Der Hinweis steckt bereits im Namen: In der japanischen Hauptstadt läuft derzeit die Tokyo-Mobilitätsmesse, nicht die Tokyo Motor Show. Denn Autobauer möchten heute nicht mehr auf die Rolle von Unternehmen reduziert werden, die ausschliesslich Autos bauen. Sie verstehen sich lieber als „Mobilitätsanbieter“.
Toyota treibt diesen Ansatz besonders konsequent voran. Der Hersteller hat auf der Messe in diesem Jahr eine ebenso breite wie ausgefallene Auswahl an „Dingen, die keine Autos sind“ präsentiert. Das sind die spannendsten davon.
Toyota Kids Mobi: ein Auto für Kinder
Der Kids Mobi ist ein Auto für Kinder – tatsächlich. Die Entwickler fragten sich, ob Kinder künftig durch KI und autonomes Fahren ein eigenes Fahrzeug besitzen könnten, weil sie keinen Führerschein mehr bräuchten. Dabei sind nach unserem Eindruck noch viele rechtliche Fragen offen. Herausgekommen ist jedenfalls eine Art futuristisches Little-Tykes-Auto mit freundlichem Gesicht, animierten „Augen“ und autonomer Fahrfunktion. Niedlich!
Toyota vertritt zudem deutlich die Haltung: „Wenn du nicht mobil bist, sollte die Mobilität zu dir kommen.“ Deshalb zeigt das Unternehmen drei neue Prototypen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Darunter ist eine Mischung aus Krabbe und Bürostuhl, mit der gelähmte, ältere oder behinderte Menschen gehen, laufen und sogar tanzen können.
Daneben gibt es ein Gefährt, das wie eine Kreuzung aus Segway und Sportmotorrad wirkt, zügig fahren und sich in Kurven neigen kann. Es soll beim Sporttreiben helfen, etwa bei Tennis oder Basketball. Vermutlich wird es bei den Paralympics ziemlich bald verboten.
Der Land Cruiser unter den Rollstühlen
Ebenfalls interessant ist der „Land Cruiser unter den Rollstühlen“. Offenbar ging dieses Konzept auf einen besonderen Wunsch von Toyota-Chef Akio Toyoda zurück. Er erklärte, dass er inzwischen 69 Jahre alt sei und auch im Ruhestand driften, Donuts drehen und im Gelände Rennen fahren wolle. Entsprechend verfügt das Gefährt über ein Paar grobstolliger Reifen und einen robusten Rahmen.
Doch dies ist nicht das einzige widerstandsfähige Fahrzeug, das Toyota als möglichen künftigen Nischenöffner betrachtet. Die möglicherweise wichtigste Maschine der gesamten Messe trägt den Namen IMV Origin.
IMV Origin: der Bausatz-Lkw für Afrika
Dabei handelt es sich um einen Bausatz-Lkw, der zu 70 Prozent vormontiert ab Werk in einer Kiste verschickt wird. In einen Schiffscontainer passen sechs Stück; am Zielort ergänzt der Empfänger Fahrerhaus, Bedienelemente und weitere Komponenten. Toyota zufolge entstehen dadurch überall dort Arbeitsplätze, wo das Fahrzeug eingesetzt wird. Wie der Lkw ausgerüstet wird, entscheidet der Nutzer selbst: möglich sind Müllwagen, Lieferfahrzeug, Eiswagen, Pick-up oder Viehtransporter – praktisch alles.
Der IMV Origin ist zweckmässig, robust und unkompliziert. Toyota erklärt, er sei für Regionen Afrikas entwickelt worden, in denen die Bevölkerung keinen Zugang zu befestigten Strassen hat und sich die vorhandenen Fahrzeuge nicht leisten kann.
Falls das Konzept vertraut klingt: Vielleicht erinnern Sie sich an den Gordon Murray Design OX Truck. Auch er war ein Bausatz für einen geländegängigen Selbstbau-Lastesel, der für den Einsatz in Afrika vorgesehen war.
Das Projekt kam nie über die viel gelobte Designkonzept-Phase hinaus. Mit dem Gewicht des Weltkonzerns Toyota im Rücken könnte die Idee eines Selbstbau-Lkw im Ikea-Stil für einige der ärmsten Gemeinschaften der Welt nun aber realistische Chancen haben. Genau wie die Rollstühle ohne Räder …
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