Der SEAT Toledo wurde in Portugal im Jahr 2000 erneut zum Auto des Jahres gekürt – es handelte sich dabei um den 1M, also die zweite Generation, die 1998 auf den Markt gekommen war. Schon 1992 hatte der Toledo (1L, erste Generation) diese Auszeichnung einmal gewonnen.
Die spanische Familienlimousine, die 1991 auf dem Automobilsalon in Barcelona erstmals öffentlich gezeigt wurde, war damit erst das zweite Modell, dem ein doppelter Sieg gelang (zuvor schaffte das nur der Volkswagen Passat).
Wie bereits der Vorgänger stammte auch der Toledo der zweiten Generation aus der Feder von Giorgetto Giugiaro. Seine Premiere feierte er auf dem Pariser Autosalon 1998. Technisch basierte er auf der PQ34-Plattform des Volkswagen-Konzerns, die 1996 im Audi A3 debütierte und damals zahlreiche weitere Modelle trug: Audi TT, SEAT Leon, Skoda Octavia, Volkswagen Beetle, Volkswagen Bora und Volkswagen Golf.
Familienauto mit sportlichem Charakter
Im Baukasten teilte sich der Toledo viele Komponenten mit Octavia und Bora, positionierte sich aber – trotz viertüriger Karosserie – als die sportlichere Alternative dieses Trios. Zur damaligen Zeit kursierten viele Spekulationen über mögliche Ableger, insbesondere über ein Coupé. Die Variante, die dann tatsächlich rasch folgte, war jedoch ein fünftüriges Schrägheck: der erste Leon.
Im Innenraum orientierte sich das Armaturenbrett am Audi A3 der ersten Generation. Der Kofferraum bot 500 Liter Ladevolumen, mit umgeklappter Rücksitzbank waren es bis zu 830 Liter – ganz im Sinne der familiären Rolle des Toledo. Gleichzeitig präsentierten sich Verarbeitung und Materialanmutung dank der neuen Positionierung der spanischen Marke auf einem überzeugenden Niveau.
Bei den Motoren stach vor allem der 1.9 TDI mit 90 und 110 PS hervor. Auf der Benziner-Seite standen drei Aggregate bereit: ein 1.6 Cross-Flow mit 100 PS, ein 1.8 20v mit 125 PS (aus dem Audi-Regal) sowie ein 2.3 mit 150 PS. Letzterer war nicht nur der erste Fünfzylinder in einem SEAT, sondern zudem ein besonders seltener V-Fünfzylinder, der direkt vom VR6 abgeleitet war.
Obwohl die zweite Toledo-Generation kein Facelift erhielt, wurde sie im Laufe der Zeit mit neuen Motorisierungen an die immer strengeren europäischen Abgasnormen angepasst. Im Jahr 2000 ersetzte ein 1.6 16v mit 105 PS das Einstiegsaggregat und sollte bessere Fahrleistungen bei geringerem Verbrauch liefern. Bereits 2001 folgte dann ein nochmals kräftigerer 1.9 TDI mit 150 PS – und den legendären drei Buchstaben TDI in Rot.
180 PS für den stärksten SEAT Toledo
Der 2.3 V5 legte in seiner Mehrventil-Variante auf bis zu 170 PS zu – insgesamt mit 20 Ventilen. An der Spitze der Toledo-Palette stand am Ende jedoch ein anderer Motor: der 1,8-Liter-Turbovierzylinder aus Audi-Quelle mit 180 PS. Interessanterweise verfügte auch er über 20 Ventile, hier allerdings mit fünf Ventilen pro Zylinder.
Auch der 1.9 TDI wurde 2003 um eine Version mit 130 PS ergänzt. In diesem Zuge erhielt der Toledo zudem neue Außenspiegel mit beheizter Verstellung, die vom damals neuen Ibiza (dritte Generation) übernommen wurden.
Während der europäische Markt zunehmend größere Limousinen und … Vans stärker nachfragte und Mittelklasse-Limousinen an Aufmerksamkeit verloren, geriet der Toledo in diese neue Marktlage. Er konnte die Erwartungen des spanischen Herstellers wirtschaftlich nicht erfüllen und blieb hinter den Stückzahlen der ersten Generation zurück.
Gab einem der speziellsten Leon aller Zeiten den Antrieb
Möglicherweise war das ein Grund, warum eine besonders würzige Toledo-Variante nie in Serie ging: der SEAT Toledo Cupra, gezeigt auf dem Genfer Autosalon 1999. Er kam mit 18-Zoll-Felgen, tiefergelegtem Fahrwerk, einem aufgewerteten Interieur und – als entscheidendem Punkt – einem 2,8-Liter-V6 (dem VR6 aus dem Volkswagen-Konzern), der 204 PS leistete und seine Kraft an alle vier Räder schickte.
In den Handel kam diese Version nie. Der Antrieb wurde jedoch als „Muntermacher“ für den (ebenfalls seltenen) Leon Cupra 4 ausgewählt. Es blieb der einzige Leon der Geschichte mit mehr als vier Zylindern.
Hinterließ Spuren in Tourenwagen-Meisterschaften
Auch im Motorsport schrieb der Toledo der zweiten Generation ein Kapitel: mit dem 2003 vorgestellten Toledo Cupra Mk2 für die European Touring Car Championship (ETCC). Als die ETCC 2005 zur World Touring Car Championship (WTCC) wurde, blieb der Toledo Cupra Mk2 weiterhin im Feld.
2004 und 2005 trat SEAT Sport außerdem in der British Touring Car Championship (BTCC) mit zwei Toledo Cupra Mk2 an, die den ETCC-Fahrzeugen ähnelten. Insgesamt war seine Karriere im Rennbetrieb bemerkenswert lang – denn selbst 2009 setzten Privatteams das Modell in dieser britischen Tourenwagenserie noch ein.
2004 wurde der SEAT Toledo abgelöst: Mit der dritten Generation kam eine Karosserie mit … anderem Konzept. Aus der viertürigen Stufenheck-Limousine wurde ein eigenwilliges, hoch bauendes fünftüriges Schrägheck mit „Van-Anklängen“ – vom Altea abgeleitet. Gestaltet wurde es vom Italiener Walter de Silva, dem „Vater“ von Modellen wie Alfa Romeo 156 oder Audi R8, der über Jahre das Design im Volkswagen-Konzern prägte.
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