In der Autoindustrie gilt fast überall die Faustregel: Je grösser und je teurer ein Auto ist, desto höher fällt in der Regel die Gewinnmarge aus. Bei Renault läuft es derzeit genau andersherum.
François Provost, CEO der Renault Group, hat das in einem Interview mit der französischen Zeitung Les Echos offen angesprochen.
„Wir erzielen beim R5, R4 und Twingo positive Margen, die höher sind als beim Megane oder beim Scenic, obwohl diese in einem höheren Segment angesiedelt sind“, erklärte er.
Das wirkt besonders bemerkenswert, weil viele europäische Hersteller noch immer damit kämpfen, ihre Elektro-Modelle wirklich profitabel zu machen. Wie kann also ein Renault 5 mehr abwerfen als ein Megane oder ein Scenic?
Die Erklärung liegt bei den Kosten
Schon zu Beginn des Projekts Renault 5 E-Tech setzte Renault ein klares Ziel: Die Entwicklungs- und Produktionskosten dieses Modells sollten deutlich sinken.
Ein zentraler Hebel war die Plattform. Die AmpR Small (früher als CMF-B EV bekannt), auf der der Renault 5 aufbaut, teilt rund 70% ihrer Komponenten mit der CMF-B der Verbrenner-Modelle, etwa dem Clio.
Allein diese Entscheidung drückte die Produktionskosten im Vergleich zum Renault Zoe um etwa 30% – etwas, das Luca de Meo, damals CEO der Renault Group, bereits 2022 angekündigt hatte, lange bevor der Renault 5 Realität wurde. Der eigentliche Vorteil steckt jedoch in der Industrialisierungsstrategie.
AmpR Small, gemeinsame Teile und Skaleneffekte bei R5, R4 und Twingo
Diese Strategie betrifft die gesamte neue Generation kompakter Renault-Elektroautos. R5, R4 und Twingo nutzen den überwiegenden Teil der mechanischen Komponenten gemeinsam – von Motoren und Fahrwerken bis hin zu Invertern und Batterie-Modulen.
Weil Renault identische Bauteile für drei unterschiedliche Modelle fertigt, steigen die Skaleneffekte spürbar, und die Stückkosten in der Produktion sinken. Zusätzlich dürfte sich dieser Effekt in diesem Jahr noch verstärken, da Dacia die Basis des Twingo nutzt, um eine neue Generation des Spring auf den Markt zu bringen.
Warum Megane E-Tech und Scenic E-Tech diesen Vorteil nicht haben
Beim Megane E-Tech und beim Scenic E-Tech fällt dieser Kostenvorteil weg. Beide stehen auf der AmpR Medium Plattform, deren Entwicklungs- und Fertigungskosten sich wegen der geringeren Produktionsmengen schwerer amortisieren lassen.
Beim Twingo: Entwicklungstempo als weiterer Kostensenker
Beim Twingo ging Renault bei der Kostensenkung noch einen Schritt weiter. Um die Entwicklung zu beschleunigen, wurde das ACDC (Advanced China Development Center) aufgebaut – ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in China, mit dem das Projekt in nur 18 Monaten abgeschlossen werden konnte.
Batterien: NMC beim Renault 5 E-Tech und Renault 4 E-Tech, LFP beim Twingo
Auch bei den Batterien setzt Renault in dieser Dreierfamilie auf unterschiedliche Ansätze. Während Renault 5 E-Tech und Renault 4 E-Tech vorerst NMC-Zellen verwenden, ist der Twingo der erste Renault mit LFP-Batterien, die günstiger sind. Diese Lösung dürfte künftig auch bei den übrigen kompakten Elektro-Modellen der Baureihe Einzug halten.
Der Renault Twingo ist in Portugal ab 19 497 Euro erhältlich; R5 und R4 starten dort bei 24 907 Euro bzw. 29 747 Euro.
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