Der Lexus LF-Z Electrified ist ein fahrendes Manifest dafür, was die Marke in den kommenden Jahren vorhat. Wie der Name bereits andeutet, wird diese Zukunft (auch) deutlich elektrischer ausfallen – und deshalb überrascht es nicht, dass es sich hierbei ebenfalls um ein Konzeptfahrzeug mit Elektroantrieb handelt.
Elektrifizierung ist für Lexus kein Neuland: Mit der frühen Einführung der Hybridtechnik gehörte die Marke zu den Vorreitern. Seit dem Start des ersten Hybrids, dem RX 400h, wurden insgesamt ungefähr zwei Millionen elektrifizierte Fahrzeuge verkauft. Die Strategie zielt nun darauf ab, die Hybridlinie nicht nur fortzuführen, sondern sie mit Plug-in-Hybriden auszubauen und zugleich eine entschlossene Offensive bei 100% elektrischen Modellen zu starten.
Bis 2025 will Lexus 20 Modelle auf den Markt bringen – teils neu, teils überarbeitet. Mehr als die Hälfte davon soll als 100% Elektroauto, Hybrid oder Plug-in-Hybrid angeboten werden. Zahlreiche Technologien, die im LF-Z Electrified gezeigt werden, sollen in diesen Baureihen wieder auftauchen.
Spezifische Plattform
Der LF-Z Electrified steht auf einer neuen, speziell für Elektrofahrzeuge entwickelten Plattform. Damit unterscheidet er sich vom UX 300e, dem (aktuell) einzigen 100% elektrischen Serienmodell von Lexus, das auf einer für Verbrennungsmotoren konzipierten Architektur basiert und entsprechend angepasst wurde.
Gerade diese dedizierte Basis erklärt die Proportionen des elektrischen Crossovers: eine coupéartige Silhouette, sehr kurze Überhänge und – optisch zusätzlich betont – groß dimensionierte Räder.
Kompakt ist der Wagen nicht. Länge, Breite und Höhe betragen 4,88 m, 1,96 m und 1,60 m; der Radstand fällt mit 2,95 m ausgesprochen großzügig aus. Sollte der Lexus LF-Z Electrified damit auch als direkter Vorbote eines künftigen Serienmodells dienen, würde er klar oberhalb des UX 300e positioniert.
Formal entwickelt Lexus die aktuelle Designsprache weiter und hält an einer ausdrucksstarken Skulptur fest. Im Mittelpunkt steht eine Neuinterpretation des „Spindle“-Grills: Die markentypische Form bleibt erkennbar, ist jedoch nahezu geschlossen und in Wagenfarbe ausgeführt – ein deutlicher Hinweis auf den elektrischen Charakter.
Hinzu kommen schmale Leuchtengruppen vorne wie hinten. Am Heck spannt sich über die gesamte Breite ein Lichtband, das aus vielen kleinen vertikalen Segmenten aufgebaut ist. In dieser Leiste sitzt auch das neue Lexus-Logo mit neuer Typografie. Ebenfalls auffällig ist die „Finne“ auf dem Dach, die eine zusätzliche Leuchte integriert.
„Tazuna”
Während das Exterieur des Lexus LF-Z Electrified dynamische, expressive Linien und Flächen betont, wirkt der Innenraum bewusst reduzierter: minimalistisch, offen und stark architektonisch. Lexus bezeichnet ihn als Tazuna-Cockpit – ein Ansatz, der sich an der Beziehung zwischen Pferd und Reiter orientiert - wo haben wir das schon gehört? - und durch ein „halbes“ Lenkrad konkretisiert wird, ähnlich dem, das bei den überarbeiteten Tesla Model S und Model X zu sehen ist.
Wenn beim Pferd die Befehle über die Zügel laufen, werden sie in diesem Konzept durch die „enge Abstimmung von Schaltern am Lenkrad und einem Head-up-Display (mit Augmented Reality), die es dem Fahrer ermöglicht, Funktionen und Fahrzeuginformationen intuitiv abzurufen, ohne die Blickrichtung verändern zu müssen, und die Aufmerksamkeit auf der Straße zu halten“ neu interpretiert.
Lexus zufolge dürften kommende Innenräume der Marke deutlich von der LF-Z-Electrified-Architektur geprägt sein – vor allem bei der Anordnung der Elemente: Informationsquellen (Head-up-Display, Kombiinstrument und Multimedia-Touchscreen) werden in einem einzigen Modul gebündelt, während die Bedienelemente des Fahr-/Assistenzsystems rund um das Lenkrad gruppiert sind. Erwähnenswert ist außerdem der Einsatz von künstlicher Intelligenz als Interaktionsschnittstelle; sie soll aus Verhalten und Vorlieben „lernen“ und daraus künftig hilfreiche Vorschläge ableiten.
600 km Reichweite
Obwohl es sich um ein Konzeptfahrzeug handelt, hat Lexus mehrere technische Eckdaten zu Antrieb und Batterie veröffentlicht.
Die Batterie sitzt zwischen den Achsen im Plattformboden und kommt auf 90 kWh. Damit soll eine elektrische Reichweite von 600 km nach WLTP möglich sein. Gekühlt wird flüssig, geladen werden kann mit bis zu 150 kW. Vor allem der Energiespeicher gilt als Hauptgrund für die angegebenen 2100 kg dieses Konzepts.
Auch die Leistungswerte stechen hervor: 100 km/h erreicht der LF-Z Electrified in nur 3,0s, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h (elektronisch begrenzt). Verantwortlich dafür ist ein einzelner Elektromotor an der Hinterachse mit 544 cv Leistung (400 kW) und 700 Nm.
Damit die Leistung möglichst effektiv auf die Straße kommt, setzt Lexus auf DIRECT4 – ein sehr flexibel regelndes Allrad-Traktionskontrollsystem. Es kann je nach Bedarf als Heckantrieb, Frontantrieb oder mit Antrieb an allen vier Rädern arbeiten.
Ein weiterer Punkt ist die Lenkung: Sie arbeitet als by-wire-System, also ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkachse. Trotz der von Lexus genannten Vorteile – höhere Präzision und bessere Filterung unerwünschter Vibrationen – bleiben Fragen zum Lenkgefühl und zur Rückmeldung an den Fahrer offen, eine bekannte Schwäche eines ähnlichen Systems, das Infiniti im Q50 eingesetzt hat. Wird Lexus diese Technik in einem zukünftigen Serienmodell umsetzen?
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