgehend mit CLA und GLB, soll aber dennoch eigenständig auftreten. Das Video zeigt, ob ihm dieser Spagat gelingt.
Gewachsen, aber niedriger
Der Fortschritt zeigt sich zuerst bei den Abmessungen: Der neue Mercedes-Benz GLA ist 4565 mm lang – das sind 143 mm mehr als zuvor. Der Radstand beträgt 2790 mm, was einem Plus von 61 mm entspricht.
Trotzdem fällt die Karosserie um 20 mm niedriger aus. Zusammen mit der um 31 mm breiteren Hinterspur, den stark ausgeformten Kotflügeln und den 18″- bis 20″-Felgen wirkt er sportlicher und steht sichtbar satter auf der Straße.
In der Realität bleibt er klar als GLA erkennbar. Es gab keinen harten Bruch zum Vorgänger, allerdings orientiert sich die Formensprache stärker an den jüngeren Mercedes-Benz Modellen. Besonders gelungen wirkt aus meiner Sicht das Heck – vor allem wegen der Lichtsignatur, die sich optisch über die gesamte Breite der Karosserie zieht.
Vorne dürften die Hybridversionen eher den Massengeschmack treffen als die elektrischen Modelle. Letztere bekommen einen nahezu geschlossenen Grill mit 608 Lichtpunkten und bis zu 158 Mikro-LED sowie den zentral leuchtenden Stern. Dieser Effekt fällt sofort ins Auge: nicht zwingend unpassend, aber durchaus gewöhnungsbedürftig – insbesondere, wenn die verschiedenen Lichtanimationen ablaufen.
Ein CLA als SUV
Im Innenraum ist die Nähe zum CLA noch deutlicher. Das Armaturenbrett kann mit dem MBUX Superscreen ausgestattet werden: 10,25″ großes Kombiinstrument, 14″ Zentraldisplay und ein weiteres 14″ Display für den Beifahrer. Der Beifahrerbildschirm ist optional.
In Summe fühlt es sich an wie ein CLA im SUV-Format. Bauteile, Materialanmutung und grafische Darstellung ähneln sich stark, zugleich sitzt man höher und profitiert von mehr Platz – besonders in der zweiten Reihe.
Ich bin 1,81 m groß und konnte hinter meiner eigenen Fahrposition bequem Platz nehmen – mit reichlich Bein- und Kopffreiheit. Auch die Sitzhaltung passt, die Knie stehen nicht unnatürlich hoch. Das unterscheidet sich vom neuen elektrischen C‑Klasse Modell, das ich beim selben Termin gefahren bin, obwohl auch dort die Batterie unter dem Fahrzeugboden sitzt.
Der längere Radstand bringt hinten 38 mm zusätzliche Beinfreiheit. Die verfügbare Kopffreiheit nahm um 23 mm vorn und um 24 mm hinten zu – obwohl der kompakte Mercedes-SUV außen niedriger geworden ist.
Die Materialqualität wirkt insgesamt hochwertig, auch im oberen Bereich von Armaturenbrett und Türen. Dennoch sind die Kunststoffe an den Rückseiten der Vordersitze und im mittleren Bereich der zweiten Reihe deutlich härter und weniger sorgfältig ausgeführt.
Mehr Kofferraum und ein großer Stauraum unter der Haube
Der Kofferraum der Elektroversion bietet laut Angaben 410 Liter – 70 Liter mehr als beim bisherigen EQA. Mit umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen auf 1400 Liter.
Der entscheidende Trumpf sitzt jedoch vorne: Beim elektrischen GLA gibt es ein Fach unter der Fronthaube mit 107 Litern. Dort lassen sich Ladekabel verstauen, ein Kabinenkoffer oder sogar eine Getränkekiste.
Addiert man beide Stauräume, stehen damit insgesamt mehr als 500 Liter zur Verfügung. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber den Mild-Hybrid-Versionen (mild hybrid): Sie bieten zwar 415 Liter im Heck, verfügen aber nicht über diesen zusätzlichen Stauraum vorn.
Elektrisch mit bis zu 657 km
Zum Start umfasst die Elektrobaureihe drei Varianten. Der GLA 200 electric leistet 165 kW (224 PS) und nutzt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 58 kWh nutzbarer Kapazität.
Darüber positioniert sich der GLA 250+ electric mit 200 kW (272 PS), einer NMC-Batterie mit 85 kWh und bis zu 657 km Reichweite nach WLTP – er ist damit die Langstreckenversion der Baureihe.
An der Spitze steht der GLA 350 4MATIC electric: zwei Motoren, Allradantrieb und 260 kW (354 PS). Den Sprint von 0–100 km/h erledigt er in 5,4 Sekunden und kommt auf bis zu 579 km Reichweite.
Dank 800‑V‑Architektur sind Schnellladeleistungen von bis zu 320 kW möglich. Unter idealen Bedingungen kann der GLA in 10 Minuten bis zu 270 km Reichweite nachladen. Beim AC-Laden ist ein 11‑kW-Onboard-Lader serienmäßig, optional sind bis zu 22 kW erhältlich. Zusätzlich plant Mercedes-Benz eine vierte Elektroversion mit einer NMC-Batterie mit 71 kWh.
GLA auch mit Benzinmotor
Anfang 2027 wird die Palette um Hybridvarianten erweitert, die auf dem 1,5‑Liter-Turbobenziner basieren, der mit dem CLA eingeführt wurde. Dazu kommt ein 8‑Gang-Doppelkupplungsautomatikgetriebe.
Der Elektromotor sitzt in der Getriebeeinheit und liefert in begrenzten Phasen bis zu 22 kW beziehungsweise 30 PS. Versorgt wird er von einer 48‑V-Batterie mit 1,3 kWh.
Trotz der geringen Kapazität ermöglicht das System elektrisches Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten. Außerdem kann das Fahrzeug segeln, also mit abgeschaltetem Verbrenner rollen – sogar oberhalb von 100 km/h, sofern die geforderte Leistung 22 kW nicht überschreitet.
In Portugal soll die Hybridreihe aus GLA 200, GLA 220 und GLA 220 4MATIC bestehen. Mercedes-Benz hat dazu noch keine technischen Daten genannt, die Antriebe werden jedoch erneut mit CLA und GLB geteilt. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Leistungen bei 163 PS beziehungsweise 190 PS liegen.
Wann kommt er?
Die ersten Exemplare des neuen elektrischen Mercedes-Benz GLA starten in Europa im November 2026. Der Marktstart in Portugal ist für Anfang 2027 geplant – zunächst mit dem GLA 250+ und dem GLA 350 4MATIC.
Der GLA 200 electric als elektrischer Einstieg dürfte später folgen, voraussichtlich Ende 2027. Erwartet wird ein Preis unter 50.000 Euro, auch wenn die Portugal-Preise noch nicht bestätigt sind. In Deutschland öffnen die Bestellbücher am 30. Juli; der Start in weiteren Märkten soll kurz darauf folgen.
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