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Toyota Gazoo Racing GR GT und GT GT3: Die neuen Fahrerautos

Sportliches, dunkelgraues Coupé mit roten Bremssätteln und schwarzem Felgendesign vor grauem Hintergrund.

Nach Monaten voller Spekulationen und häppchenweiser Informationen sind sie nun da: der Toyota Gazoo Racing GR GT und der GT GT3. Mit ihnen will Toyota wieder kompromisslos fahrerorientierte Sportwagen ins eigene Programm holen.

Toyota GR GT und GT GT3 erstmals im Detail

Endlich liegen konkrete Informationen vor. Nach einigen verschwommenen Videos und dem Auftritt beim Goodwood Festival of Speed, bei dem beide Autos fester eingewickelt waren als die Fäuste eines Boxers, zeigen sie sich jetzt unverhüllt. Und das wirkt ausgesprochen spannend. So spannend, dass wir zur Vorstellung auf dem Fuji Speedway in Japan sind, um herauszufinden, worum es hier genau geht. Bitte seht uns nach: Der Jetlag ist durchaus real.

Den Anfang macht der GT. Der Straßensportwagen ist ein zweisitziger Gran Turismo mit langer Motorhaube und weit hinten positionierter Fahrgastzelle. Seine Proportionen erinnern an Mercedes-AMG GT, Viper, SLS oder letztlich an nahezu jeden anderen Frontmotor-Hinterradantriebler dieser Art, dessen technische Eckdaten bereits seine Silhouette geprägt haben. Er ist zudem ziemlich groß: 4.820 mm lang, rund zwei Meter breit und nur 1.195 mm hoch. Der Auftritt ist ebenso breitbeinig wie präsent, und neben ihm wirkt er nochmals deutlich flacher, als man erwartet.

Konstruktiv setzt Toyota auf eine Aluminiumstruktur mit zahlreichen Anbauteilen aus CFK, also kohlefaserverstärktem Kunststoff. Motorhaube, Dach, Außenhaut der Türen und Kofferraumdeckel fallen dadurch leichter aus, während die wesentlichen Strukturteile aus kostengünstigerem Aluminium bestehen. Für Toyota ist dies der erste Versuch mit einer solchen Architektur. Und ja: Toyota erklärt ausdrücklich, dass der Wagen in der Tradition des 2000GT aus den 1960er-Jahren und des LFA steht – obwohl später noch ein spezifischerer und verwandter Lexus im LFA-Stil folgt, über den ihr hier mehr lesen könnt.

Toyota hat sogar die erfahrenere Ingenieursgeneration, die für den LFA verantwortlich war, gezielt in die Arbeit mit dem GT-Team eingebunden. Sie soll den neuen Kollegen „das geheime Rezept des Autobaus“ vermitteln. Dahinter steht das Prinzip des „Shikinen Sengu“, einer Tradition, bei der ein Shinto-Schrein in regelmäßigen Abständen neu errichtet wird. Eine japanische Haltung, die wir uneingeschränkt großartig finden.

Antrieb, Fahrwerk und Gewichtsverteilung des GR GT

Der serienmäßige GT für die Straße erhält einen eigens entwickelten 4,0-Liter-V8-Benziner mit zwei Turboladern, die im „heißen V“ des Motors sitzen. Ergänzt wird er von einem Mildhybridsystem: Ein einzelner Elektromotor ist in die Transaxle integriert, die vorn an einem komplett neuen Achtgang-Automatikgetriebe mit Schaltwippen sitzt. Statt eines herkömmlichen Drehmomentwandlers kommt eine Nass-Anfahrkupplung zum Einsatz, ergänzt durch ein mechanisches Sperrdifferenzial. Der kleine Elektromotor überbrückt dabei den kurzen Drehmomentverlust beim Beschleunigen und während der Gangwechsel.

Die maximale Systemleistung beträgt 641 bhp und 627 lb ft, wobei Toyota hinter diesen Werten bemerkenswerterweise „oder mehr“ in Klammern ergänzt. Das deutet darauf hin, dass bereits Reserven eingeplant sein könnten. Auch das Gewicht wird mit 1.750 kg angegeben – „oder weniger“. Das heizt zumindest die Spekulationen weiter an, denn 1.750 kg sind wahrlich kein Fliegengewicht.

Leistungsdaten gibt es noch nicht offiziell. Erwartet werden aber weniger als vier Sekunden für den Sprint auf 62 mph beziehungsweise rund 100 km/h sowie 199 mph, also etwa 320 km/h, Höchstgeschwindigkeit. Toyota hat allerdings erneut angedeutet, dass die Spitze über 199 mph liegen könnte. In der Serienversion dürfte der Wagen also die 200-mph-Marke knacken – schon allein für die Top-Trumps-Werte. Rundum arbeiten Doppelquerlenker mit Schraubenfedern. Serienmäßig gibt es die üblichen Brembo-Keramikbremsen im Ausmaß von Esstellern sowie Michelin Cup 2 auf Leichtbaurädern. Alles ziemlich genau das, was man in dieser Klasse erwartet.

Toyota meint es jedoch ernst. Der Motor sitzt so weit hinten, dass er vermutlich die Knie wärmt. Zusammen mit dem hinten montierten Getriebe und dem abgeflachten Antriebsstrang entsteht ein außergewöhnlich niedriger Schwerpunkt. Die Gewichtsverteilung liegt bei 45 Prozent vorn und 55 Prozent hinten. Fahrerbindung, Fahrfreude und Interaktion stehen bei Toyota für dieses Auto offenbar weit oben auf der Prioritätenliste. Musik in den Ohren von Top Gear – ebenso wie das Grollen eines V8.

Aerodynamik und Innenraum des Toyota GR GT

Das Design entstand gemeinsam mit den Aerodynamikern und nicht gegen deren Vorgaben. Besonders die Seitenansicht und die Front-Dreiviertelperspektive öffnen die Augen weit. Vorn sitzen große Kühlergrills, dazu riesige Einlässe, die über die Unterseite der Motorhaube entlüftet werden. Dreieckige Luftkanäle im NACA-Stil führen in Richtung Windschutzscheibe. Das hat etwas vom LFA.

Hinter den Vorderrädern sitzen große Auslässe, die sowohl die Bremsen kühlen als auch die Turbulenzen in den vorderen Radhäusern beruhigen sollen. Hinzu kommen ein extrem kurzer Hecküberhang, ein Ducktail-Spoiler mit zwei Bewegungen und vier Auspuffendrohre in eigenen Gehäusen. Der GR GT wirkt aggressiv, fließend und sehr japanisch – was ausdrücklich ein Kompliment ist. Beim ersten Anblick versucht man allerdings unweigerlich herauszufinden, woran er noch erinnert. Sucht es euch aus: Das ist Sportwagenform Version 1, weshalb sich Vergleiche mit fast allem ziehen lassen, das einen ähnlichen Antriebslayout besitzt. In natura sieht er hervorragend aus, beeindruckend markant und wie ein Gegenmittel zu den etwas weich gezeichneten, geglätteten Formen eines Mercedes GT.

Im Innenraum geht es überraschend zurückhaltend zu, zugleich wirkt alles ruhig und funktional. Bequeme Sportsitze treffen auf einen souveränen Blick über die fußballfeldgroße Motorhaube. Ein digitales Kombiinstrument zeigt auffällige Schaltlichter und Ganganzeigen, dazu gibt es ein unten abgeflachtes Lenkrad sowie mehrere Schalter in dessen Nähe. Der Mitteltunnel ist breit und hoch, endet am Wählhebel selbst und wird von einem vergleichsweise dezenten Touchscreen gekrönt. Das ist kein luxuriöses Flaggschiff, und genau so wirkt es: TGR interessiert sich hier offenbar vor allem fürs Fahren.

GR GT3: Der Rennwagen für die FIA-GT3-Klasse

Der aufregendste Punkt ist jedoch, dass Toyota den Wagen nicht als limitiertes Sondermodell für mehr als 500.000 £ betrachtet. Stattdessen soll es ein schneller, alltagstauglicher und rennstreckentauglicher Spaßwagen sein – nicht etwa ein 1.200-bhp-Einhorn aus heißer Luft. Ein vollständig neuer dazu. In einer Welt, die V8-Motoren scheinbar bereits aufgegeben hatte, kommt damit etwas zunehmend Seltenes: ein neuer Benzin-Sportwagen. Gerüchten zufolge richtet er seinen Blick direkt auf den Mercedes GT und damit auch auf verschiedene Porsche-Modelle. Das bedeutet 105 für einen Basis-GT bis zu rund 180.000 £ für einen GT63. Teuer bleibt das, aber es ist erreichbar.

Und wer noch mehr Geld übrig hat, könnte einen Teil davon im Rennsport ausgeben. Denn zeitgleich startet der GR GT auch als vollständiger GT3-Rennwagen nach FIA-Spezifikation. Ohne Beklebung sieht er wie ein Monster aus. Ein nacktes Monster. Wie bei GT3 üblich, entwickelt er das Basis-Straßenauto weiter: mit einem Frontsplitter wie ein Schneepflug, aggressiveren Ein- und Auslässen, Canards und Öffnungen in der Motorhaube. Die Seitenschweller wirken industriell, der Unterboden ist glatt, und der Venturi-Diffusor ist breit genug, um den größten Teil des Hecks einzufassen.

Dann wäre da noch der Schwanenhals-Heckflügel, praktisch für Picknicks. Im Cockpit befinden sich ein vollständiger Überrollkäfig, ein Jochlenkrad sowie die übliche Motorsport-Elektronik und Sicherheitsausstattung nach dem Prinzip eines zentralen Rechenhirns. Doch sobald man ihn gesehen hat, lässt sich der Gedanke kaum abschütteln, dass irgendwann vielleicht auch ein GR GT-R für die Straße erhältlich sein könnte ...

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