Als Peugeot vor 135 Jahren sein erstes Auto baute, war das Unternehmen bereits 80 Jahre alt. Doch wodurch unterscheidet sich die Marke – abgesehen von ihrem außergewöhnlichen Alter – von vergleichsweise jungen Herstellern wie Hyundai oder ganz neuen Akteuren wie BYD?
Diese Frage beschäftigt zahlreiche Automarken mit langer Tradition: Sie müssen sich in einer Automobilwelt im rasanten Wandel klar positionieren. Für Peugeot-Chef Alain Favey ist die Antwort recht einfach. Er will, dass das Unternehmen stärker auffällt.
„Es gibt viele Wettbewerber, aber ich sehe ein Meer der Beliebigkeit. Peugeot hat Tradition, Innovation, Design und französischen Stil. Wir wollen eine andere Position einnehmen, statt noch beliebiger als die Beliebigkeit zu sein. Und wir müssen schneller werden.“
Peugeot GTI: Tradition, Fahrspaß und Elektroantrieb
Eine seiner ersten schnellen Entscheidungen nach seinem Amtsantritt Anfang dieses Jahres bestand darin, eine GTI-Ausführung des E-208 auf den Weg zu bringen. „Ich konnte nicht glauben, dass wir dieses Erbe nicht nutzen. Wir müssen es tun.“ Weshalb elektrisch? „Das ist heute die Realität des Marktes. Und er hat die Leistung.“ Ein Benzinmodell würde in Frankreich, wie er betont, mit enormen Steuern belastet.
„Wir nehmen Fahrspaß ernst“, sagt er. Das Unternehmen wurde in Ostfrankreich gegründet, hat dort bis heute seinen Sitz, und Angehörige der Familie Peugeot sind weiterhin im Management tätig. „Das ist eine ernsthafte, fleißige Region“, erklärt er. Der unausgesprochene Vergleich: in dieser Hinsicht ein wenig deutsch.
Französisches Charisma statt nüchterner Beliebigkeit
Dabei soll es keinesfalls humorlos zugehen. „Wir haben französisches Charisma und eine Hightech-Ästhetik. Wir sind für Fahrgefühle bekannt, zukunftssicher und auf Langlebigkeit ausgelegt. Das ist eine der wenigen großen Marken Europas. In unserer Geschichte und DNA steckt ein großer Wert.“
Favey bringt dafür den nötigen Blickwinkel mit. Vor seinem Wechsel zu Peugeot hatte er leitende Positionen bei Porsche und Bentley inne. Zuvor sammelte er auch Erfahrung bei französischen Marken, unter anderem während seiner Zeit als Leiter von Citroën in Großbritannien.
Abgesehen davon, dass aktuell noch kein GTI angeboten wird, erkennt er ein grundsätzlicheres Problem: „Wir schöpfen unser volles Potenzial nicht aus.“ Derzeit entfallen in Europa nur fünf Prozent der verkauften Autos auf Peugeot, während die Marke kurz vor der Pandemie einen Marktanteil von sieben Prozent erreichte.
Natürlich haben viele etablierte Hersteller durch das Wachstum von Unternehmen wie BYD und Hyundai Marktanteile verloren. Wie will Favey Peugeot wieder nach vorn bringen? „Nach Covid haben wir die Preise zu schnell erhöht. Im Flottengeschäft waren wir erfolgreich, im Privatkundengeschäft haben wir aber verloren, weil wir dort nicht aktiv genug waren. Ton und Stil unserer Werbung werden künftig anders sein: warm, dynamisch und menschlich.“
Hypersquare als Peugeot-Technik für die Zukunft
Gut und schön, doch allein mit Werbung lässt sich ein Autohersteller nicht neu ausrichten – das weiß auch Favey. „Am Ende dreht sich alles um das Produkt. Wir müssen bei der Qualität liefern. Und Innovation – deshalb sind wir auf diesem Planeten. Wir werden nicht konservativ sein.“
Aus seiner Sicht passt deshalb das neue Hypersquare-Steer-by-Wire-Lenksystem perfekt zur Marke.
„Für uns ist es die Zukunft des Lenkens. Irgendwann wird es in unserer gesamten Modellpalette eingesetzt. Ich vergleiche es mit Quattro.“ Damit meint er, dass der Allradantrieb Audi in der öffentlichen Wahrnehmung einen deutlichen Schub gab, obwohl viele andere Hersteller ihn nach dessen Einführung ebenfalls anboten. „Es zeigt, wofür Peugeot steht: eine Rolle in der Zukunft des Autos zu spielen.“
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