Nachdem wir bereits den FR 1.5 eTSI (Mildhybrid) getestet hatten, trafen wir erneut auf den spanischen Kombi, um seine bislang neue Plug-in-Hybrid-Variante kennenzulernen: den SEAT Leon Sportstourer e-HYBRID.
Dabei handelt es sich um das erste SEAT-Modell zum „Anschließen an die Steckdose“. Seine gemischte Ernährung aus Elektronen und Oktan verbirgt er äußerlich sehr geschickt: Lediglich die Ladebuchse im vorderen Kotflügel auf der Fahrerseite sowie ein kleines Logo am Heck verraten ihn.
Bei einer ebenso persönlichen wie subjektiven Beurteilung des Designs muss ich zugeben, dass mir der Auftritt des neuen Leon Sportstourer gefällt. Der spanische Kombi bleibt zwar zurückhaltend, wirkt optisch aber deutlich raffinierter als sein Vorgänger.
Ob wegen des durchgehenden Leuchtbands am Heck oder seiner größeren Abmessungen: Mit diesem SEAT Leon Sportstourer e-HYBRID blieb ich nirgends unbemerkt. Das kann – so hoffe ich zumindest – nur als „Pluspunkt“ für den Stil des Modells aus Martorell gelten.
Was verändert sich im Innenraum?
Während die Unterschiede zu den übrigen Leon-Sportstourer-Modellen außen überschaubar sind, fallen sie im Innenraum praktisch nicht auf. Nur die speziellen Menüs im Kombiinstrument und im Infotainmentsystem erinnern daran, dass auch dieser SEAT Leon Sportstourer an die Steckdose angeschlossen wird.
Ansonsten bietet er weiterhin einen der modernsten Innenräume seines Segments – insbesondere gegenüber der vorherigen Generation ist der Fortschritt bemerkenswert. Das Cockpit wirkt solide verarbeitet und verwendet in den Bereichen, die Augen und Hände am häufigsten erreichen, angenehm weiche Materialien.
Unterm Strich fällt das Ergebnis positiv aus. Bedauerlich ist lediglich das nahezu vollständige Fehlen physischer Bedienelemente und Direktwahltasten. Tatsächlich gibt es auf der Mittelkonsole nur drei davon: zwei für die Temperaturregelung der Klimatisierung und eine für die Radiolautstärke. Dass es sich um Touchflächen handelt, die nachts nicht beleuchtet sind, erleichtert ihre Bedienung nicht gerade.
Beim Platzangebot wird der Leon Sportstourer seinem familientauglichen Format sowohl vorn als auch hinten gerecht. Dank der MQB-Plattform bietet er gute Platzverhältnisse für die Insassen.
Für die Unterbringung der 13-kWh-Batterie musste allerdings das Kofferraumvolumen auf 470 Liter sinken. Das liegt deutlich unter den üblichen 620 Litern, reicht für familiäre Aufgaben aber weiterhin aus.
„Nur“ die stärkste Version
Neben ihrer Rolle als umweltfreundlichste Leon-Variante ist die Plug-in-Hybrid-Ausführung zugleich die leistungsstärkste. Die kombinierte Systemleistung beträgt 204 PS und entsteht aus dem Zusammenspiel des 1.4 TSI mit 150 PS und des Elektromotors mit 115 PS (85 kW).
Trotz der respektablen Werte, die sogar über denen der Konkurrenz liegen – der Renault Mégane ST E-TECH kommt beispielsweise auf lediglich 160 PS –, sollte man vom Leon Sportstourer e-HYBRID keine sportlichen Ambitionen erwarten.
Nicht, dass seine Fahrleistungen uninteressant wären – das sind sie keineswegs. Sein Schwerpunkt liegt jedoch auf Familientauglichkeit und günstigen Betriebskosten, einem Bereich, in dem er es mit Dieselmodellen aufnehmen kann.
Schließlich ermöglicht dieser Leon bis zu 64 km rein elektrisches Fahren. Auf einer Strecke mit hohem Autobahnanteil schaffte ich ohne besondere Sparbemühungen zwischen 40 und 50 km, ohne auf Benzin zurückzugreifen. Darüber hinaus kann er ausgesprochen sparsam sein.
Abgesehen von den Phasen mit reichlich Batterieladung, in denen das sanfte und effiziente Hybridsystem Verbräuche von 1,6 l/100 km ermöglicht, lag der Verbrauch bei 5,7 l/100 km, sobald die Batterie leer war und der SEAT Leon Sportstourer e-HYBRID wie ein konventioneller Hybrid arbeitete.
Dynamisch erwies sich der spanische Kombi als gelungenes Zusammenspiel aus Komfort und Fahrverhalten. Seine Ausrichtung ist eher ausgewogen als unterhaltsam und passt damit gut zu seinem Anspruch als Familienauto.
Obwohl der getestete Wagen nicht mit DCC (Dynamic Chassis Control) ausgestattet war, arbeitete die Lenkung präzise und direkt. Die Karosseriebewegungen werden wirksam kontrolliert, während die Stabilität auf der Autobahn dem Niveau seiner deutschen „Cousins“ folgt.
Ist er das richtige Auto für mich?
Der SEAT Leon Sportstourer e-HYBRID zeigt, dass SEAT vor der Einführung seines ersten Plug-in-Hybrids „die Hausaufgaben gemacht“ hat.
Zu den bereits bekannten Stärken des spanischen Modells – etwa dem großzügigen Platzangebot, dem eigenständigen Design und der soliden Verarbeitung – gesellen sich beim SEAT Leon Sportstourer e-HYBRID mehr Leistung als bei einigen seiner wichtigsten Wettbewerber sowie ein wirklich effizientes Plug-in-Hybridsystem.
Ob er das richtige Auto für dich ist? In diesem Fall solltest du wohl besser zum Taschenrechner greifen. Zwar stehen 204 PS und ein interessantes Sparpotenzial bereit, doch diese Version kostet ab 38 722 Euro.
Zum Vergleich: Ein Leon Sportstourer mit dem 1.5 TSI und 150 PS erreicht Verbräuche um 6 l/100 km und ist für die deutlich vernünftigeren 32 676 Euro erhältlich.
Was bedeutet das? Wie bei Dieselfahrzeugen ist der Plug-in-Hybrid höchstwahrscheinlich die ideale Lösung für alle, die täglich viele Kilometer zurücklegen – vor allem im Stadt- und Vorstadtverkehr. Dort ermöglicht das elektrische Fahren über viele Dutzend Kilometer spürbare Einsparungen bei den Kraftstoffkosten.
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