Der vollständige Name lautet MINI Electric Pacesetter inspired by JCW – und genau dieses Einzelstück wird das neue „Safety Car“ der Formel E. Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen MINI Design, BMW Motorsport, der FIA und der Formel E.
Als Basis dient der MINI Cooper SE (der elektrische MINI). Entsprechend übernimmt der Pacesetter den kompletten elektrischen Antriebsstrang: den Elektromotor mit 184 PS und 280 Nm, das einstufige Reduktionsgetriebe sowie die 32,6-kWh-Batterie.
Trotz identischer Leistung fällt das Auto dank umfangreicher Umbauten innen wie aussen deutlich anders aus – und die Änderungen sorgen am Ende auch für spürbar knackigere Beschleunigungswerte.
Diät
Damit das gelingt, hat BMW Motorsport dem MINI Electric Pacesetter inspired by JCW eine konsequente Diät verordnet. Unterm Strich stehen rund 130 kg weniger als beim Cooper SE, womit das Gesamtgewicht bei 1230 kg liegt. Den grössten Anteil daran hat offenbar ein radikal entschlackter Innenraum.
Wie beim MINI JCW GP entfällt die Rückbank komplett; stattdessen sitzt dort eine an die Karosseriestruktur angeschweisste roll cage (Sicherheitszelle). Vorn kommen Schalensitze mit Sechspunktgurt zum Einsatz – bezogen mit herausnehmbaren Polstern. Selbst das grosse zentrale Display hat nicht „überlebt“: An seiner Stelle gibt es lediglich eine Abdeckung aus Carbon, um nochmals Gewicht zu sparen.
Auch das Sportlenkrad ist verändert: Es kommt ohne Airbag und trägt stattdessen einen ebenfalls aus Carbon gefertigten Aufpralldämpfer. In der Mittelkonsole befinden sich der Wählhebel der Kraftübertragung, die Handbremse sowie Schalter für die verschiedenen Signalleuchten – wobei Carbon auch hier das bevorzugte Material ist.
Mehrere Elemente im Innenraum sind Sonderteile und entstehen mittels 3D-Druck (additive Fertigung). Dazu zählen nicht nur die herausnehmbaren Polster der Schalensitze, sondern ebenso der Aufpralldämpfer am Lenkrad, die Mittelkonsole und die Innenverkleidung der Fahrertür (inklusive Zugband zum Öffnen/Schliessen der Tür).
Ganz praktisch zeigt sich die geringere Masse in Beschleunigung und Durchzug: 0-100 km/h gelingen in 6,7s (gegenüber 7,3s beim Serienmodell), und 80-120 km/h werden in 4,3s erledigt – statt 4,6s im Cooper SE.
Super-Chassis
Neben dem Gewichtsverlust wurde auch das Fahrwerk deutlich überarbeitet. Der MINI Electric Pacesetter übernimmt dabei mehrere Komponenten vom kompromisslosen John Cooper Works GP – darunter Vierkolbenbremsen und 18″-Räder, hier allerdings mit einer eigenen Oberflächenoptik. Bereift sind sie mit Michelin Pilot Sport 245/40 R18 – exakt derselben Reifen-/Dimension-Kombination, die bei den Formel-E-Einsitzern an der Vorderachse verwendet wird.
Da das Auto ausschliesslich für den Rundkurs vorgesehen ist, erhält es eine rennsporttaugliche Abstimmung: dreifach verstellbare coilovers, Lagerpunkte der Querlenker in Motorsport-Spezifikation sowie um 10 mm verbreiterte Spuren.
Einzigartig – auch optisch
Obwohl der MINI Electric Pacesetter inspired by JCW vom Cooper SE abstammt und optische Bezüge zum John Cooper Works GP zeigt, trägt er eine klar eigenständige Handschrift – als wäre er das Ergebnis einer „Verbindung“ der beiden genannten Modelle.
Das Aerodynamikpaket fällt üppig aus. Die typische MINI-Front wird durch eine ausgeprägte Frontschürze und splitters ergänzt. Weil es sich um ein Elektrofahrzeug handelt, sind viele der üblichen Öffnungen (etwa der hexagonale Grillbereich) verschlossen; funktionale Öffnungen bleiben vor allem unten, um kühle Luft gezielt zu den Bremsen zu leiten.
In der Seitenansicht fallen eigenständige Verbreiterungen mit aufgesetzten aerodynamischen Kanten auf – nicht identisch mit denen des JCW GP, aber mit derselben Aufgabe: Platz für die breiteren Räder und die grössere Spurweite schaffen. Am Heck geht es ebenfalls alles andere als zurückhaltend zu – ganz im Gegenteil. Dort sitzt ein Heckflügel, der für den Einsatz als „Safety Car“ ein Leuchtenpaket integriert; weiter unten arbeitet ein auffällig gross dimensionierter Diffusor.
Viele dieser Anbauteile sind – wie bereits im Innenraum – spezifisch für dieses Fahrzeug und entstehen ebenfalls per 3D-Druck.
„Safety Car“
Seinen Einstand als „Safety Car“ der Formel E gibt der MINI Electric Pacesetter inspired by JCW am 10. April beim zweiten Event (drittes Rennen) der Saison 2021 in Rom, Italien. Am Steuer sitzt der Portugiese Bruno Correia, der offizielle FIA Formula E Safety Car-Pilot.
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